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Nachrichten aus Elztal

Torwächters Weib: Fußball-WM vor 20 Jahren war die Geburtsstunde der besonderen Stadtführung in Waldkirch

Vor 20 Jahren begann das Fußballmärchen und die Erfolgsgeschichte von Torwächters Weib – Aus der Not heraus wurde 2006 für die WM die neue Figur mit einem Theaterschauspiel erschaffen

Vor 20 Jahren trat Barbara Kern erstmals in die Rolle von Torwächters Weib. Damals noch in provisorischer und anderer Kleidung, so wie auch der damalige Edelsteinschleifer. Mittlerweile hat sich die historische Führung weiterentwickelt und ist nicht mehr wegzudenken. Die nächste Führung ist am 17. Juli.

Hubert Bleyer

Torjubel bei „Torwächters Weib“. Fußball und Torwächters Weib, wie passt das zusammen? Barbara Kern erinnert sich heute gerne. Vor 20 Jahren hatte sie noch großen Bammel. Aus der Not heraus zauberte sie parallel zum WM-Eröffnungsspiel 2006 das „Torwächters Weib“ aus dem Hut. Dieser etwas andere Anstoß war so erfolgreich, dass die gewandete Führung heute noch angepfiffen wird. Das nächste Mal am 17. Juli 2026 um 19 Uhr.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat vor wenigen Tagen ihr WM-Eröffnungsspiel in den USA mit einem 7:1 gewonnen, Das ist selbst für die Nichtfußballanhängerin Barbara Kern ein Grund zur Freude. Auch sie schaut auf die Fußball-WM wie zuletzt vor vier Jahren, greift und schwenkt die Bundesfahne und hält das runde Leder in ihren Händen. Eigentlich hat sie mit der schönsten Nebensache der Welt nichts am Hut, doch die Fußball-WM 2006 im eigenen Land sollte ein wichtiges Schlüsselerlebnis werden.

Die Pädagogin erinnert sich. Just zum damaligen WM-Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft hatte sie eine normale Stadtführung angeboten. Wer sollte da noch zu ihr kommen? Aus der Not heraus setzte sie einen Kontrapunkt, entwickelte sie einen Gedanken, den sie schon längere Zeit in sich trug – eine etwas andere Führung. Sie erfand die Figur des „Torwächters Weib“, das mit Gewand und Barett durch das historische Waldkirch führten sollte. Barbara Kern verkörperte damit die Frau des Torwächters vom Niedertor, Dieses Tor war damals eines der vier Stadttore der mittelalterlichen Stadtbefestigung und stand bis 1820 vor dem Gasthaus „Krone“.

2006 Premiere und erste Führung mit Torw.Weib u. Edelsteinschleifer

Hubert Bleyer

Torwächters Weib setzt sich mit neuer Idee gegen den Fußball durch

Der damalige Ruf von Torwächters Weib wurde gehört. So machte sich Barbara Kern am 9.6.2006 mit rund dreißig Nichtfußballfans auf den Weg. Oder zumindest zwei Mädchen waren dabei, die sich ihre Gesichter mit schwarz-rot-gold bemalt hatten. Ihr Versuch und Experiment, wie es die Ideengeberin selbst nannte, sollte gleich großartig einschlagen. Sie entführte die Gäste in das mittelalterliche Waldkirch, beginnend von der Stiftskirche, zum Gewerbekanal, dem Rondell der Stadtbefestigung, der einstigen Badeanstalt bis zum Marktplatz. Die Teilnehmer waren fasziniert. Das war eine „tolle Führung“ mit einer Reise „in eine andere Zeit“, schwärmten zwei finnische Gäste, die so das ihr bekannte Waldkirch wie auch die anderen von einer neuen Seite kennenlernten.

Einfach fing es an -mit dem Weib und einem Edelsteinschleifer

Die Premierenführung war damals noch einfach gestrickt und nur mit zwei Personen besetzt – mit des Torwächters Weib und einem Edelsteinschleifer und einfach gewandet. Erst im Laufe der Zeit kamen weitere Figuren hinzu wie der Torwächter selber, Reichsvizekanzler Balthasar Merklin, einige Jahre der Nachtwächter, der Bader und neuerdings der fahrende Spielmann, Aber auch die Stadtführerin hatte ihre helle Freude, nachdem sich ihre Nervosität gelegt hatte. Sie war vor 20 Jahren nur überrascht über die neuzeitlich gekleideten Personen, die sie in der Stadt antraf. Auch der Verkehrslärm auf der Lange Straße hatte sie irritiert. Schließlich gab es in ihrer Zeit nur Pferdefuhrwerke und auch keine Fußballweltmeisterschaft. So staunte sie auf ihrer Zeitreise über die jubelnden Fans, die in ihren mit modernen Pferdestärken versehenen Fahrzeugen durch die Stadt fuhren.

2006 Premiere und erste Führung mit Torw.Weib

Hubert Bleyer

Wiederholt sich das Fußballmärchen? Zumindest ein gleicher Auftakt

Das Fazit auf beiden Seiten: Das Torwächters Weib strahlte über beide Backen. Ihre anfängliche Sorge war unbegründet. Die Premiere vor 20 Jahren entwickelte sich immer mehr, verfeinert e sich und ist inzwischen zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Und während ihrer ersten Führung bejubelte die deutsche Fußballnation einen 4:2 Sieg im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica. Am Ende des Turnieres stand der 3. Platz der WM im eigenen Land, das oft als Sommermärchen beschrieben wird.

Ob es dieses Jahr eines werden wird, bleibt abzuwarten. Wer weiß, vielleicht schwingt das Torwächters Weib bei ihrer nächsten Führung am Freitag, 17. Juli um 19 Uhr wieder ihre Deutschlandfahne. Denn die Tage darauf findet das Spiel um den 3. Platz und das Finale statt, mit oder ohne deutsche Beteiligung. Des Torwächters Weib drückt jedenfalls die Daumen. Und Teilnahmesorgen braucht sie sich dieses Male nicht zu machen. Denn der 17. Juli ist spielfrei, also ideal für die Teilnahme bei Torwächters Weib mit einer zweistündigen, aber äußerst abwechslungsreichen, kurzweiligen Tour durch das mittelalterliche Waldkirch.

Infos historische Stadtführungen Waldkirch:

- Torwächters Weib: jeweils Freitag um 19.00 Uhr: am 17. Juli, 7. August und 16. Oktober. Treffpunkt Kirchplatz 2 (Kita Sonnenschein); Unkostenbeitrag 9,-- Euro und 5,-- Euro für Kinder (10-14 Jahre)..

- Mit dem Türmer auf die Kastelburg:

a) Nachtführungen für Erwachsene: am Fr. 31. Juli, Sa. 1. August, Fr. 4. September.

Treffpunkt Marktplatz, Marienbrunnen. Unkostenbeitrag 15,-- Euro;

b) Für die Familien Sa. 5. September. 13.00 Uhr, Treffpunkt Marktplatz, Marienbrunnen. Unkostenbeitrag 35,-- Euro Familien- oder 15,-- Euro Einzelbeitrag, 10,-- Euro für Kinder.

Infos bei: www.stadt-waldkirch.de/Freizeit/ Waldkirch besuchen/Stadtführungen.

Anmeldung bei der Tourist-Information, Waldkirch, Telefon 07681/19 433.

Text/Bilder: Hubert Bleyer

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