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Nachrichten aus Kehl

Unternehmerforum bei GHJ: Einsatz von KI mit Datenhoheit

Künstliche Intelligenz bietet Unternehmen enorme Chancen: Sie kann helfen, Prozesse zu optimieren, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und echten Mehrwert zu schaffen. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigte das Unternehmerforum, zu dem Oberbürgermeister Wolfram Britz und Wirtschaftsförderer Christoph Hodapp in die Kehler Räumlichkeiten der Kanzlei GHJ eingeladen hatten.

Oberbürgermeister Wolfram Britz (links) und Wirtschaftsförderer Christoph Hodapp luden zum Unternehmerforum in die Räumlichkeiten von GHJ ein.

Stadtverwaltung Kehl

Rund 50 Gäste erhielten dort Einblick in die KI-Strategie der international tätigen Kanzlei. Philipp Jundt, einer der vier Geschäftsführer, widmet sich seit Monaten zu 90 Prozent seiner Arbeitszeit der Frage, wie KI für GHJ und deren Mandanten neue Möglichkeiten eröffnen kann.

Gemeinsam mit Sarah-Ellen Rakover, ebenfalls Geschäftsführerin bei GHJ, präsentierte Philipp Jundt den Gästen das maßgeschneiderte KI-Modell der Kanzlei, das neben Effizienzsteigerung auch Datensicherheit und rechtliche Compliance in den Mittelpunkt stellt. Besonders wichtig ist die Erschließung neuer Dienstleistungsangebote. Für eine Kanzlei wie GHJ, in der Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte mit hochsensiblen Mandantendaten arbeiten, hat der Schutz dieser Daten obersten Stellenwert. Deshalb hat die Kanzlei zusammen mit seinem Technologiepartner eine für ihre Bedürfnisse maßgeschneiderte KI-Suite entwickelt. Der kanzleiinterne Bot „Spark“, dessen Hardwarekosten sich im unteren vierstelligen Bereich bewegen, steht im Serverraum der Kehler Büroräume, untergebracht in einem etwas mehr als handflächengroßen, goldenen Rechner. Nicht nur die Farbe von Spark ist aufsehenerregend. Was er alles kann – und auch: was er unterlässt –, erklärten Philipp Jundt und Sarah-Ellen Rakover ihren Gästen: Die KI ist mit internen Wissensdatenbanken und Leitfäden der Kanzlei versehen, sodass mandantenbezogene Dateien sicher verarbeitet werden können und gleichzeitig Qualität und Zuverlässigkeit garantiert sind. Entsprechend lernt die KI der Kanzlei nicht eigenständig hinzu, sondern arbeitet ausschließlich mit internem Wissen und verfügt hinsichtlich externer Informationen über den Wissensstand von Juni 2024. Auf eine Lernfähigkeit der KI wurde bewusst verzichtet, um ein Halluzinieren, also das Generieren falscher oder frei erfundener Informationen, möglichst auszuschließen. Hinterlegte Standard-Prompts mit variablen Eingaben machen die Nutzung besonders userfreundlich. Wichtig waren der Kanzlei auch differenzierte Zugriffsrechte, angepasst an die Aufgaben der Mitarbeitenden. Noch ist Spark nicht agentenfähig. Zwar erstellt der Bot Entwürfe für E-Mails oder Briefe. Eigenständig versenden kann er diese jedoch nicht, da entsprechende Schnittstellen bewusst nicht eingerichtet sind.

Die Nutzung von KI ist bei GHJ in ein komplexes rechtliches Umfeld eingebettet. Neben der selbstverständlichen Einhaltung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gelten für die drei stark regulierten Berufsgruppen der Kanzlei zahlreiche weitere berufsrechtliche Vorgaben. Weil viele KI-Modelle von US-amerikanischen Unternehmen angeboten werden, treffen europäische Datenschutzregelungen auf US-amerikanisches Recht. Für Kopfzerbrechen sorgt in dieser Hinsicht der sogenannte CLOUD Act, ein US-Gesetz, das amerikanische Unternehmen und deren Tochtergesellschaften zur Herausgabe gespeicherter Daten verpflichtet. Selbst dann, wenn diese außerhalb der USA liegen. Anders ausgedrückt: Unterliegt ein Anbieter dem US‑Recht, können US-Behörden unter Umständen auch auf Daten zugreifen, die physisch in Kehl gespeichert sind. Zwar soll das EU-US Data Privacy Framework den Datentransfer zwischen Europa und den USA so gestalten, dass auch US-Unternehmen die EU-Datenschutzstandards einhalten. Sarah-Ellen Rakover bezeichnete dies jedoch als „Feigenblatt politischer Notwendigkeit“, das einen Zugriff durch US-Behörden nicht vollständig ausschließen könne. Auch eine Anonymisierung biete aus ihrer Sicht kaum Schutz, weil moderne KI‑Modelle ausgezeichnet kontextualisierten und eine Re-Identifizierung wahrscheinlich sei. Verschlüsselung löse das Grundproblem ebenso wenig, weil während der Verarbeitung oder Übertragung sehr kurze Zeitfenster entstünden, in denen Daten unverschlüsselt vorliegen.

Vor diesem Hintergrund entschied sich GHJ bewusst für eine lokal gehostete On‑Premise‑Lösung, die Datenhoheit gewährleistet und, anders als cloudbasierte Systeme mit stark steigenden Serverkosten, kein finanzielles Risiko darstellt. Die Weiterentwicklung der KI-Suite ist bereits in Planung. Philipp Jundt betonte, dass KI nicht nur interne Prozesse effizienter gestalten, sondern auch die Dienstleistungen der Kanzlei neu denken lässt. Wissen könnte künftig in größerem Umfang zugänglich gemacht werden, auch für Menschen, die sich die Leistungen der Kanzlei bislang nicht leisten konnten. Das Unternehmerforum zeigte damit, wie KI bereits heute den Arbeitsalltag prägt – und wie sie gleichzeitig neue Chancen für die Zukunft eröffnen kann.

Text/Bild: Stadtverwaltung Kehl

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