Zum Hauptinhalt springen
Nachrichten aus Markgräflerland

Wertvoller Lebensraum für bodenbrütende Vogelarten

Mehr als die halbe Gewerbeparkfläche ist Natur- und Landschaftsschutzgebiet

Der Gewerbepark Breisgau ist weit mehr als ein erfolgreiches interkommunales Gewerbegebiet. Auf dem 564 Hektar großen Gelände des früheren Militärflugplatzes Bremgarten befindet sich die größte zusammenhängende Wiesenfläche in der Südlichen Oberrheinebene zwischen Basel und Freiburg und damit ein einmaliger Lebensraum für bodenbrütende Vogelarten wie Grauammer und Feldlerche.

von links: Ruben Clemens, Regierungspräsidium Freiburg, Gabriel Rösch, Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald und Verbandsdirektor Markus Riesterer

Gewerbepark Breisgau

„Hier auf den Wiesenflächen und in den Heckenlandschaften am Rande des Flugplatzgeländes brüten Hochkaräter wie die stark bedrohte Grauammer. Die etwa 30 der knapp 100 in Baden-Württemberg vorkommenden Brutpaare bilden das größte Vorkommen im Land“, sagt Ruben Clemens von der Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Freiburg, der das Gebiet betreut. Weiterhin verweist er auf den Namensverwandten des Rotkehlchens, das Schwarzkehlchen, den kleinen Orpheusspötter und den farbenfrohen Ortolan, Feldlerche und Wachtel und eine sehr seltene Heuschreckenart, die Braunfleckige Beißschrecke, die auf dem Flugplatzgelände einen idealen Lebensraum vorfinden.

Das Flugplatzgelände war von 1950 bis 1991 durch einen Zaun von umgebenden Agrarflächen abgeriegelt, so konnte sich über die Jahrzehnte ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche vom Aussterben bedrohte Vogelarten, Heuschrecken und Tagfalter entwickeln. Schon mit Aufnahme der Planungen für die Gründung des Gewerbeparks Breisgau Anfang der 1990er Jahre untersuchten Biologen die Wiesenflächen rund um die Start- und Landebahnen und die sonstigen Verkehrsflächen des Flugplatzes auf dort lebende seltene Arten und entwickelten eine Naturschutzkonzeption. 1999 wurden die ökologisch wertvollen Wiesenflächen unter Schutz gestellt. Sie umfassen 158 ha Naturschutzgebiet und 109 ha Landschaftsschutzgebiet. Wegen der Einmaligkeit des Gebiets ist dieses auch Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat-Gebiet) sowie Vogelschutzgebiet ausgewiesen.

Gewerbepark-Verbandsdirektor Markus Riesterer hat von seinem Büro einen tollen Blick auf das Flugplatzgelände. Er blickt auf ein buntes Mosaik von Grün- und Gelbtönen und hat damit die Ergebnisse des Pflegekonzepts für die Wiesenflächen und Hecken im Blick, das von den Naturschutzbehörden in Zusammenarbeit mit dem Gewerbepark entwickelt und den zahlreichen im Gebiet praktizierenden Landwirten umgesetzt wurde. „Früher wurde hier einheitsgemäht, seit einigen Jahren sind die Mahdtermine für den ersten und zweiten Schnitt festgelegt. So stehen immer ausreichend Rückzugsflächen für die geschützten Vögel zur Verfügung. Außerdem gibt es Altgrasstreifen, die über den Winter stehenbleiben. Die Grauammer und weitere Bodenbrüter können sie für den Nestbau nutzen, wenn sie aus ihrem Winterrevier im Süden zurückkommen“, erläutert Gabriel Rösch von der Naturschutzbehörde beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Die Maßnahmen wirken: Die Brutgebiete der geschützten Vogelarten haben sich innerhalb von fünf Jahren vom südlichen Bereich des Flugplatzgeländes auf das gesamte Gebiet verbreitet.

Etwa 15 Landwirte übernehmen als Pächter der landwirtschaftlichen Flächen die Pflege nach den Vorgaben des Naturschutzes. Mit dem NABU kam vor einigen Jahren ein ökologischer Akteur als Pächter hinzu, der NABU hat 60 Hektar im südlichen Bereich der „Hotspotfläche“ gepachtet und sei, so Riesterer, einer der verlässlichsten Pächter. Dieser bedient sich wiederum landwirtschaftlichen Betrieben zur Pflege seiner Flächen. Hierzu gehört auch Samuel Sonner aus Bollschweil-St. Ulrich.

In den letzten Jahren wurden zudem ungenutzte Flächen im Bereich der Landebahn entsiegelt und aufwändig mit gebietsheimischem Magerwiesen-Saatgut eingesät. „Das ist eine Maßnahme, bei der es nur Gewinner gibt, die Flächen gelten teilweise als Ausgleichsfläche für den Bau des neuen SC-Stadions in Freiburg“, erläutert Markus Riesterer stolz.

Text/Bild: Gewerbepark Breisgau

Auch interessant:

Anzeige

Anzeige