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Nachrichten aus Freiburg

Verleihung des Helga-und-Werner-Sprenger-Friedenspreises.

Am vergangenen Sonntag, 23.11.2025 verlieh die Freiburger INTA-Stiftung in der ehemaligen, heute zivilgesellschaftlich genutzten Vauban-Kaserne den mit 5.000 Euro dotierten Helga- und Werner-Sprenger-Friedenspreis.

v. l. n.r. : Peter Herrmann , Charlotte Frietsch (Stiftungsrat INTA Stiftung, Jury-Mitglieder ) Johannes Nussbächer , mit Urkunde Jasmin Wild (beide Stadpiraten Freiburg e.V:), Natalie Sonnabend (Verein Indienhilfe) , Gernot Erler , mit Urkunde Gerda Geretschläger, Marissa Fehrenbach (Verein Indienhilfe), Ursula Sladek, Lilly Geretschläger (Verein Indienhilfe) , Uwe Baumann (Stiftungsrat INTA Stiftung, Jury-Mitglied, Moderator)

Uli Glasemann

Mit der Vergabe des Preises im dortigen Stadteilzentrum im Haus 37 würdigt die Stiftung bereits zum elften Male seit 2014 Menschen oder Initiativen, die in besonderer Weise die Förderung des friedvollen Zusammenlebens auf regionaler, nationaler oder globaler Ebene zum Ziel haben. Die Preisvergabe erfolgt durch eine Jury, in der neben den Stiftungsratsmitgliedern der INTA- Stiftung Uwe Baumann, Peter Herrmann und Charlotte Frietsch seit Anbeginn auch Ursula Sladek (Unternehmerin) sowie Gernot Erler (Staatsminister a.D.) mit von der Partie sind.

Preisträgerinnen und Preisträger in den vergangenen Jahren waren unter anderem u.a. der Freiburger Drehbuchautor und Filmemacher Peter Ohlendorf, der Militärhistoriker Prof. Dr. Wolfram Wette, der Friedensaktivist und Buchautor Jürgen Grässlin, Theodor Ziegler (Forum Frieden in der ev. Landeskirche), Christoph Besemer von der Werkstatt für gewaltfreie Aktion Baden e.V sowie Initiativen wie Amica e.V. aus Freiburg, Connection e.V. aus Offenbach oder das bundesweit aktive Projekt Peace for Future.

Der Preis wurde in diesem Jahr unter zwei Organisationen aufgeteilt, deren zivilgesellschaftliches Engagement beispielhaft ist. Er ging zu einem Teil an den gemeinnützigen Gundelfinger Verein „Indienhilfe - Wasser ist Leben e.V.“ sowie an den ebenfalls gemeinnützigen Verein „Freiburger Stadtpiraten e.V.“.

Die Jury würdigte damit symbolhaft die jahrzehntelange unermüdliche Arbeit der beiden hauptsächlich durch das Ehrenamt getragenen lokalen Organisationen. Diese stehen stellvertretend für viele weitere Menschen, „die auf leise Weise tagtäglich, ehrenamtlich und dauerhaft ihren verlässlichen und im Kleinen wirksamen Beitrag für eine friedlichere und gerechtere Welt leisten“ – so der Moderator der Friedenspreis-Verleihung Uwe Baumann – gleichzeitig auch Mitglied des INTA-Stiftungsrates.

Indienhilfe-Wasser ist Leben e.V. (Gundelfingen)

Der Gundelfinger Verein „Indienhilfe-Wasser ist Leben e.V.“ ist 2008 aus einer „Initiative Wasser ist Leben“ hervorgegangen. Diese wurde bei einem Schulfest 1995 an der Johann-Peter-Hebel Grundschule ins Leben gerufen, um ein indisches Mädchendorf mit sauberem Trinkwasser zu versorgen Aus Gundelfinger Spendenmitteln entstanden so in einem Kinderdorf ein komplexes Trinkwasser- und Abwassersystem und zwei große Regenwasser-Sammelbecken. Saniert wurde auch ein marodes Schulgebäude in einem Slum. Außerdem wurden berufliche Ausbildungen junger Frauen, die in Slums wohnen, gefördert. Aus dieser Aktion ging dann im Jahr 2008 der Verein „Indienhilfe Wasser ist Leben e.V.“ hervor, für den die Gemeinde Gundelfingen - als Trägerin der Grundschule – die Träger- und Schirmherrschaft übernahm.

Seit Vereinsgründung wurden mit Hilfe von Patenschaften, Spenden und Stiftungen zahlreiche weitere Hilfszentren mit Brunnen und Solartechnik ausgerüstet und viele ärmste Kinder und Frauen bei Gesundheitsmaßnahmen, Schul- und Berufsausbildungen gefördert. Der Verein kooperiert dabei in Indien bereits seit Anbeginn mit einem christlichen Frauenorden: Die Schwestern des Ordens kümmern sich tagtäglich insbesondere um Kinder und Jugendliche - unabhängig deren von Herkunft oder Vergangenheit. Die mutmachende und stärkende Entwicklung der Persönlichkeit von Kindern und jungen Menschen aus ärmsten Verhältnissen steht dabei im Mittelpunkt, so der Indologe und Wissenschaftler  Clemens Jürgenmeyer in seiner Laudatio.

Bildung ist der beste Weg aus der Armut - so lautet eines der zentralen Handlungsmotive des Vereins. Das Projekt feierte Ende September in Gundelfingen sein 30-jähriges Wirken. Gegründet und geleitet wird der Verein von Anfang an bis heute kontinuierlich und voller Freude und Leidenschaft von der heute über 80-jährigen Gerda Geretschläger. In ihre Fußstapfen tritt mittlerweile ihre Enkelin Anna Geretschläger. Die Zukunft in der Arbeit des Vereines ist gesichert – und damit auch die Zukunft vieler junger Menschen aus den ärmsten Schichten Indiens. Die Laudatio hielt der Indologe und Wissenschaftler Clemens Jürgenmeyer aus Freiburg.

Weitere Informationen im Internet: www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de

Stadtpiraten Freiburg e. V

„Wir glauben daran, dass Frieden dort beginnt, wo Menschen sich begegnen, Vertrauen wächst und neue Perspektiven möglich werden. Genau dafür engagieren wir uns in der Arbeit mit Geflüchteten jeden Tag.“— so lautet eines der Credos des zweiten Preisträgers, dem Verein Stadtpiraten Freiburg e. V, der von Ursula Sladek gewürdigt wurde.  Der Fokus dieses Wirkens liegt auf Kindern, Jugendlichen und Familien in Freiburg mit Fluchterfahrung. Für sie setzt sich der Verein Tag für Tag mit Herz und voller Kraft ein. „Uns ist wichtig, dass sich diese Menschen gesehen und angenommen fühlen. Und das nicht nur für einen kurzen Moment, sondern nachhaltig, sodass sie hier eine echte Perspektive für ihre Gegenwart und Zukunft entwickeln können“, sagen die Vereinsverantwortlichen. Im Kinderbereich ist der Verein aktuell in drei Freiburger Stadtteilen, direkt in den dortigen Gemeinschaftsunterkünften, aktiv. Spielerisch werden in der direkten Begegnung dort Geborgenheit, Halt und Sicherheit sowie gute Werte erlebt. Auch bei den Jugendlichen setzt der Verein auf Beziehung. In seinem Nachhilfeprogramm Dock3 bietet er schulische Unterstützung, Ermutigung und Gemeinschaft. Durch Ausflüge und gemeinsame Aktivitäten fördert das Projekt-Team außerdem Freundschaften, die auf Respekt und Unterstützung basieren – ein Gegenmodell zu Gewalt und Ausgrenzung. Die Arbeit im Projekt richtet sich auch an die Eltern. Diese erfahren Unterstützung bei den vielfältigen Fragen und Herausforderungen in Sachen Integration ihrer Kinder. Eine tragende Säule in der Vereinsarbeit sind rund 70 Ehrenamtliche.

Weitere Informationen im Internet: www.stadtpiraten-freiburg.de

Verleihung von Ehrenfriedenspreisen

Eine besondere Ehrung wurde im Rahmen der jährlichen Verleihung zu deren Überraschung Ursula Sladek und Gernot Erler durch die Stiftung selbst zu teil. Dies geschah auf Wunsch der im Juli 2025 verstorbenen Stiftungsgründerin Helga Sprenger.

Ursula Sladek und Gernot Erler  erhielten aufgrund ihres jahrzehntelangen gesellschaftlichen, jeweils individuellen Engagements den Ehrenfriedenspreis der Stiftung. Die mit jeweils 1.500 Euro hinterlegte Sonder-Ehrung wird von den beiden Preisträgern an gemeinnützige Organisationen ihrer Wahl weitergereicht.

Ursula Sladek

Ursula Sladek gründete – gemeinsam mit ihrem Mann Michael - mit der EWS Schönau bereits 1986 Deutschlands erste Bürgerenergiegenossenschaft. Schon immer waren und sind ihr die Möglichkeiten von Mitgestaltung und Beteiligung in unserer Gesellschaft sehr wichtige Anliegen. Gewürdigt wurde hier insbesondere ihre Brückenbaufunktion zwischen Politik und Zivilgesellschaft- ganz im Sinne bester und mutiger  demokratischer Einmischung.  Dazu hat sie  sich zeitlebens für Klimagerechtigkeit eingesetzt und deren engen Zusammenhang zum Thema Frieden – zum Beispiel im Blick auf das Thema Klimaflüchtlinge- dargestellt. „Sie kann als Pionierin und Visionärin, Pionierin mit Strahlkraft über Deutschland hinaus betrachtet werden“, so der Laudator Peter Herrmann.

Gernot Erler

Gernot Erler erhielt den Sonderpreis für seine über Jahrzehnte gepflegte, herausragende Position in friedenspolitischen Themen inkl. Rüstungs- und Sicherheitsfragen sowie für  seinen Einsatz für soziale Gerechtigkeit auf nationaler und internationaler Ebene. Besonders gewürdigt wurde seine  Art und Weise, im politischen Geschehen stets die Farben der Diplomatie zu pflegen, hochzuhalten  und einzufordern, so Uwe Baumann in seiner Laudatio. Im Blick auf aktuelle Themen wie die Russland-Invasion in der Ukraine fand sein Einstehen für einen Weg aus Verteidigungsfähigkeit, Rüstungskontrolle sowie unermüdlicher politischer Diplomatie aus den kleinsten Ansatzmöglichkeiten heraus Würdigung. Er gelte als ein wichtiger Mahner -gerade  im Blick auf die zeitaktuelle Thematik der  Eskalation einer Kriegsspirale. Seine besonnene, feinfühlig- empathische  und verlässlich- werteverbundene Weise im politischen Handeln fand mit der Ehrung genauso Anerkennung wie sein fairer, wertschätzender politischer Stil – auch und gerade gegenüber Mitbewerbern im politischen Geschehen. 

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