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Nachrichten aus Freiburg

Zukunft der Intensivversorgung für Neugeborene in Freiburg momentan ungewiss

St. Josefskrankenhaus ergreift  die Gelegenheit, um den derzeitigen Standpunkt zu einem sensiblen und emotionalen Thema mit größtmöglicher Transparenz darzulegen.

Die Zukunft der Intensivversorgung für Neugeborene in Freiburg steht momentan in Frage, was bei werdenden Eltern für Verunsicherung und Besorgnis sorgt. Dies spiegelt sich auch in einer von Bürgern Freiburgs initiierten Petition wider. https://www.openpetition.de/petition/argumente/rettet-die-individuelle-freiburger-geburtshilfe-im-st-josefskrankenhaus%23petition-main

Das St. Josefskrankenhaus möchte diese Gelegenheit ergreifen, um den derzeitigen Sachstand mit größtmöglicher Offenheit darzulegen.

Seit vielen Jahren steht die Geburtshilfe in unserem Hause für eine selbstbestimmte und interventionsarme Geburtserfahrung für Mutter und Kind. Diese wird in unserem Kreißsaal zum einen durch die Möglichkeit einer individuell auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenen Geburt auf Grundlage der international gültigen Standards und Leitlinien geschaffen. Wir sind im St. Josefskrankenhaus nicht starren Abläufen und Vorgaben untergeordnet, vielmehr stellt sich unser Team, rund um Chefärztin Dr. Bärbel Basters-Hoffmann, mit Wissen und Erfahrung, vor allem aber auch mit Empathie und allen Möglichkeiten eines modernen Krankenhauses mit angeschlossener Kinderklinik in den Dienst jeder einzelnen Gebärenden. Dieses Angebot wird von den Müttern der Region dankend angenommen, vereinen wir im St. Josefskrankenhaus doch eine sichere Geburtsmedizin mit sehr hohen Qualitätsstandards mit der Atmosphäre eines kleineren, traditionsreichen Hauses. Viele wünschen sich für die Geburt eines Kindes eine Intimität, Familiarität und Geborgenheit, die in dieser Form in einem sehr großen Krankenhausbetrieb nicht zu gewährleisten wäre.

Soweit der Status quo, mit dem sich die Region in der Vergangenheit sicherlich bestens aufgestellt gesehen hat. Diese Grundlage – und damit im Übrigen auch die aktuell noch vorhandene Wahlmöglichkeit für werdende Mütter – ist jedoch im Zuge des Baus der neuen Kinderklinik in Freiburg gefährdeter als zunächst angenommen bzw. auch anders, als zwischen Uniklinik und St. Josefskrankenhaus ursprünglich vertraglich vereinbart.

Im Jahr 2015 wurde, unter Beteiligung des Sozialministeriums in Stuttgart, zwischen dem St. Josefskrankenhaus und der Uniklinik Freiburg, eine auf unbefristete Zeit und unkündbare Vereinbarung über die Vorhaltung einer neonatologischen Intensivstation im St. Josefskrankenhaus unter der Betreiberschaft der Uniklinik Freiburg geschlossen. Diese, allen Beteiligten seit 2015 bekannte Vereinbarung, wird nun von der Uniklinik Freiburg nach jahrelangen Gesprächen ohne erkennbaren Grund gebrochen. Die Uniklinik Freiburg wird den Betrieb der Neugeborenenintensivstation am St. Josefskrankenhaus, der die geburtshilfliche Versorgung im Raum Freiburg sicherstellen sollte, nun nicht, wie vertraglich vorgesehen, fortführen.

Das bedeutet im Einzelnen:

  • Keine Ausfallabsicherung mehr durch einen zweite Klinik im Falle von plötzlichen Engpässen, wie z. B. bei erhöhten Krankenständen in der Belegschaft. Damit gehen die Inkaufnahme einer nicht mehr adäquaten Versorgungssituation und daraus resultierende mögliche negative Konsequenzen für Mutter und Kind einher.
  • Keine Verteilung der Arbeitsbelastung der Pflegenden und Hebammen mehr, die teilweise bereits heute, trotz zweier Kliniken, weit über die eigentliche Belastungsgrenze hinaus gehen müssen, um die klinische Versorgung jederzeit gewährleisten zu können
  • Keine freie Wahl des Geburtsortes mehr für geschätzt 600 Schwangere, die bis jetzt durch das St. Josefskrankenhaus betreut werden konnten. Für wen der Betrieb einer Neonatologie in der Wahl der Geburtsklinik entscheidend ist (und das sind die meisten), für den kommt künftig nur noch die Uniklinik infrage. Zwar ist die Uniklinik willens, die bisher laufende Kreißsaalkooperation ähnlich weiterzuführen, diese ist jedoch auch wirklich auf den Kreißsaal beschränkt und steht in keinerlei Zusammenhang mit der intensivmedizinischen Versorgung der Neugeborenen – zumal es bis zu einer halben Stunde dauern kann, bis der Babynotarzt vor Ort ist.
  • Ein Abweichen vom nationalen Gesundheitsziel einer interventionsarmen und individuellen Geburtshilfe mit Senkung der Kaiserschnittrate und damit auch eine Beschränkung werdender Mütter in ihrem Selbstverständnis und ihrem Recht auf eine freie Wahl ihrer Geburtserfahrung.
  • Keine Alternative zum Kaiserschnitt mehr bei Beckenendlagen, mehreren vorangegangenen Kaiserschnitten usw. in der gesamten Region.
  • Die maximale Strapazierung der Uniklinik-Kapazitäten mit fraglicher Auswirkung auf die Versorgungsqualität.
  • Eine exklusive Zuständigkeit der Neointensiv an der neuen Kinderklinik für alle Neugeborenen der Uniklinik Freiburg, des St. Josefskrankenhauses, der Diakonie, den Kliniken in Neustadt, Müllheim und Emmendingen.
  • Eine geringere Aussicht für Mütter von verlegten Neugeborenen, mit ihren Kindern zusammen verlegt zu werden – mit den entsprechenden Konsequenzen für Bindung und Stillen, von der emotionalen Zumutung für die von ihren Babys getrennten Müttern ganz abgesehen. Zwar macht die Uniklinik deutlich, dass eine gemeinsame Verlegung in jedem Fall versucht wird, eine Garantie kann es hierfür jedoch nicht geben.
  • Die zwangsweise Auslagerung weniger kranker Kinder nach Lörrach oder Offenburg, wenn in der neuen Kinderklinik viel Kapazität mit sehr kleinen Frühchen und/oder sehr kranken Kindern gebunden ist.
  • Eine Monopolstellung der Geburtshilfe der Uniklinik Freiburg. Konkurrenz aber führt zu Weiterentwicklung, zu Verbesserungen, zu Selbstreflexion, zu Vielfalt in der Lehre und nicht zuletzt zu der Möglichkeit werdender Mütter, für die Geburt ihres Kindes genau den Ort zu finden, der zu ihnen passt.
Quelle: St. Josefskrankenhaus

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