Bury und Haser fordern Umdenken beim Polder Wyhl/Weisweil
Bürgermeister und Initiative zeigen Abgeordneten Nachteile bei den Planungen zum integrierten Rheinprogramm
„Es geht uns nicht um den Hochwasserschutz. Wir sind solidarisch mit den Unterliegern“ betonte Rheinhausens Bürgermeister Dr. Jürgen Louis, bei der Begehung im Rheinwald bei Rheinhausen, mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Yannick Bury und dem CDU-Landtagsabgeordneten Raimund Haser.

Haser, Mitglied im Landtagsausschuss für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft und Sprecher der CDU-Fraktion zu ebendiesem Thema ist auf Einladung von Bury aus Oberschwaben an den Rhein gekommen. Auch die Bürgermeister von Weisweil und Wyhl nahmen an der Begehung teil. Wie die Gemeinde Rheinhausen, sind sie Mitglied in der Bürgerinitiative „Polder Wyhl/Weisweil so nitt“. Die Initiative eint ein gemeinsames Anliegen: „Wir sind gegen die ökologischen Flutungen, weil die nicht nur den Wald, sondern auch uns kaputtmachen“ so Louis. Durch die Flutungen soll der Wald an notwenige Flutungen zum Hochwasserschutz im integrierten Rheinprogramm, angepasst werden. Wieso sie die künstlichen Flutungen ablehnen, zeigten die Bürgermeister den Abgeordneten bei der Begehung im Rheinwald. Den Wald „anpassen“ bedeutet, dass Flora und Fauna absterben, die die künstliche Flutung nicht überleben. Dabei stellten die Bürgermeister in Frage, ob ein umgebauter Wald in Folge des Klimawandels und niedrigen Rheinständen, überhaupt jedes Jahr geflutet werden kann und dann nicht Gefahr laufen würde auszutrocknen. Ein weiteres Problem geht aus der Historie und der Nähe zu Frankreich hervor. Der ganze Wald ist durchzogen von alten Schützengräben und Einschlagkratern, wie Vertreter der Bürgerinitiative zeigten. Nach den Flutungen würden so zahlreiche Tümpel zurückbleiben. Ideales Brutgebiet für einheimische Schnaken und eingeschleppte Tigermücken. Die Argumentationsliste der Initiative geht weiter, über eingespültes Mikroplastik, voll laufende Keller und verunreinigtes Grundwasser. Den Abgeordneten wurde aber auch ein Gegenvorschlag präsentiert: Im Wald besteht ein weit verzweigtes Schlutennetz, Relikte des Altrheins vor der Tullabegradigung. Diese könnte man ertüchtigen, verbinden und den Wald so schonend an das Wasser gewöhnen.
Im Gespräch kam der Verdacht auf, dass nach jahrelanger Planung im Regierungspräsidium wenig Bereitschaft bestünde, diese nochmals komplett zu überarbeiten. Bury und Haser hatten dafür kein Verständnis. Haser zeigt sich verwundert, dass anders als bei Infrastrukturprojekten, der Artenschutz hier gar keine Rolle spiele. Außerdem seien Entwicklungen wie Digitalisierung, Rheinverebbung und Klimawandel, im viel zu lange laufenden Verfahren nicht berücksichtigt. „Wenn ein klimaresistenter Wald vorhanden ist, sollten wir ihn doch erhalten und nicht ersäufen“ so Haser. Bury pflichtete dem bei: „Aus reiner Verwaltungslogik sollten wir nicht an schlechten Lösungen festhalten“.
Haser will das Thema im Landtag nochmal auf die Tagesordnung bringen. Das Projekt befindet sich jedoch kurz vor der Planfeststellung. Bürgermeister, Initiative, Bury und Haser sind sich einig: Man dürfe keine Zeit verlieren.


