Mit großer Mehrheit beschlossen: Das Ganzjahresbad kann gebaut werden
Kehl – Das Ganzjahresbad kann gebaut werden: Wenn alles glatt läuft, findet im Spätsommer 2029 die Eröffnung des neuen Familien- und Sportbades auf dem Gelände des ehemaligen Kehler Freibades statt. Bei sechs Gegenstimmen hat der Gemeinderat am Mittwochabend (22. Juli) der Realisierung des Projekts mit einem Kostenvolumen von 41,3 Millionen Euro (Gesamtkosten für den städtischen Haushalt) zugestimmt.

Visualisierung des Ganzjahresbad
Damit ist der Weg frei für ein Projekt, das seit der Schließung des Hallenbads (wegen eines einsturzgefährdeten Daches) 2017 in Vorbereitung ist. Bereits im Frühjahr 2020 sollten erste Aufträge vergeben werden; mitten in der ersten Corona-Welle wurde das Projekt jedoch gestoppt – zu groß waren damals die Unsicherheiten in Bezug auf die finanziellen Auswirkungen der Pandemie. Am 18. Mai 2022, kurz nach der Vereidigung von Wolfram Britz als neuer Kehler Oberbürgermeister, beschloss der Gemeinderat, das Projekt wieder aufzunehmen.
Inflation und steigende Baukosten haben das ursprünglich mit 39 Millionen Euro veranschlagte Vorhaben deutlich verteuert, so dass am ursprünglichen Raumprogramm und an der Ausstattung des neuen Ganzjahresbades Veränderungen vorgenommen wurden, die deutliche Einsparungen mit sich bringen. So wurde im Hallen- wie im Freibad die Wasserfläche verkleinert; in beiden Schwimmerbecken wurde die Zahl der Bahnen von sechs auf fünf reduziert. Auf einen Sprungturm wird ebenso verzichtet wie auf eine Gastronomie: Im Winter können sich die Badegäste an Automaten versorgen, im Sommer sollen über einen Food-Truck Speisen und Getränke angeboten werden. Die durch den Wegfall der Gastronomie freiwerdende Fläche wird nun für die Verwaltung genutzt, so dass das Obergeschoss eingespart werden kann, wo sich eigentlich die Büroräume befinden sollten.
In seiner Halbzeitbilanz zu Sitzungsbeginn warb Oberbürgermeister Wolfram Britz für den Baubeschluss in schwieriger Zeit: Seine Vorgänger und der Gemeinderat hätten bei Großprojekten wie dem Garten der zwei Ufer und der Passerelle, dem Bau der Tram und dem parallel dazu laufenden Umbau der ehemaligen Tulla-Realschule zum Kulturhaus in ebenfalls nicht einfachen Zeiten (Irak-Krieg und Weltwirtschaftskrise) Mut bewiesen – die Beschlüsse seien damals zu Recht als historisch bezeichnet worden. „Heute stehen wir erneut in einer für unsere Stadt historischen Situation.“ Von einst drei Bädern in Kehl seien zwei seit Jahren geschlossen, das dritte, das Freibad Auenheim, versuche man „gerade so über die nächsten Jahre zu retten“. Man spreche immer vom Neubau eines Ganzjahresbades, doch eigentlich handle es sich um eine Ersatzinvestition: „Wir ersetzen drei Bäder durch eines.“
Wie Oberbürgermeister Wolfram Britz stellten auch die Ratsmitglieder, die sich in der Debatte zu Wort meldeten, den Baubeschluss für das Ganzjahresbad in die Reihe der Großprojekte, welche sich die Stadt für die nächsten Jahre vorgenommen hat: Die Zentralisierung der Stadtverwaltung auf dem Rathausareal durch ein ergänzendes neues Verwaltungsgebäude, den Ausbau der Ganztagsbetreuung an den Grundschulen und den Schulcampus Niedereich (Neubau der Grundschule Sundheim, Erweiterung der Albert-Schweitzer-Schule, Bau einer Kita und Erneuerung der Niedereichhalle). Diese Projekte seien zusammengenommen deutlich größer als der Garten der zwei Ufer samt den damaligen Stadtentwicklungsmaßnahmen und als die Tram samt dem Umbau der ehemaligen Tulla-Realschule zum Kulturhaus, sagte der OB: „Wir leisten Stadtentwicklung in einem bislang einmaligen Ausmaß.“
Wie andere Redner am Mittwochabend schwor er die Ratsmitglieder ein, sich hinter diesem Mammutprogramm zu versammeln und gemeinsam dafür einzutreten: „In den nächsten Jahren werden also keine zusätzlichen Projekte den Weg auf unsere Agenda finden können. Hierfür werden wir in vielen Fällen für Verständnis werben müssen.“ Die meisten der sechs Stadträte, die gegen das neue Ganzjahresbad votierten, stellten die finanzielle Belastung in der Vordergrund, welche das Bad bedeute: Über die kreditfinanzierte Investition hinaus kommen auf die Stadt jährliche Betriebskosten – inklusive Kreditzinsen – in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro zu. Zum Vergleich: Der viermonatige Betrieb des Freibads Auenheim verursacht Betriebskosten von rund einer Million Euro.


