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Nachrichten aus Freiburg

Abschied der langjährigen Vorstände Bernd und Inge Rendler

Ein Leben für das Ehrenamt

Seit 38 Jahre engagierten sich Inge und Bernd Rendler als ehrenamtliche Vorstände für den Förderverein für krebskranke Kinder Freiburg. Mit ihrem Abschied aus dem Vorstand geht nun eine Ära zu Ende, die den Förderverein entscheidend prägte und zu dem machte, was er heute ist – eine Institution, die aus der Region nicht mehr wegzudenken ist.

Bernd und Inge Rendler bei der Verabschiedung am 21.10.2023 im neuen ElternhausFreiburg

Im Jahr 1985 wurde bei der jüngsten Tochter des Ortenauer Ehepaares Inge und Bernd Rendler Leukämie diagnostiziert. Schockiert von den unhaltbaren Zuständen an der Freiburger Uni-Kinderklinik und dem Fehlen jeglicher Unterbringungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für betroffene Familien, schlossen Rendlers sich dem damals gerade fünf Jahre jungen Förderverein an. Seitdem setzt sich das Ehepaar unermüdlich für die Belange schwerstkranker Kinder und ihrer Familien ein.

Ohne das unablässige Werben um Spendengelder wäre das erste Elternhaus in Freiburg wohl kaum gebaut und 1995 eröffnet worden. Nach einer Erweiterung des bestehenden Elternhauses wurde im Juni 2023 das neue Elternhaus neben der neuen Kinder- und Jugendklinik Freiburg eingeweiht. Weit über 400.000 Übernachtungen fanden seither im Elternhaus statt. Hinter jedem einzelnen belegten Bett und Zimmer steckt ein ganz eigenes Schicksal. Aufgenommen werden alle Familien, unabhängig von der Grunderkrankung des Kindes.

Vorstand des Fördervereins (v.l.n.r. Hans-Peter Vollet, Till Brutzer, Bernd Rendler, Inge Rendler, Werner Kimmig, Manuela Bitsch, Johannes Bitsch)

Das Elternhaus ist weit mehr als ein zweites Zuhause auf Zeit, denn das psychosoziale Team des Fördervereins sorgt zudem dafür, dass die Eltern umfassend beraten und begleitet werden. Die Geschwisterkinder werden in der Spielstube liebevoll betreut. Die Leitung des Sozialteams hatte Inge Rendler viele Jahre inne. „Als selbst betroffene Mutter weiß ich, wie wichtig der Austausch der Familien untereinander ist“, erläutert sie ihre wichtige Aufgabe, die immer wieder auch das Aushalten schwerer Themen wie den Tod eines Kindes bedeutet. Denn auch für verwaiste Familien unterhält der Förderverein eine Beratungsstelle. „Die richtige Nähe und Distanz in der Beratung ist für die Eltern in dieser sehr belastenden Zeit von größer Bedeutung“, weiß Inge Rendler.

An der Seite ihres Mannes nahm Inge Rendler unzählige Termine in der Öffentlichkeit wahr. Zusammen mit ihrem Freund und Mitstreiter Werner Kimmig veranstaltet das Ehepaar seit 1989 den Dreikönigsball in Oberkirch und sammelt Spenden bei vielen weiteren Gelegenheiten. So sorgte das Ehepaar dafür, dass der Förderverein für krebskranke Kinder Freiburg zu einer Institution wurde, die in der Region nicht mehr wegzudenken ist. Auf den Staat wollte und konnte Rendler sich dabei nicht verlassen. „Mir wurde klar, dass ich es selbst tun muss, wenn ich etwas verändern will“, sagt der 80-Jährige heute. Dennoch klopfte Rendler unablässig bei den Verantwortlichen an und pochte auf bessere Unterstützung der Patientenkinder und ihrer Familien. Dabei scheute er auch Konflikte nicht. „Uns ging es immer nur um eines: Um das Wohl der erkrankten Kinder und ihrer Familien“, betont Rendler. „Dafür engagieren wir uns im Vorstandsteam alle absolut ehrenamtlich und oft weit über die Belastungsgrenzen hinaus.“

Verabschiedung des Ehepaars Rendler im neuen Elternhaus mit der ehemaligen Ärztlichen Direktorin der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Freiburg Charlotte Niemeyer (v.l.n.r. Inge Rendler, Prof. Dr. Charlotte Niemeyer, Bernd Rendler)

Das Engagement des Ehepaars Rendler umfasst weit mehr als die unmittelbare und ganzheitliche Unterstützung der Familien. Erklärtes Ziel des Fördervereins ist es, die Heilungs-chancen erkrankter Kinder und Jugendlicher zu verbessern. Deshalb engagierte sich das Ehepaar aus Oberkirch, das selbst drei Töchter hat, auch dafür, die räumliche und personelle Situation an der Freiburger Uni-Kinderklinik zu verbessern und die Forschung vorauszutreiben. Seit seinem Bestehen unterstützte der Förderverein die Freiburger Uni-Kinderklinik mit einem Betrag von rund 30 Mio. Euro. Neben 16 Personalstellen an der Klinik, die jährlich aus Spenden finanziert werden, unterstützt der Förderverein bahnbrechende, innovative Forschungsprojekte und sichert die Infrastruktur der Mediziner – eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die Leben rettet: Heute werden über 82% der an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen gesund. Auch die jüngste Tochter des Ehepaars Rendler konnte damals gerettet werden und ist heute selbst Mutter. Für ihre Leistungen wurden Inge und Bernd Rendler mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Mit größter Dankbarkeit und Wertschätzung für diese unschätzbare Lebensleistung verabschiedet der Förderverein nun seine langjährigen Vorstandsmitglieder Inge und Bernd Rendler. Den Staffelstab übernehmen Rendlers langjährige Vorstandskollegen Johannes und Manuela Bitsch, Till Brutzer, Werner Kimmig und Hans-Peter Vollet. Karl Bähr aus Oberkirch wird neu in den Vorstand aufrücken.

Bernd und Inge Rendler bei der Verabschiedung am 21.10.2023 im neuen Elternhaus Freiburg

Infobox: Förderverein für krebskranke Kinder e.V. Freiburg

1980 Gründung

7 rein ehrenamtliche Vorstände

1995 Bau des ersten Elternhauses neben der Uni-Kinderklink in Freiburg

2005 Erweiterung des Elternhauses auf insgesamt 37 Zimmer und Appartements

18.000 Übernachtungen von rund 950 Familien pro Jahr

über 2.500 Mitglieder

44 Geräte alles für die "Medikids" / 17 Laptops, 15 iPad, 12 Avatare)

2023 Eröffnung des neuen Elternhauses neben der neuen Kinder- und Jugendklink Freiburg

Mehr unter: www.helfen-hilft.de 

 

Text/Bilder: Heide Serra

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