Biotopverbundplanung für Waldkirch
Gemäß § 22 Landesnaturschutzgesetz sind Kommunen verpflichtet, eine Biotopverbundplanung durchzuführen. Die Planung ist Grundlage eines landesweiten Biotopverbunds, der bis 2030 15% Offenland der Landesfläche umfassen soll.

Extensive Landwirtschaft im Kohlenbacher Tal
Für die Erstellung des Biotopverbundplans auf der Gemarkung Waldkirch wurden die Planungsgemeinschaft Büro für Landschaftsplanung (BfL) und HHP.raumentwicklung beauftragt. Betreut wird die Planung vom Biotopverbundbotschafter des Landkreises, Thomas Weich. Sie informierten zum Auftakt in einer öffentlichen Veranstaltung über die Ausgangslage und Beteiligungsmöglichkeiten für Landbewirtschafter, Flächeneigentümer und Bürger. Ziele und Aufgaben des Biotopverbunds in Waldkirch sind die Datengrundlage des landesweiten Biotopverbunds zu validieren, zu konkretisieren und auf kommunaler Ebene umzusetzen.
Große Biodiversität bis Ende des 19. Jahrhunderts
Über die Zeit hinweg hat sich die Landschaft und die Biodiversität aufgrund der Eingriffe des Menschen verändert. Die Landschaft in Mitteleuropa bestand noch während der Römerzeit größtenteils aus Wald und beherbergte eine große Biodiversität. Durch das Wirken von Kleinbauern, die immer vielfältigere Landnutzungsformen hervorbrachten, entstanden bis Ende des 19. Jahrhunderts immer abwechslungsreichere Habitate, sodass die Biodiversität bis dahin immer weiter zunahm.
Seit der Zeit der Industrialisierung und insbesondere nach dem 2. Weltkrieg schwindet die Biodiversität in zunehmender Geschwindigkeit. Die Hauptursache dafür ist die sich ändernde Landnutzung. Seit der Industrialisierung hat sich die bäuerliche in eine industrialisierte Dienstleistungsgesellschaft verwandelt, wodurch die Landschaftsstruktur immer monotoner und industrialisierter gestaltet wird – zu Lasten der kleinräumigen Elemente der bäuerlichen Kulturlandschaft.
Dieser Trend erfasste selbstverständlich die Landwirtschaft, aber auch die zunehmende Zerschneidung der Landschaft durch Straßen und die intensive Bebauung sorgt weiterhin dafür, dass sich noch mehr abgeschottete Bereiche entwickeln. Aufgrund der teilweise geringen Vorkommen sterben seltene Tiere und Pflanzen auf diesen „Inseln“ aus. Weitere Gründe für die Verringerung der Biodiversität sind chemische Verschmutzung, der Klimawandel und invasive Arten.
In Waldkirch ist der Trend der Zerschneidung der Landschaft anhand der Kartierung nachvollziehbar: 1930 gab es rund um die Stadt noch viele Flächen mit 100 bis 121 Quadratkilometern unzerschnittenen Raums - 2013 sind die Flächen im Durchschnitt maximal 49 bis 54 Quadratkilometern groß.
Landschaften mit kleinbäuerlichen Anbauweisen in Baden-Württemberg
Noch gibt es in Baden-Württemberg Bereiche, die durch ihren Abwechslungsreichtum mit Streuobstflächen und kleinen Feldern, auf denen unterschiedliche Kulturen angebaut werden und Wald- und Heckenbereichen der kleinbäuerlichen Anbauweise entsprechen.
Durch die geringere Parzellengröße entstehen mehr und auch verschiedene Habitate, die von vielen Tier- und Pflanzenarten besiedelt werden. Außerdem bieten vernetzte Strukturen die Möglichkeit zur Migration. Die Kulturlandschaften sind nicht nur für die Biodiversität von Bedeutung, sondern sie erodieren nicht so stark und sind auch für den Mensch ein wertvoller Aufenthaltsort.
Auf der Liste der gefährdeten Arten: das Katzenpfötchen auf dem Kandel
Landschaftsformen und Nutzung in Waldkirch
Die Art der Landschaftsformen auf der Gemarkung Waldkirch sind vielfältig. So gibt es nasse Schwarzwaldtäler mit Gewässern und Wiesen, trockene unbewaldete Hänge, Wiesen und Weiden, aber auch große zusammenhängende Waldgebiete, die oberhalb des Offenlands angrenzen. Dazu kommen verschiedenartige Felsformationen.
Daraus resultieren zahlreiche kleinräumig unterschiedliche Biotoptypen und Artvorkommen. Auch die Landnutzungsformen sind in Waldkirch mit intensiver Landwirtschaft, extensiver Grünlandbewirtschaftung, dem Weinbau und der Forstwirtschaft vielfältig.
Eine Biotopzerschneidung ist in Waldkirch zum Beispiel durch die teils intensive Landwirtschaft, die Begradigung von Flüssen und Bächen sowie den Siedlungsbereich gegeben.
Der Biotopverbund hat das Ziel, die bestehenden wertvollen Biotope in Waldkirch zu erhalten und so zu vernetzen, dass stabile Populationen von gefährdeten Arten erhalten werden und sich mit anderen Populationen austauschen können.
Potentielle Schwerpunktgebiete für einen Biotopverbund in Waldkirch sind beispielsweise in Buchholz, im Kohlenbacher Tal und auf dem Kandel vorhanden.
Im Kohlenbacher Tal ist die Vielfalt auf kleinem Raum noch groß. Dies liegt unter anderem an der Hangneigung und der damit verbundenen Exposition, der Art der Beweidung und Mahd, dem Vorkommen von Streuobst und den großen unterschiedlich exponierten Waldrandbereichen.
Bereits jetzt kommen im Kohlenbacher Tal gefährdete Arten wie der Wendehals, der Neuntöter oder das kleine Knabenkraut vor. Um diese zu erhalten und zu fördern, wird im Zuge der Biotopverbundplanung angestrebt, wertvolle Kernflächen zu erhalten, zu entwickeln und zu verbinden, um die Ansprüche der gefährdeten Arten gezielt zu berücksichtigen. Dafür müssen die Landwirte miteinbezogen werden.
Hirschkäferweibchen im Juni 2023
In Buchholz existieren vor allem große zusammenhängende und intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen mit geringem Anteil von Habitaten für Zielarten. Ein hohes Entwicklungspotenzial gibt es jedoch entlang und zwischen den vorhandenen Fließgewässern. Der stark begradigte Moosgraben beispielsweise hat eine gleichförmige Fließgeschwindigkeit, die gewässerbegleitenden Gehölze wurden entfernt. Es sind nur noch wenige Bereiche vorhanden, die geeignete Bedingungen für gefährdete Arten bieten. Um die Rest-Habitate der gefährdeten Arten zu erhalten und zu verbinden, wird angestrebt, die Gewässerrandstreifen vielfältiger zu gestalten und aufzuwerten, sowie Wanderbarrieren zu entfernen. Davon profitieren Arten wie Libellen (Helm-Azurjungfer), Fische (Groppe), Bachmuschel, sowie Fledermäuse.
Der Kandel ist ein Hotspot an Biodiversität. Auf seltenen Biotoptypen wie Borstgrasrasen alpiner Lager haben gefährdete Arten wie das Katzenpfötchen (Rote Liste Art), die gefleckte Keulenschrecke oder der Warzenbeißer ein Zuhause. Um die noch sehr hohe Biodiversität zu erhalten, müssen die Flächen weiterhin extensiv bewirtschaftet werden und der Wald zurückgedrängt werden. Des Weiteren ist die Besucherlenkung ein wichtiges Instrument, um die seltenen Biotope dort zu erhalten.
Nächste Schritte
Die kommenden Schritte nach Zusammenstellung, Sichtung und Auswertung der Datengrundlagen wird eine Geländebegehung sein. Infolgedessen wird ein Bestandsplan erstellt und ein Konzept mit möglichen Maßnahmen erarbeitet. Die Beteiligung von Landbewirtschaftern, Flächeneigentümern und sonstigen Bürgern ist ausdrücklich erwünscht.
Sollten Sie Interesse haben, Maßnahmen zur Förderung des Biotopverbunds in Ihrem Betrieb oder auf Ihren Flächen umzusetzen und gefördert zu bekommen oder Hinweise auf Vorkommen von seltenen und geschützten Arten haben, können Sie sich per E-Mail an


