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Nachrichten aus Kaiserstuhl

Rennradparadies Kaiserstuhl

Wo Kurven wie ein Lasso schwingen

Dass die Rennrad-Profis der Deutschland Tour 2022 am Kaiserstuhl Station machen, ist nun wirklich kein Wunder: Das Mini-Mittelgebirge am Oberrhein ist schließlich das absolute Traumrevier für Rennradlerinnen und Rennradler.

Rennrad Kaiserstuhl

copyright NGK/P. Kunkel

Früh am Morgen. Die Sonne lugt kaum über den höchsten Punkt des Kaiserstuhls. Meine Beine aber brennen schon lichterloh. Was kein Wunder ist: Wie wild kurble ich auf dem Rennrad die steile Rampe hinauf zur Schelinger Höhe. Richtig lang ist der Anstieg von Bahlingen aus zwar nicht, aber dafür heftig – bei bis zu 16 Prozent Steigung auf der drei Kilometer langen Strecke ist Oberschenkelkraft gefragt.

Typisch Kaiserstuhl: Weit hoch geht es zwar nirgends, aber fast alle Pässe haben es in sich. Die schwungvollen Kurven des Mini-Gebirges am Westrand des Schwarzwaldes sind wie gemacht für anspruchsvolle Rennradtouren. Die Weinbergterrassen sind durchzogen von einem Netz verschlungener Nebenstraßen. So wie auch am nahe gelegenen Tuniberg, wo sich steile Rampen zwischen Weinbergen mit aussichtsreichen, kurvigen Höhenwegen abwechseln. Genau darum lieben ja Rennradlerinnen und Rennradler die Region tief im Süden. Und oft genug spannt sich tiefblauer Himmel über die Szenerie, denn die Weinbaugebiete Kaiserstuhl und Tuniberg gehören zu den sonnigsten Gegenden in Deutschland.

Was den Kaiserstuhl noch ausmacht? Die große Vielfalt auf engstem Raum. Der einstige Vulkan ist zwar von überschaubarer Größe, doch er erhebt sich wie eine Insel im Oberrheingraben zwischen Schwarzwald und Vogesen und ist eine einmalige Kulturlandschaft aus Weinbergen, Wäldern und Obstwiesen. Und zwischen die Weinbergterrasse schmiegen sich schmucke Winzerdörfchen.

„Am liebsten trainiere ich im Kaiserstuhl“, schwärmt auch Rennradprofi Heinrich Haussler. Die Landschaft hat es dem Rennfahrer mit australischem Pass sichtlich angetan. Er lebt und trainiert seit 15 Jahren in Freiburg: „Ich kenne hier jeden Stein und jeden Baum am Straßenrand“, sagt er und grinst breit: „Ich bin kein klassischer Bergfahrer. Die Wellen im Kaiserstuhl und rund um den Tuniberg sind für mich ideal. Hier jagt eine steile, kurze Rampe die nächste. Das ist ein bisschen wie bei den Frühjahrsklassikern in Flandern. Also ein Terrain, das ich am liebsten mag.“ Zudem: 

 

copyright NGK/P. Kunkel

Das angenehme Klima! Selbst im Winter könne er hier noch seine Rennradrunden drehen, wenn oben im Schwarzwald Schnee liege. Und überhaupt: Die Landschaft. „Einfach wunderschön.“

Eine Einschätzung, mit der er nicht alleine ist: Wenn die Deutschland Tour Ende August 2022 nach Südbaden kommt, steht neben dem Schauinsland auch der Kaiserstuhl auf dem Plan – „natürlich!“, findet Fabian Wegmann, der Sportliche Leiter von Deutschlands wichtigstem Radrennen. Der Streckenplaner und ex-Radprofi lebte selbst einige Jahre wegen der idealen Trainingsbedingungen in Freiburg: „Wenn man hier in diese Region kommt, dann ist der Kaiserstuhl aus Radsportsicht ebenso ein Muss wie eine Bergankunft auf dem Schauinsland.“

Mein Plan für das Wochenende: Auf den Spuren der Profis die schönsten Rennradspots der Region abklappern! Die 150-Kilometer-Profi-Etappe der Deutschland Tour habe ich mir allerdings in zwei Tage aufgeteilt und beide Touren noch ein bisschen verlängert. Einen Tag lang will ich rund um den Schauinsland auf den Bergstraßen im Schwarzwald Höhenmeter sammeln. Heute zieht es mich in die harmonisch gewellten Reblandschaften von Kaiserstuhl und Tuniberg.

Von Freiburg aus rolle ich erstmal flach durch die sanft gewellte March. Als ich den Kaiserstuhl erreiche, geht es Schlag auf Schlag: Zuerst die giftige Rampe rauf auf die Schelinger Höhe. Und nach einer kurzen, rasanten Abfahrt ab Oberbergen der knackige Anstieg zum berühmten Texaspass. Der Straßenübergang verdankt seinen Namen dem Umstand, dass seine Serpentinen wie ein Lasso schwingen. Baßgeige heißt die legendäre Kurvenkombination, die sich im unteren Teil des Anstiegs durch die Rebhänge fräst – legendär und zugleich das wohl am meisten fotografierte Motiv im ganzen Kaiserstuhl.

Bei der Deutschland Tour werden hier die Profis in irrwitzigem Tempo die zweite Bergwertung unter sich ausmachen. Ich lasse es gelassener angehen, aber dennoch fließt der Schweiß in Strömen. Auch kein Wunder, denn jetzt gart mich die Morgensonne bereits ordentlich durch. Was ich mir bei allem sportlichen Ehrgeiz nicht entgehen lasse: Den Stopp oben am Texaspass, um die weiten Blicke und das sagenhafte Panorama über die Weinbergterrassen zu genießen. Eine Versuchung, der selbst hartgesottene Radprofis nicht widerstehen können: „Ich liebe es, hier einfach mal abzusteigen. An klaren Tagen kann man bis zu den Vogesen sehen“, schwärmt auch Heinrich Haussler, der mit seinem Team ebenfalls bei der Deutschland Tour am Start sein wird.

Beim Rennen wird Heinrich natürlich keine Zeit für ausgiebigen Landschaftsgenuss haben. Im Trainingsalltag genießt er die sonnigsten Region Deutschlands. „Ehrlich, ich will hier gar nicht mehr weg. Für mich ist die Region der ideale Standort für Radsportler. Du hast hier alles: Man kann hunderte Höhenmeter im Schwarzwald sammeln, kilometerlang flach im Rheintal rollen oder eben das abwechslungsreiche, wellige Terrain von Kaiserstuhl und Tuniberg unter die Räder nehmen.“

Nach dem Kaiserstuhl machen sich die Profis weiter auf dem Weg ins Markgräflerland ehe es am Ende in die Schwarzwaldberge geht. Ich bleibe lieber hier und hänge noch eine Extrarunde durch die Rebterrassen abseits der Hauptstrecken dran. Denn viele Weinbergswege sind asphaltiert, steil und gehen richtig in die Beine. Und vor allem sind sie für den Autoverkehr gesperrt. Davon kann ich einfach nicht genug kriegen.

Hinter jeder Biegung ziehen mich die weiten Blicke in ihren Bann. Im Wiegetritt erklimme ich die unter lokalen Rennradlern als legendär steil geltenden Mondhaldeschleifen. Und bergab rausche ich durch die verschlungenen Kurvenkombinationen, die Generationen von Kaiserstühler Winzern in die steilen Hänge aus Löß gefräst haben.

Seit der Römerzeit wird hier Weinbau betrieben. Aber eins ist am Ende meiner Tour sonnenklar: In Deutschlands sonnigster Ecke fühlt sich garantiert nicht nur der Wein wohl!

Hintergrundinfos Deutschlandtour 2022

Endlich wieder da: Vor über 21 Jahren rollte die Tour de France durch Freiburg. Jetzt gibt es endlich wieder ein großes Radsportereignis in unserer Region: Die dritte Etappe der Deutschland Tour kommt am 27. August 2022 nach Freiburg. Die Route führt zuerst über die Anstiege des Kaiserstuhls und endet mit einer Bergankunft auf dem Schauinsland im Schwarzwald, dem Hausberg von Freiburg.

Die Freiburg-Etappe der Profis:

Autor: Patrick Kunkel

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