Ein ganz besonderer Tag für Burkhard Tapp:
Vor exakt 21 Jahren wurde er transplantiert – heute das Verdienstkreuz am Bande durch Ministerin Gentges
Sasbach. Die Verleihung eines Bundesverdienstkreuzes habe man nicht alle Tage, so begrüßte Bürgermeister Jürgen Scheiding am Samstagnachmittag zu solch einer besonderen Veranstaltung. Er selbst habe so etwas in seinen 22 Jahren Amtszeit noch nie erlebt, 1996 war solch eine Auszeichnung die letzte in der Gemeinde. Umso mehr freue er sich auf die folgende Laudatio für Burkhard Tapp von der Ministerin der Justiz und für Migranten, Marion Gentges.
Ein besonderer Tag in Sasbach, die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, hier v.l. Bürgermeister Jürgen Scheiding, Ministerin Marion Gentges, Bernhard Tapp und seine Lebensgefährtin Ulrike Reitz-Nave.
Unter den geladenen Gästen weilten hochkarätige Vertreter des Universitätsklinikums Freiburg und der Albert-Ludwig-universität, sowie die Vorsitzende des Bundesverbandes der Organtransplantierten und ihr Stellvertreter aus München.
Ministerin Marion Gentges begrüßte und erklärte den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland als einzige allgemeine Verdienstauszeichnung der BRD. Einst gestiftet 1951 durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Hess. „Dieser Orden werde verliehen für Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt.“
Goethe: „Die Tat ist alles und nichts ist der Ruhm“
Dabei werden Persönlichkeiten geehrt, die ihr Wirken in herausragender Weise in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben. Mit der Anerkennung, so Gentges zeige man, dass das Wirken von Burkhard Tapp nicht unbemerkt blieb, es gesehen werde und zu Recht auch gewürdigt. „Sie Herr Tapp engagieren sich seit über 25 Jahren in außergewöhnlicher Weise für die Organspende und für Organtransplantationen.“ Das sei gelebte Solidarität. Es sei nicht einfach, sich mit Themen wie Krankheit und Tod auseinanderzusetzen, mit der eigenen Endlichkeit. „Sie wissen selbst besser als die allermeisten, was es bedeutet, auf ein Spenderorgan zu warten und es zu erhalten.“
Der Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde Sasbach durfte am Samstag natürlich nicht fehlen. Das Foto zeigt v.l. Yannick Bury (MdB), Bernhard Tapp, Ministerin Marion Gentges, Alexander Schoch (MdL) und Bürgermeister Jürgen Scheiding.
Das Wirken von Burkhard Tapp
Burkhard Tapp, Regionalgruppenleiter (bdo Bundesverband der Organtransplantierten) Südbaden wurde 1956 in Potsdam geboren und wuchs ab 1961 in Hanau am Main auf. Nach dem Abitur studierte er in Freiburg Sozialpädagogik. Danach arbeitete Bernhard Tapp in Münster/Westfalen als Leiter einer Außenwohngruppe gemeinsam mit seiner Frau in der Heimerziehung als Elternersatz. Aufgrund einer mit eineinhalb Jahren festgestellten chronischen Lungenerkrankung (Bronchiektasien) und einem später hinzugekommenen Lungenemphysem und einem Cor pulmonale wurde Tapp Ende 1991 auf die Warteliste für eine Doppellungentransplantation aufgenommen. Im Sommer 1992 erfolgte dann die Berentung wegen Erwerbsunfähigkeit. Nach über zehnjähriger Wartezeit konnte Burkhard Tapp dann 2002 erfolgreich in Hannover transplantiert werden. Exakt auf den Tag der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes vor 21 Jahren lag er im OP. Bereits während seiner Wartezeit engagierte er sich im bdo: zunächst im Vorstand (insgesamt etwa 12 Jahre), war ca. 20 Jahre verantwortlich für die bdo-Zeitung Transplantation aktuell, macht Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Verband und ist einer der Ansprechpartner des Fachbereichs Lungen- und Herz-Lungen-Transplantation.
Seit 2007 ist Tapp in Südbaden für den bdo aktiv und arbeite im Bündnis Organspende Baden-Württemberg mit. Außerdem seit Sommer 2006 als Patientenvertreter im Bereich Qualitätssicherung in der Bundesfachgruppe Herz- und Lungentransplantation beim Aqua-Institut (Göttingen) bzw. IQTIG (Berlin).
Zudem ist er einer der beiden Patientenvertreter im Fachbeirat des Transplantationsregisters. Seit dem Jahr 2000 bringt sich Tapp als Patientenvertreter im gemeinsamen Bundesausschuss – dem höchsten Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen ein. Er gibt Interviews und Vorträge, leistet Gremienarbeit und wirkt in zahlreichen Ausschüssen – alles mit dem Ziel, dass sehr Menschen mit einer Organspende geholfen werden kann. Zudem ist Burkhard Tapp jedes Jahr aufs Neue Teil des Organisationsteams des „Tags der Organspende“. „Dank diesem bemerkenswerten Engagement kommen in jedem Jahr um die 800 geschenkte Lebensjahre von Organempfängern jeden Alters zusammen“, so Gentges weiter. Tapp arbeite aktiv am gemeinschaftlichen Initiativplan mit, der die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen mit praktischen Empfehlungen unterstützt. Krankenbesuche und Patientensprechstunden an der Uniklinik Freiburg bei Transplantationspatienten, Vorträge in Schulen zur Organspende und vieles mehr runden dieses unglaubliche Engagement ab. „Wie ganz selbstverständlich leisten Sie diese Arbeit ehrenamtlich“, würdigte die Ministerin.
„Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen“, zitierte Marion Gentges den Urwaldarzt Albert Schweitzer. „Ich bin mir sicher, dass Ihnen lieber Herr Tapp zu Recht viele solcher Denkmäler gesetzt werden“. Im Namen des Ministerpräsidenten zollte sie ihren Respekt, ihre Anerkennung und Wertschätzung und überreichte das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Blumen gab es für Lebensgefährtin Ulrike Reitz-Nave.
Mit diesem Orden werden Persönlichkeiten geehrt, die ihr Wirken in herausragender Weise in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben – hier die Ministerin beim Anstecken an das Revers von Burkhard Tapp.
Coronabedingt sind Organspenden rückläufig
Der Geehrte selbst sprach von einem „besonderen Tag“, weil er genau vor 21 Jahren auf den Tag gerade im Operationssaal lag und seine gespendete Lunge bekam. Ohne diese würde er heute hier nicht stehen und hätte sich auch nicht über alle Jahre so für das Thema und die Menschen stark machen können. „Eine Organspende ist außer der Liebe das größte Geschenk, was ein Mensch machen kann“. Er selbst zeigte sich dennoch überwältigt, was er selbst so alles Mache; nach der Auflistung in der Laudatio. Er dankte seiner Partnerin und erinnerte, dass die Organspenden coronabedingt rückläufig seien und am Ausgang Organspenderausweise, sowie weiteres Infomaterial ausliegen.