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Nachrichten aus Baden-Baden

Villa Kettenbrücke in Baden-Baden erstrahlt in neuem Glanz

Mit einem festlichen Empfang im Stil eines Belle-Époque-Abends sowie begleitender Hausmusik wurde die wiederhergestellte Villa Kettenbrücke vor geladenen Gästen feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Damit ist eines der bedeutendsten Gebäude an der Oos und an Baden-Badens Flaniermeile, der Lichtentaler Allee, wieder fester Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Stadt.

Professor Dr. Dr. Peter Löw links mit Alexander Wieland, erster Bürgermeister von Baden-Baden

Sabine Zoller

Restaurierung und Initiative

Dank der Initiative von Professor Dr. Dr. Peter Löw wurde das architektonische Kleinod 2019 durch das European Heritage Project erworben, aufwändig restauriert und in seiner ursprünglichen Schönheit wiederhergestellt. Ziel der Arbeiten war es, die historische Bausubstanz zu bewahren und zugleich die Villa als Ort der Begegnung und Kultur neu zu beleben. Professor Löw betonte bei der Eröffnung:
„Historische Orte nicht nur zu erhalten, sondern sie auch mit Leben, Kunst und Kultur zu füllen, ist mir ein besonderes Anliegen.“ Als Repräsentant der Stadt und zuständig für Bauen sowie das Welterbe würdigte Alexander Wieland, erster Bürgermeister von Baden-Baden, das Engagement von Löw:

„Sie haben hier eine Perle geschaffen, die wir dringend brauchen und die dazu beiträgt, unser Welterbe auch künftig bewahren zu können. Ohne Menschen wie Sie würden solche Objekte verfallen und irgendwann sogar unseren Welterbestatus in Frage stellen.“

Die restaurierte Villa Kettenbrücke

Sabine Zoller

Architektur und Interieur

Das im Jahr 1902 fertiggestellte Anwesen, einst ein Paradebeispiel für die Eleganz der Belle Époque, gehörte lange Zeit zu den luxuriösesten Residenzen der Kurstadt. Über ein Jahrzehnt stand die knapp 1000 Quadratmeter große Villa leer und war nur ein stiller Zeuge vergangener Pracht. Heute präsentiert sich die Bel Etage in klassisch-elegantem Stil mit Anklängen an das französische Empire und die schlichte Eleganz des Biedermeier. Vergoldete Polsterstühle mit edlem Brokat, feine Mahagonimöbel, zarte Wandfarben und marmorne Büsten schaffen zusammen mit eindrucksvollen Wandbildern die Atmosphäre eines kultivierten Salons des 19. Jahrhunderts: elegant, nobel und einladend zugleich.

Der Raum strahlt eine vornehme Wohnkultur des frühen 19. Jahrhunderts aus

Sabine Zoller

Hausmusik und musikalische Eröffnung

Anlässlich der Wiedereröffnung erlebte auch die Tradition der Hausmusik, die einst die Salons der Belle Époque erfüllte, eine lebendige Wiederkehr. In der festlich erstrahlten Villa erklang Musik, wie sie einst durch die eleganten Räume hallte. Mit einer fein abgestimmten Auswahl klassischer Werke verzauberte das Trio Vandarte die Gäste. Auf dem Programm standen unter anderem Edward Elgars „Salut d’Amour“, Antonín Dvořáks „Serenade“ und Camille Saint-Saëns’ „Der Schwan“, gefühlvolle Kompositionen, die von den Musikerinnen mit großer Sensibilität interpretiert wurden.

Mit dem „Loblied der Badener“ setzte das Ensemble zudem einen charmanten Akzent, der zugleich als musikalische Würdigung des Hausherrn Professor Peter Löw verstanden werden durfte. Der gebürtige Baden-Badener hat mit der Restaurierung der Villa nicht nur ein Stück Heimatgeschichte bewahrt, sondern mit großer Leidenschaft und persönlichem Engagement dieses architektonische Juwel zu neuem Leben erweckt.

Das Trio Vandarte verzauberte die Gäste

Sabine Zoller

Beweggründe für das European Heritage Project

Zudem sprach Professor Löw über seine Beweggründe für die Restaurierung der Villa Kettenbrücke und die Arbeit des European Heritage Project, einer Initiative, die er vor rund 20 Jahren ins Leben gerufen hat und deren Portfolio inzwischen weltweit über 50 Einzelobjekte umfasst:

„Wir haben festgestellt, dass in Deutschland und Europa Kulturgüter in großem Umfang verloren gehen. Auf der obersten Ebene, bei bekannten Bauwerken wie Schloss Schönbrunn oder dem Eiffelturm, stellt der Staat große Mittel bereit. Aber sobald man nur eine Stufe darunter geht, versiegen diese Quellen, obwohl viele dieser Objekte in ‚B-Lagen‘ eine herausragende Bedeutung für ihre Region haben.“

Eröffnung vor geladenen Gästen

Sabine Zoller

Unterstützung für Baden-Baden als UNESCO-Weltkulturerbe

„Wenn der Staat diese Immobilien nicht mehr ausreichend unterstützt, müssen private Initiativen einspringen. Es geht dabei nicht nur um Denkmalschutz, sondern vor allem um unsere Heimat und das kulturelle Erbe, das wir kommenden Generationen weitergeben wollen.“ Bereits im Januar 2019 bemühte sich Baden-Baden, gemeinsam mit zehn weiteren europäischen Kurstädten, unter dem Titel „The Great Spas of Europe“ um die Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe. Um die Stadt bei diesem Vorhaben zu unterstützen, hat sich das European Heritage Project der Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude angenommen, die durch ihre historisch wertvolle und erhaltenswerte Bausubstanz überzeugen. Die damalige Bürgermeisterin Margret Mergen wusste Löws Engagement zu schätzen:

„Sie sind eine Perle in der Kette auf dem Weg zum Weltkulturerbe und nicht die Kleinste.“

Wohnkultur im 19. Jahrhundert wieder zum leben erweckt

Sabine Zoller

Neben der Villa Kettenbrücke zählen heute sieben weitere Gebäude zu dem Ensemble des Projektes in Baden-Baden. Sämtliche Bauwerke sind in das Areal der sogenannten „kleinsten Metropole der Welt“ eingebettet, das sich zwischen Lichtentaler Allee und Friedrichsbad erstreckt. Auf die Frage, warum das European Heritage Project gerade in Baden-Baden so intensiv aktiv ist, antwortete Professor Löw:

„Ein Grund ist natürlich, dass ich selbst aus Baden-Baden komme und hier mein Abitur gemacht habe. Es ist mir ein besonderes Anliegen, die Stadt, die mir so viel bedeutet, mitzugestalten und ihr kulturelles Erbe zu bewahren.“

Text und Bilder: Sabine Zoller

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