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Nachrichten aus Kunst & Kultur

Henry Purcells Oper „Dido und Aeneas“

Am 17. September um 19:30 im Evangelischen Gemeindehaus (Kreuzstr. 13) wird die großartige Oper Dido und Aeneas von Henry Purcell szenisch aufgeführt

In der gleichen Einstudierung kommt diese ca. 70 minütige Oper mit ungefähr 80 Mitwirkenden am 17.9. um 19:30 Uhr in Karlsruhe, im Evangelischen Gemeindehaus (Kreuzstr. 13) auf die Bühne.

„In der Inszenierung und unter der Leitung von Boris Yoffe gelang eine eindrucksvolle, an professionelle Standards heranreichende Aufführung“, so ebenfalls die Rheinpfalz. Mit aktuellen und ehemaligen Schülerinnen des Gesangslehrers Christoph Stengel und einigen Freundinnen, sind „fast ausnahmslos Protagonisten mit solider Gesangsausbildung auf der Bühne“. Mit dabei ist die „furios wirbelnde“ Sabine Polgar als Zauberin. Die Bühler Ausgabe der BNN sprach von einer „fulminanten Inszenierung, die dank brillanter Solisten der Oper gerecht wurden“. Das hervorragend aufgestellte Vokalensemble(Einstudierung Christoph Stengel) und makellos tanzende Schülerinnen der Ballettklasse der Musikschule Bühl sind mit von der Partie und die „Lautencompaney“ der Musikfreunde Wörth unter Leitung von Pavel Khlopovski. Nicht zu vergessen ist das Vokalensemble der Musikfreunde Wörth (Einstudierung Boris Yoffe). Die BNN sprach von einer „beachtlichen Kohärenz und Homogenität“ der beiden Chöre. Unter Yoffes „energischer und dezidierter“ Leitung begleitet das Orchester der Musikfreunde Wörth in „eloquent barocker Manier“, hervorzuheben ist das „perfekte Continuo“.

Die Bühnenausstattung stammt von den Musikfreunden Wörth. Lassen Sie sich hineinziehen in die „Liebesepisode des Troja-Helden mit der stolzen Herrscherin Karthagos“. Eine Aufführung mit fantasievollen Details und witzigen parodistischen Episoden. „Wahrhaftig zum Hinschmelzen“ (Rheinpfalz).

Zusammenfassung:

Dido und Aeneas von Henry Purcell (1659-1695) wurde 1688 oder 1699 in London in dem Mädchenpensionat in Chelsea aufgeführt. Man ist sich nicht sicher, ob er sein Meisterwerk speziell für diesen relativ unbedeutenden Auftraggeber komponiert hat, die Rollenverteilung und der Umfang der Oper sprechen eher dafür.

Das Libretto von Nahum Tate basiert auf dem vierten Buch von Vergils Aenäis und erzählt die in Europa der Barockzeit äussert populäre Geschichte von Dido, der Königin von Karthago, und Aeneas, dem Trojanischen Helden. Aeneas und sein Heer sind auf ihrer Flucht aus Troja zufällig (ein Schiffbruch?) in Karthago gelandet; Aeneas verliebt sich in die Königin Dido, die seine Liebe erwidert. Sie gibt sogar ihr Vorhaben auf, als Witwe nie wieder zu heiraten, und die feierliche Vereinigung mit Aeneas wird - zu allgemeinem Jubel - geplant. Allerdings haben die Götter ihre eigenen Pläne: Aeneas soll unverzüglich weiter nach Italien fahren, um Rom zu gründen! Die verlassene Dido will nicht weiter leben und begeht Selbstmord.

Bei Purcell verändert sich die Geschichte bedeutend und bekommt ausgeprägte komische, ja parodistische Züge in der besten englischen humoristischen Tradition: es mischen sich in das Geschehen keine Götter ein, sondern eine böse Zauberin und ihre Gehilfen -, aus purem Spass an Schaden und Zerstörung. Der leichtgläubige Held lässt sich ohne Bedenken täuschen, als er von dem grossen göttlichen Auftrag hört; das Ganze scheint somit nichts weiter als Zufall und Betrug zu sein -, jedoch stirbt Dido allen Ernstes. Somit kommt die kurze Oper Purcells in die wunderbare Reihe von Werken, deren Gattung sich nicht definieren lässt: es ist eine lustige, witzvolle Komödie, bzw. eine erhabene Tragödie. Alles ist Spiel und Unsinn, aber man stirbt am Ende wirklich. Den eindringlichen Ernst des Todes erfahren wir unmittelbar dank der genialen Musik der letzten Arie Didos. Alle anderen Nummern des Stückes sind aber nicht minder grossartig: in ihrer Mischung aus Witz und Ernst, aus Einfachheit und höchster Komplexität sind sie in der Musikgeschichte völlig einmalig und wahrlich unsterblich, im Gegensatz zur bedauernswerten schönen Königin.

Text/Bilder: Boris Yoffe

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