Waldkircher Jubiläums-Orgelschlemmerwochen gehen in die Schlussrunde
Antworten auf die Frage „Wie verrückt muss man sein, um so was zu bauen?“ – 25 Jahre „Altobella Furiosa“ und Waldkircher Orgelköche
Waldkirch (hbl). Wir haben viele neue, spannende und vor allem persönliche Einblicke in die Entstehung der „Altobella Furiosa“ bekommen, so Moderator Thomas Kern. In einer Podiumsdiskussion gaben damalige Orgelbauer, Altbürgermeister Richard Leibinger und die damalige Museumsleiterin Evelyn Flögel einen interessanten Einblick zum Werdegang des von Otmar Alt gestalteten technischen und musikalischen Kunstwerkes.

Eine maßgebende Rolle spielte dabei Wolfgang Ingold. Nach der Gesprächsrunde luden die Waldkircher Orgelköche zum Stehempfang ein und gehen mit den Orgelschlemmerwochen im 25-Jahre-Jubiläumsjahr auf die Schlussgerade.
Vor ihnen stand das von Otmar Alt (Hamm) gemalte Bild einer vollkommen neuen, bunten, farbenfrohen Jahrmarktorgel vor dem Elztalmuseum. Das war der Ausgangspunkt für die vor 25 Jahren gebaute und beim Orgelfest 1999 eingeweihten „Altobella Furiosa“. Dahinter saßen der Altbürgermeister Richard Leibinger, die einstige Museumsleiterin Evelyn Flögel, die Orgelbauer Heinz Jäger und Stefan Fleck. Geschickt und voller Leidenschaft moderierte Thomas Kern die Erzählrunde, bei der spannende Details und Geschichten zum Vorschein kamen. Die provokante Eingangsfrage „Wie verrückt muss man sein, um so was zu bauen?“ wurde in der Gesprächsrunde im Barocksaal des Elztalmuseum ausgiebig beleuchtet. Orgelbauer Stefan Fleck von der Firma Paul Fleck Söhne berichtete von sehr kritischen Stimmen von Traditionalisten: „Das geht ja gar nicht“. Sowohl der neuzeitliche Bau als auch die geplante Popmusik waren der Stein des Anstoßes.
Visionäre Idee setzte sich durch
Doch die Macher der visionären Idee setzten sich durch und dies mit einem Novum. Nicht nur eine Firma, sondern gleich mehrere, die in Waldkirch ansässigen Orgelbaufirmen setzten sich zusammen, um das gemeinsame „Waldkircher Projekt“ zu stemmen. Von allen Seiten sollte die neue Orgel zugänglich sein, berichtete die damalige Museumsleiterin Evelyn Flögel von neuen Ansätzen. Dass die Umsetzung der Zeichnung von Otmar Alt nicht einfach werden würde, erzählte Orgelbauer Heinz Jäger von der Firma Jäger und Brommer, die die Federführung des Projektes innehatte. Otmar Alt - über ihn läuft noch bis zum 9.3.2025 die Sonderausstellung im Elztalmuseum – sei nur wenige Male in der Werkstatt gewesen und sei selbst über die Größe der Orgel erschrocken. Doch dank der Kooperation, dem gemeinsamen Ziel und der Zusammenarbeit der vier Orgelbaubetriebe und anderer Firmen wie den Maler Heinz Opitz sei es gelungen, aus Kunst, Handwerk und Musik ein bis dahin noch nie dagewesenes Werk zu schaffen, das dementsprechend eingeschlagen und bei den Medien eine Riesenresonanz gefunden habe.

In einer Gesprächsrunde erzählen persönliche Geschichten rund um die Entstehung und Werdegang der Künstlerorgel „Altobella Furiosa‘“ (von links): Orgelbauer Stefan Fleck, die frühere Museumsleiterin Evelyn Flögel, Moderator Thomas Kern, Altbürgermeister Richard Leibinger und Orgelbauer Heinz Jäger.
Wolfgang Ingold und die Katzenorgel – Auslöser einer großen Idee
Noch heute ist die Altobella Furiosa, deren Name aus einem Namenswettbewerb hervorgegangen ist, im Elztalmuseum ein Hingucker und sorgt für leuchtende Augen. Neben ihr steht die „Katzenorgel“, die überhaupt den Anstoß für die Künstlerorgel gab, führte Richard Leibinger voller Leidenschaft aus. Und eines wollte er klarstellen, ohne Wolfgang Ingold gebe es die Altobella Furiosa nicht. Als Waldkircher und Unternehmer in Nordrhein-Westfalen habe er den Kontakt zu Otmar Alt geschaffen. Ingold war Ideengeber, Initiator und Mäzen zugleich, der einen großen Teil des beziehungsweise der Projekte auch finanziert habe. Er habe den in Deutschland bekannten Künstler Otmar Alt überzeugen können, für die letzte von Carl Frei gebaute Drehorgel eine Fassade mit einem Katzengesicht zu fertigen. 1986 war Alt erstmals in Waldkirch und habe die großen Jahrmarktorgeln nicht nur gesehen, sondern auch fasziniert: „So was mache ich euch auch“. Das Ergebnis ist bekannt und so gilt es, das 25-jährige Bestehen zu feiern, zumal das Elztalmuseum zusammen mit der Waldkircher Orgelwelt an 225 Jahre Orgelbau in Waldkirch erinnert, denn 1799 siedelte sich mit Mathias Martin der erste Orgelbauer in Waldkirch an.
SWR-Fernsehsendung verantwortlichen für die Geburtsstunde der Orgelköche
Von dem 200-jährigen Orgelbaujubiläum und der 1999 geschaffenen Weltneuheit inspiriert, erblickten noch im gleichen Jahre die Waldkircher Orgelköche das Licht der Welt, so dass der Orgelbau sogar eine kulinarische Note erhielt, wie Thomas Kern und die heutige Museumsleiterin Angelika Witt-Meral die Gesprächsrunde ergänzte und ausweiteten. Wie es dazu kam musste Ideengeber Hubert Bleyer berichten. Zusammen mit dem damaligen Verkehrsamtsleiter Albrecht Nitz legten die beiden im Zuge einer SWR-Fernsehsendung in Waldkirch den Grundstein für den damals erfundenen Waldkircher Orgelteller, der von sieben Küchenchefs vor laufender Kamera präsentiert wurde. Die Idee der kulinarischen Komponente des Orgelbaus kam so gut an, dass Nitz und Bleyer noch im gleichen Jahr die ersten Orgelschlemmerwochen ins Leben riefen. Sogar ein Orgelwein mit dem Etikett des Waldi und der Altobella Furiosa wurde zu Beginn mit geschaffen, woran sich auch noch die Museumsleiterin erinnerte. Toll waren auch die gemeinsamen Aktionen der Köche im Museum.
So können die Orgelköche und das Elztalmuseum mit der Altobella Furiosa gleich zweimal 25 Jahre feiern. Für beide war dies ein Anlass, zu einem kleinen Stehempfang einzuladen. Im Eingangsfoyer spielte die Altobella Furiosa und nebenan hatten die acht Orgelköche ihre bestens zubereiteten Häppchen zum Verzehr zubereitet. Weitere kleine Anekdoten und Geschichten schlossen sich im gemütlichen Teil an.

25 Jahre Altobella Furiosa und gleichzeitig 25 Jahre Orgelköche. Letztere luden im Anschluss an die Podiumsdiskussion zu einem Stehempfang mit ihren zubereiteten Häppchen ein.
Letzte Chance der Waldkircher Orgelteller – noch bis zum 20. Oktober
Wer bei einem der Waldkircher Orgelköche sich noch richtig mit einem Orgelteller verwöhnen lassen will, muss sich beeilen. Nur noch bis zum Sonntag dauern die Jubiläums-Orgelschlemmerwochen gemäß dem Motto „25 Jahre Alt-obella Furiosa“ kosten.
Die acht Küchenchefs lassen sich mit ihren Orgeltellern von der im Elztalmuseum stehenden Künstlerorgel inspirieren und fertigen für ihre Gäste besondere Orgelteller und Menüs an. Dazu gibt es von den Inhabern ein Überraschungsgeschenk und die Gäste können an einem Gewinnspiel teilnehmen, bei dem es unter anderem Eintrittskarten für den Europa-Park zu gewinnen gibt.
Auch das Rahmenprogramm geht in die Schlussrunde
Neben der kulinarischen Essenskomponente gab und gibt es im doppelten Jubiläumsjahr mit 25 Jahre Orgelköche und 225 Jahre Orgelbau in Waldkirch ein Rahmenprogramm, das ebenfalls am Sonntag, 20. Oktober mit einem fulminanten Abschluss endet. Um 14.30 Uhr können die Interessierten bei einer Führung im Elztalmuseum Näheres über die 225-jährige Waldkircher Orgelbaugeschichte mit der Altobella Furiosa sehen und vor allem auch hören. Von 14 bis 18 Uhr lädt die Orgelstiftung in ihren Orgelbauersaal zu ihrem historischen Kaffeehaus-Nachmittag ein. Orchestrionmusik und die James Boys Revival Band garantieren für einen gemütlichen Nachmittag. Danach besteht die letzte Möglichkeit, bei einem der Orgelköche nochmals eine Orgelteller zu genießen.
Die dienstältesten und jüngsten Orgelköche
Seit 1999 und somit 25 Jahre von Anfang an mit im Boot und weiterhin mit großer Leidenschaft dabei sind das Hotel „Kohlenbacher Hof“, das „Suggenbad“ und das Restaurant „Stadtrainsee“. Im „Suggenbad“ hat vom damals stets aktiven Walter Etgeton mittlerweile sein Schwiegersohn Gerhard Ziegler-Etgeton das Küchenzepter übernommen und im „Stadtrainsee“ Uwe und Gabi Bächle. Im „Kohlenbacher Hof“ ist sogar das Gesicht seit dem ersten Auftritt beim SWR gleichgeblieben. Andreas Gluminski ist der Orgelkoch, der seit Anfang an dabei ist und somit seit 25 Jahren die kulinarische Note den Gästen auf den Teller zaubert.
Die jüngsten mit im Boot sind die „Kandel-Kulinarik“ und das „Weinstüble-Der Grieche“, die letztes Jahr eingestiegen sind und mit großer Freude zum zweiten Male an den Jubiläums-Orgelschlemmerwochen dabei sind. Noch zur Tafelrunde der Orgelköche gehören das „Pierrot“, der „Löwen“ und der „Altersbach“.
Infos zu den Waldkircher Orgelschlemmerwochen „25 Jahre Alt-obella Furiosa“ noch bis zum 20. Oktober. www.orgelwelt-waldkirch.de / Rubrik Freizeit, Orgelschlemmerwochen.







