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Nachrichten aus Kunst & Kultur

Galerie Circle Culture präsentiert den Berliner Künstler Lennart Grau:

Die Sagen der Trinkhalle Baden-Baden – reloaded

Circle Culture Gallery im Rooftop des Maison Messmer Werderstraße 1, 76530 Baden-Baden, 21. März, 14 Uhr Vernissage: Donnerstag, 14. April, 17-21 Uhr Anmeldung zum Privattermin für Sammler und Kunstinteressierte bis 30. Oktober 2022 unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Lennart-Grau „Allerheiligen - infinity-moment“, 2022

Die Dachetage des Hotels Maison Messmer bietet ein herrliches Panorama über Baden-Baden – und lädt ein zu einem Rundblick auf die historischen Stätten und Naturorte der Kurstadt. Dieser neue Ausstellungsort einer in Berlin und Hamburg ansässigen Galerie eignet sich deshalb geradezu perfekt, um die Gemälde des Berliner Künstlers Lennart Grau zu präsentieren: Vieles, was Baden-Baden so besonders macht, ist seit langem ein zentraler Teil seines Oeuvres. Lennart Grau, 1981 in Krefeld geboren, studierte als Meisterschüler bei Professor Leiko Ikemura an der Universität der Künste in Berlin, Werke von ihm finden sich in den hochkarätigen Kunstsammlungen von Manuela Alexejew und Carlos Brandl oder der Miettinen Collection. Der in Berlin arbeitende Grau stellt international aus, im Anschluss an die Baden-Badener Schau zeigt er seine Werke auf einer Ausstellung in Wien. Lennart Grau beeindruckt mit seinem ganz eigenen Stil, der die Grenzen zwischen Figur und Abstraktion auslotet: Sein geradezu brutaler Umgang mit Farbe findet einen faszinierenden Gegenpol durch künstlerische Anleihen aus der Leichtigkeit und Unbeschwertheit des Rokoko. 

Lennart Grau: „And Then You Are“, 2022

„Das Spannende für mich ist, alte Mythen in die Neuzeit zu transformieren.“ (Lennart Grau) Beeindruckt von der menschlichen Fähigkeit zur Dekadenz fühlt sich der Künstler zu provokant kitschigen Zitaten inspiriert: Engel, klassische Stillleben und epische Inszenierungen dienen dabei als perfekte Vorlagen, um den oberflächlichen Glanz dieser Epoche malerisch zerschmelzen zu lassen und ihre Ornamentik in imposanten, pastosen Farbexzessen zum Ausdruck zu bringen. Es sind Kontraste, Strukturen und Glanzeffekte, die auf den Künstler eine anziehende Wirkung ausüben, denen er jedoch gleichermaßen kritisch gegenüber steht: Den dekadenten Hang zur Selbstoptimierung, Selbstdarstellung und Überfluss mit all seinen negativen, teils auch narzisstischen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt gab es damals wie heute. Lennart Graus radikaler Brückenschlag zwischen Historie und zeitgenössischer Kunst macht diese Parallelen fast schon haptisch spürbar.

Lennart Grau: „Reigen – Mummelsee“, 2022

Lennart Grau ist fasziniert von Baden-Baden. An der mediterranen Kurstadt liebt er die vielen Wasserspiele, Springbrunnen und floralen Formen – für ihn ein „urbarockes Thema“, dass er in seinen aktuellen Werken auf beeindruckende Weise aufgreift. Wie kam es dazu? Unser Blick von der Terasse schweift über die Trinkhalle, ein heilsamer Ort, an dem die Besucher Baden-Badens schon im 19.Jahrhundert das viel gepriesene Thermalwasser der Friedrichsquelle genossen. Nicht weniger reichhaltig als das gesundheitsfördernde Wasser ist die mythologische Aura, von der die Thermalquellen und Thermalbäder umgeben sind. Im historischen Säulengang der 90 Meter langen Wandelhalle zeigen 14 Wandbilder von Jakob Götzenberger (1802–1866) Szenen aus Mythen, Sagen und Legenden der Region, die bei Einheimischen wie Gästen gleichermaßen beliebt sind.

„Baden-Baden ist wie ein Brennglas auf meine Kunst und die Intention dahinter.“ (Lennart Grau)

Bei einem Besuch der Kurstadt beeindruckten ihn die mystischen Sagen der Trinkhalle so stark, dass er sich entschied, einige der Geschichten dahinter in seiner Bildsprache neu zu interpretieren – oder sogar weiterzuspinnen. Klassische Sagen wie die des „Mummelsee“ bekunden die mythologische Bedeutsamkeit der Region und feiern ihre historische Tradition: „In mondklaren Sommernächten steigen die Nixen aus den Gründen des Mummelsee und tanzen ihren Reigen. In der ersten Stunde nach Mitternacht hebt der Seekönig sein Haupt aus dem Wasser und holt seine Töchter zurück“. Wasser, Abenteuer und Rettung stellen in den überlieferten Geschichten ein zentrales Thema dar. Seit jeher stellt das Unbegreifliche ein Faszinosum für die Menschen dar – und beschäftigt auch  Lennart Grau 

„Wasser ist das verbindende Element. Ich bin sehr affin für die mystische Kraft, die im Wasser steckt.“ (Lennart Grau)

Lennart Grau besuchte den Wandelgang immer wieder, er fühlte sich selbst von den verführerischen Nixen in ihre Welt gezogen – eine Welt, mit der er sich in seiner Kunst schon lange beschäftigt. Das Unheimliche und Verführerische, das tief unten in Gewässern und Seen schlummert, wird in der Ausstellung von Lennart Grau an die Oberfläche gelockt. Der Künstler bannt die magische Aura der mythischen Kreaturen, Figuren und Gestalten mit aufregend lebhaftem, pastösem Farbauftrag auf die Leinwand: Die besondere Aura, die unserem Verständnis entgleitet, die uns durch die Finger zu rinnen scheint, wird durch die dicken, glänzenden Farbschlieren in Lennart Graus Werken Wirklichkeit. Die Bilder in Öl zeigen eine zeitgenössische Interpretation der Baden-Badener Legenden und heben die Sehnsucht des Abtauchens in eine andere Welt hervor, die voller Leidenschaft und Pomp, voller Verschmelzung und Schönheit ist

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