Yoshiyuki Miura – Die Kraft der Stille
Yoshiyuki Miura erstmals mit Einzelausstellung in der Galerie Messmer
Karina Klucha, Lea Messmer, Jürgen A. Messmer und Yoshiyuki Miura
Manchmal ist es die Stille, die am lautesten spricht. Mit der Ausstellung „Die Kraft der Stille“ zeigt die Galerie Messmer erstmals eine Einzelausstellung des japanischen Ausnahmekünstlers Yoshiyuki Miura und öffnet einen Raum, in dem Ruhe, Konzentration und innere Bewegung spürbar werden.
Miura - zweifacher Gewinner des internationalen André-Evard-Preises und zuletzt Träger des 7. André-Evard-Preises, bringt seine Kunst nach Riegel und mit ihr eine Energie, die berührt und nachhallt.
Miuras Werke sind keine flüchtigen Bilder. Sie ziehen den Blick an, halten ihn fest und lassen den Raum atmen. Aus Materialien wie Edelstahl, Reis, Bohnen, Linsen und Licht entstehen Arbeiten von großer Präsenz und stiller Intensität. In rhythmischer Wiederholung, präziser Ordnung und fein austarierter Balance entfaltet sich eine meditative Kraft, die den Betrachtenden zur Ruhe kommen lässt und zugleich innerlich bewegt.
Ein eindrucksvolles Zentrum der Ausstellung bildet Miuras monumentaler Wasserfall. Gefertigt aus unzähligen Edelstahlstiften wirkt er wie ein eingefrorenes Naturereignis: kraftvoll, rauschend, beinahe hörbar und doch von tiefer Stille durchzogen. Mit einer Länge von 6,60 Metern und einer Höhe von 1,80 Metern ist dieses Werk nicht nur visuell überwältigend, sondern markiert auch einen besonderen Moment für die Galerie Messmer: Es ist das größte Werk, das hier jemals gezeigt wurde.
Yoshiyuki Miura, Reisbild, 2024, Reiskörner und Glasscheiben
Eine andere, leise und zugleich berührende Dimension offenbart sich in Miuras Reisbildern. Ein Werk aus rund 10.000 Reiskörnern, mit dem der Künstler 2025 den ersten Platz beim 7. internationalen André-Evard-Preis gewann, ist in dieser Ausstellung in neuer Präsentation zu erleben. Reis – Sinnbild für Leben, Gemeinschaft und Kontinuität, wird bei Miura zu einem Träger von Zeit, Geduld und Konzentration. Jedes einzelne Korn scheint Teil eines stillen Ganzen zu sein.
Auch Bohnen und Linsen finden Eingang in Miuras Arbeiten und verweisen auf die kulturellen Wurzeln des Ostens. In ihrer dreidimensionalen Anordnung treten sie in einen Dialog mit der westlichen Formensprache. So entsteht eine Kunst, die Tradition und Gegenwart, Ost und West sowie Material und Idee vereint und zugleich den Bogen von der Tradition zur modernen Abstraktion spannt.
Diese Verbindung setzt sich in Miuras Sphärenwerken fort. Aus Licht und tausenden einzeln gefärbten Edelstahlstiften – 3.000 bis 4.000 pro Objekt – entstehen schwebende, kugelförmige Gebilde, die den Raum verändern. Licht, Farbe und Material lösen feste Grenzen auf, Konturen verschwimmen, Bewegung entsteht. Die Sphären wirken zugleich präzise und poetisch und machen das Unsichtbare – Energie, Spannung und Stille – erfahrbar.
„Die Kraft der Stille“ ist eine Einladung, innezuhalten. Miuras Werke verlangen keine schnellen Antworten, sondern schenken Raum für eigene Gedanken, Empfindungen und Interpretationen. Wer diese Ausstellung betritt, begegnet einer Kunst, die leise ist und gerade deshalb lange nachwirkt.