Großes Interesse und Windkraft-Fakten am 11. Oktober 2025:
Führung bei neuer 4,2-MW Windkraftanlage auf dem Schillingerberg in Freiamt, Schwarzwald
Bei schönstem Herbstwetter am Samstag 11. Oktober 2025 erhielten bei einer öffentlichen Führung auf dem Schillingerberg (726 m) in Freiamt im Kreis Emmendingen 25 Interessierte bei der derzeit in der Region Freiburg größten Windkraftanlage reichhaltige Informationen.

Eingeladen hatte der regionale Umweltschutzverein ECOtrinova e.V. mit den Mitträgervereinigungen seines Samstags-Forums Regio Freiburg, geleitet vom Vorsitzenden Dr. Georg Löser, Gundelfingen. Die innovativen technischen und die wirtschaftlichen Details beim Bau und Betrieb erläuterte sehr erfahren und mit zahlreichen Abbildungen Erhard Schulz, Emmendingen, stellvertretender Landesvorsitzender des Bundesverbands Windenergie. Die im Januar 2025 in Betrieb gegangene Anlage Enercon E-138 mit der Nennleistung 4.200 Kilowatt, Nabenhöhe 160 m und Rotordurchmesser 138 m soll jährlich fast 10 Millionen kWh erzeugen, was dem Verbrauch von rund 3.000 Haushalten entspricht und rund 10.000 Tonnen Kohlendioxidausstoß i.w. aus Kohlekraft erspart. Eigner der neuen Anlage, die auch im Turm besichtigt wurde und die 7,5 Mio. Euro kostete, sind die 190 Kommanditisten der Freiamt Beteiligungs KG bei der Ökostrom Erzeugung Freiburg GmbH. Die Anlage ersetzte am selben Standwort eine kleinere von 2001, die vollständig rückgebaut wurde, so Schulz. Deren Nabengehäuse soll künftig als Infohäuschen dienen
Schulz beantwortete zahlreiche Fragen der Teilnehmenden: So sei Vogelschlag bei großen Windkraftanlagen aufgrund von Genehmigungsdetails kein Problem. Die Rotoren seien beheizbar gegen Eisansatz. Der Eingriff in den Naturhaushalt werde gemäß Gesetzen ausgeglichen. Der Einfluss auf das Landschaftsbild sei durch die Standortwahl wie hier optimierbar. Der Turm der neuen Anlage sei am Fuß mit nur 10 Metern Durchmesser überraschend schlank, desgleichen das Maschinenhaus auf dem Turm. Das Beton-Ringfundament habe 23 m Durchmesser bei nur 3,5 m Tiefe. Die nächtliche Beleuchtung blinke nur bei Flugzeugannäherung.

Der Strom wird bei Enercon-Anlagen in einem vielpoligen Ringkerngenerator aus Kupfer und Eisen erzeugt, der sein Magnetfeld ohne importierte beim Bergbau und Aufbereitung umweltschädliche seltene Erden-Metalle erzeugt. So gibt es kein sonst übliches Getriebe. Die Anlage ist dadurch sogar für 25 Jahre Betrieb ausgelegt. Der Rückbau, für den gemäß Genehmigung eine Rücklage besteht, sei relativ einfach: Rotorblätter und Generator werden per Kran wieder heruntergeholt, ebenso die Stahlrohre obersten Meter des Turms. Danach würden die innenliegenden Spannseile des unteren Turmes entfernt, welche die Fertigbetonelemente zusammenhalten, die dann einzeln heruntergehoben werden. Das Ringfundament werde zerlegt, um Stahl und Beton wieder zu verwenden. Für Rotoren stehen verschiedene Verfahren zur Verwertung zur Verfügung.
Außerdem besichtigte die Gruppe mit Erhard Schulz in gut 600 m Höhe auch die schön gelegene 3.050-Kilowatt-Windkraftanlage Tännlebühl von 2014 genau auf der Gemarkungsgrenze von Freiamt und Gutach. Hier erhalten beide Gemeinden hälftig die Gewerbesteuer, 30.000 Euro jährliche Pacht und die seit 2024 neue gesetzliche Abgabe von 0,2 Cent pro erzeugte Kilowattstunde von rund 12.000 Euro jährlich. Im windreichen Jahr 2023 wurden statt geplanter 5,8 sogar 7 Mio. Kilowattstunden erzeugt. Die eingegrünte Anlage kostete knapp 5 Mio. Euro, wovon 108 Personen aus der Region rund 30% aufbrachten.


