Nachrichten aus Kunst & Kultur

„Göttinnen des Jugendstils“

Sonderausstellung, Schloss Karlsruhe

Die Ausstellung vereint Werke des Jugendstils: aus den Beständen der drei Kooperationspartner Badisches Landesuseu Karlsruhe, dem Allard Pierson Amsterdam und dem Braunschweigischen Landesmuseum sowie internationaler Jugendstil-Sammlungen des Königlichen Museums für Kunst und Geschichte in Brüssel, aus dem Reichsmuseum Amsterdam, dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, dem Institut Mathildenhöhe Darmstadt oder aus Privatbesitz.

Der Illustrierten Wochenzeitschrift JUGEND verdankt der deutsche Jugendstil seinen Namen

Sabine Zoller

Die Zeit um 1900

Lebenswelten im Wandel

Sabine Zoller

Die Schau im Schloss Karlsruhe präsentiert die Zeit um 1900 und damit gesellschaftliche Umbrüche, in denen die Frau in den Mittelpunkt von künstlerischen Darstellungen in Erscheinung tritt. Unter dem Motto „Frauen erobern die Kunst!“ werden nicht nur verführerische und florale verspielte Frauendarstellungen gezeigt, sondern darüber hinaus auch ein sich wandelndes Frauenbild dargestellt. Frauen werden nach dem ersten Weltkrieg zunehmend unabhängiger, ergreifen Berufe und treten als gefeierte Künstlerinnen in Erscheinung.Die Industrialisierung wirkt sich massiv auf Gesellschaft und Umwelt der Menschen aus. In vielen Ländern erstarkt der Nationalismus und ein von europäischen Großmächten ausgehender Kolonialismus prägt die gesamte Welt. In den Städten etablieren sich neue Formen der Konsum- und Unterhaltungskultur. Wissenschaftliche Erkenntnisse sowie philosophische und neue religiöse Ansätze bringen das bisherige Menschenbild ins Wanken.

Büste von Alfons Mucha

Sabine Zoller

Für die Pariser Weltausstellung von 1900 schuf Alfons Mucha die Büste La Nature, die als besonderes Highlight der Ausstellung gilt, zumal sie auch zu den Sammlungen des Landesmuseums zählt. „Eine Frau von überirdischer Schönheit verkörpert die Natur und gilt heute als Inbegriff des Jugendstils“, so der Tafeltext der Ausstellung. Sie steht symbolhaft für den befürchteten kulturellen Verfall des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wodurch die Natur als Stilmittel besonders im Fokus steht.
Die Welt um 1900 wandelt sich. Frauen organisieren sich erstmals in Vereinen und verlangen nach Bildung, Beruf und politischer Mitsprache. In Karlsruhe wird 1893 das erste Mädchengymnasium Deutschlands eröffnet. Erste Studentinnen schreiben sich an den Universitäten von Freiburg und Heidelberg ein und Frauen wagen sich als freischaffende Künstlerinnen auf den Kunstmarkt. Sie befreien sich im wahrsten Sinne des Wortes von alten Korsetts, entwerfen Reformkleider, die mehr Bewegungsfreiheit ermöglichen, werden sportlich aktiv auf dem Fahrrad und treten an Weltstars zu werden wie die Tänzerin Loïe Fuller oder die Schauspielerin Sarah Bernhardt.
Die Ausstellung bildet eine Zeitreise ab, die den Wandel sowohl im kulturellen, als auch im eigenen Haushalt vor Augen führt. Bunt, vielfältig und vor allen Dingen informativ ist die Ausstellung ein absolutes Highlight für alle Kunstinteressierten.

Blick in die Pretiosen der Ausstellung

Sabine Zoller

„Göttinnen des Jugendstils“

Ausstellung bis zum 19.6.2022
Di – So, Feiertage 10 – 18 Uhr,
1.1. 2022 ab 13 Uhr geöffnet 12 Euro, erm. 9 Euro, Kinder 4 Euro

 www.landesmuseum.de 

Text/Bild: Sabine Zoller

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