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Eisbär Lloyd erkundet Anlagen im Zoo Karlsruhe

Umzug von Bremerhaven nach Karlsruhe gut verlaufen

Seine ersten Schritte in der neuen Heimat im Zoo Karlsruhe sind bereits sehr selbstbewusst. Als der Schieber zur Außenanlage sich am Morgen öffnet, ist der 21 Jahre alte Eisbär Lloyd neugierig und erkundet den kleineren Teil des Geheges. 

Eisbär Lloyd erkundet die Außenanlage.

Maike Franzen/Zoo Karlsruhe,

Der größere Abschnitt ist noch Charlotte vorbehalten. Sehen können sie sich aber bereits durch die Scheiben. Beim Wasserdurchfluss haben die beiden Eisbären sogar die Möglichkeit, sich zu erschnuppern. Das passiert bereits in den ersten Minuten. Beide Bären scheinen sehr interessiert aneinander. Auch in der Innenlage gibt es ein Gitter, an dem sich Lloyd und die siebenjährige Charlotte besser kennenlernen können. In wenigen Wochen ist dann eine Vergesellschaftung der Tiere geplant.

"Es ist ein wunderschöner Bär. Wir sind total froh, dass er uns vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm zugeteilt wurde", schwärmt Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt. Bei seiner Kollegin Dr. Heike Kück, Direktorin des Zoos am Meer Bremerhaven, hatte sich Reinschmidt bereits im Vorfeld ausführlich über Lloyd informiert. In Bremerhaven hatte der 380-Kilo-Koloss rund 20 Jahre gelebt. Gestern war er dann auf die Reise quer durch die Republik von der Nordseeküste an den Oberrhein geschickt worden.

Eisbär Lloyd schwimmt im Wasserbecken der Außenanlage Eisbär Lloyd schwimmt im Wasserbecken der Außenanlage

Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Fahrt verlief ohne Komplikationen

"Die Fahrt lief sehr gut und ohne Komplikationen. Lloyd war mit einem der erfahrensten Zootier-Transporteure unterwegs, verstaut in einer Spezialkiste für Eisbären", berichtet Zootierarzt Dr. Lukas Reese. Bereits am Abend kam der Klein-Lkw in Karlsruhe an, die Kiste wurde zu den Innenstallungen der Bären gebracht. "Dort haben wir die Möglichkeit, direkt an das Gehege anzudocken und so das Tier sicher und ohne Gefahr für die beteiligten Menschen selbstständig aus der Kiste herauskommen zu lassen", erläutert Reese. Sicherheit sei ein ganz wichtiges Thema beim Transport von Eisbären, schließlich handele es sich um das größte Landraubtier der Welt, so der Zootierarzt.

Nach dem durch eine angeborene Nierenerkrankung verursachten Tod von Eisbär Blizzard Anfang Februar im Zoo Karlsruhe, hat sich die Möglichkeit ergeben, Lloyd mittelfristig mit Charlotte zu vergesellschaften. "Die beiden Tiere sollen jedoch keine Jungtiere zeugen. Aktuell gibt es jedenfalls einen Zuchtstopp, Lloyd hat deswegen auch ein Verhütungsimplantat", sagt Dr. Marco Roller, ebenfalls Tierarzt im Zoo Karlsruhe. Da es in europäischen Zoos in den vergangenen Jahren bei Eisbären einigen Nachwuchs gab, hat der Zuchtkoordinator für fast alle Paare einen Zuchtstopp erlassen, weil für die Jungtiere auch geeignete Haltungen zur Verfügung stehen müssen. Dabei spielt der Krieg in der Ukraine eine entscheidende Rolle, da Eisbärenhaltungen in Russland und der Ukraine für eine Jungtierübernahme zurzeit nicht zur Verfügung stehen.

Lloyd auf der Außenanlage

Temporär ist in Karlsruhe kein Eisbären-Nachwuchs geplant

"Das heißt aber nicht, dass wir in Karlsruhe die Zucht aufgeben, nur temporär ist eben kein Nachwuchs geplant", erklärt Roller. "Der Zoologische Stadtgarten Karlsruhe ist ein wichtiges und wertgeschätztes Mitglied der internationalen Bemühungen zum Arterhalt dieser vom Klimawandel so massiv beeinflussten und gefährdeten Tierart", ergänzt Reinschmidt. Die Forschungsergebnisse der Weltnaturschutzunion haben ergeben, dass die weltweite Eisbärenpopulation in den nächsten 35 bis 40 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit um mehr als 30 Prozent zurückgehen wird. Daher komme der Erhaltungszucht in menschlicher Obhut eine besonders wichtige Aufgabe zu, so Roller. Diese Zucht müsse aber immer koordiniert werden, um in der Zoopopulation eine möglichst große genetische Vielfalt zu erhalten. In Europa leben derzeit lediglich 104 Eisbären in 36 zoologischen Einrichtungen.

"Moderne und wissenschaftlich geleitete Zoos müssen ihr Ziel, hohe Haltungsstandards zu erreichen, stetig überprüfen und bestehende Haltungssysteme teilweise auch hinterfragen, neu evaluieren und anpassen", berichtet Roller, der gerade die Karlsruher Anlage auf einem sehr guten Stand sieht. In einer 2021 vom Zoo Karlsruhe in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich, dem Zoo Halle, dem Zoo Kopenhagen und dem Zoo-Weltverband WAZA veröffentlichen Studie zur Entwicklung der Lebenserwartung und der Jungtiersterblichkeit von in Zoos gehaltenen Raubtieren werden deutliche Fortschritte in der Haltung belegt. Das Engagement der Zoos zur kontinuierlichen Verbesserung habe messbare Auswirkungen erbracht.

Die gesamte Population betrachtet, werden Eisbären in zoologischen Gärten immer älter und immer weniger Jungtiere sterben im ersten Lebensjahr. Roller, der Hauptautor der Studie ist, verdeutlicht: "Ganz explizit gesagt, es sterben im Zoo sogar deutlich weniger neugeborene Eisbären in den in der Jungtieraufzucht so kritischen ersten 100 Tagen, als im natürlichen Verbreitungsgebiet dieser Tiere. Daher ist die Zucht von Eisbären in menschlicher Obhut enorm wichtig." Es sei deshalb im Zoo nach dem Tod von Blizzard auch nie eine Aufgabe der Eisbärenhaltung diskutiert worden.

Besondere Bedeutung Karlsruhes in der Eisbärenhaltung

Marina Galeshchuk, Dr. Florian Sicks und Douglas M. Richardson hatten für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) erst kürzlich in einem Brief an den Zoo Karlsruhe dessen besondere Bedeutung in der Eisbärenhaltung herausgestellt. Dabei ging es sowohl um die historischen Verdienste – Karlsruhe war vor wenigen Jahrzehnten noch Europas erfolgreichste Eisbärenzucht –, als auch um die Zukunftsaussichten für eine moderne Erhaltungszucht im Badischen.

Ob Lloyd, der in Bremerhaven mit Valeska bereits vier Jungtiere gezeugt hat, dann auch für die Zucht in Karlsruhe ausgewählt wird, ist völlig unklar. "Das haben am Ende immer die Koordinatoren des EEP zu entscheiden", sagt Reese. Mittelfristig sei die Aufnahme von Lloyd aber auf alle Fälle richtig. Durch den Umzug nach Karlsruhe kann Valeska mit ihren Jungtieren Anna und Elsa in Bremerhaven fortan die gesamte Anlage nutzen. Die rund 2.000 Quadratmeter große Anlage in Karlsruhe dürfen sich in Zukunft Charlotte und Lloyd teilen.

Text/Bilder: Stadt Karlsruhe

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Stadt Waldkirch

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