Clara Schumann in Bad Wildbad
Seit über zehn Jahren repräsentiert Lea Ammertal die berühmte Pianistin Clara Schumann (1819 – 1896) in Bad Wildbad. Bei Spaziergängen im Kurpark oder Vorträgen im Forum König-Karls-Bad haucht die Calwer Autorin und Regisseurin Ammertal dem berühmten Kurgast von einst neues Leben ein.

Lea Ammertal haucht der Persönlichkeit von Clara Schumann neues Leben ein
Auf Spurensuche
Lea Ammertal liest liebend gerne aus Briefen von Clara Schumann, die sie während ihres Kuraufenthalts in Wildbad 1859 verfasst und an Freunde, Verwandte und Geschäftspartner geschrieben hat. Um das Gefühl ihrer Zuhörer für den Zeitgeist zu stärken, verknüpft sie ihre Veranstaltungen mit Gedichten von Schriftstellern wie Ludwig Uhland und Justinus Kerner, die zeitlebens eng mit dem Kurort verbunden waren und berichtet: “Die Idee war zunächst den Gästen von Bad Wildbad Clara Schumann als Person möglichst lebensnah zur Geltung zu bringen.“ Eine schöne Aufgabe für Ammertal, die bei den Aurelius Sängerknaben in Calw als Regisseurin und szenische Trainerin Musiktheateraufführungen inszeniert und selbst Songspiellibretti schreibt und für die Konzerte mit Baluta kleinere Szenen entworfen hat.
Annäherung an Clara Schumann
Clara Schumann, die als neunjähriges Wunderkind bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt im Leipziger Gewandhaus das Publikum in Bann schlägt, ist eine faszinierende Persönlichkeit und nicht nur Pianistin, Pädagogin, Konzertorganisatorin sondern auch Mutter von sieben Kindern. Noch nicht volljährig unternimmt sie alleine eine Konzertreise nach Paris und setzt sogar gegen den Willen ihres Vaters ihre Hochzeit mit Robert Schumann (1810-1856) per Gerichtsbeschluss durch. Nach dem frühem Tod ihres Mannes war sie gezwungen, für sich und ihre Kinder durch Musikunterricht und Konzertreisen im In- und Ausland selbst zu sorgen. Die damals bedeutendste Pianistin Europas macht mit ihren Interpretationen am Klavier die Kompositionen ihres Mannes bekannt und wird, um es mit Worten aus dem heutigen Sprachgebrauch zu nennen, damit selbst zum „Mega-Star“.
Kur in Bad Wildbad
Wegen eines rheumatischen Leidens nutzte Clara Schumann Wildbad drei Jahre nach dem Tod Ihres Ehemannes zur Kur. Nahezu täglich schrieb sie ausführliche Briefe an ihre Kinder, an Verleger, an Freunde und befreundete Komponisten wie Johannes Brahms (1833-1897) mit dem sie eine lebenslange Freundschaft pflegte.
Diese Briefe nutzt Lea Ammertal als Grundlage für ihre Veranstaltungen, die sich immer um ein besonderes Motto ranken. Dabei geht es um Clara Schumann ganz privat als Gattin, Mutter, Großmutter, das Musikleben ihrer Zeit oder die Schumanns und der schwäbische Dichterkreis. „Bei letztgenanntem lege ich den Fokus auf Justinus Kerner, der mit seinem Buch >Das Wildbad im Königreich Württemberg< erschienen 1812, die Heilkraft des Thermalwassers in einen überregionalen Fokus rückt“, so Ammertal, die stets akribisch recherchiert und dabei auch die die umwälzenden Entwicklungen wie die Einführung der Eisenbahn als Reise-und Transportmittel in ihre Texte mit einbezieht. „Clara als Naturmensch empfand dieses Thema durchaus zwiespältig, denn einerseits nutzte sie die im Vergleich zum Verkehr mit der Kutsche schnelle Verbindung gern, andererseits bedauerte sie den Eingriff in die Natur und schon damals die Umweltverschmutzung“, so Lea Ammertal die dazu aus dem Brief vom 20. Juli 1859 an Johannes Brahms zitiert:
„Der Ort (Wildbad) liegt gar friedlich, etwas melancholisch, rings von schwarz bewaldeten Bergen umgeben, viel Tannen, die den Saum der Berge schön dunkel erscheinen lassen. Das Tannen-Aroma wird man wohl erst spüren, wenn's einmal regnet! Die Hitze, die wir auf der Reise ausgestanden, war fürchterlich, namentlich auf der letzten Strecke, 5 Stunden im Omnibus (gemeint ist eine Pferdekutsche die bis zu acht Personen befördern konnte). Bis hier ist noch keine Eisenbahn gedrungen, sie fangen jetzt aber auch schon an - leider! Es will einem hier doch gar nicht in den Kopf.“

Briefpassagen von Clara Schumann
In ihrem 2019 erschienenen Erzählbändchen "Weiße Maschen" setzt Lea Ammertal den Fokus auf Clara als junge Frau, die sich aus heutiger Perspektive in einem dichten Spannungsfeld von Leistung, Etikette und Zwängen ihrer Zeit einerseits, Harmoniebedürfnis und musikalischem Ehrgeiz andererseits bewegte. Bei ihren Touren durch den Kurpark allerdings bleibt Ammertal den historischen Begebenheiten treu und an der Enz eine Passage aus Claras Briefen:
"Ich bin jetzt hier zur Cur und finde das Bad herrlich, die Luft erquickend." Bei Interesse der Gäste geht es sogar hoch bis zum Uhland-Gedenkstein, zumal die Gedichte Uhlands, wie auch Kerners von Robert und Clara, ebenso wie von Johannes Brahms sehr geschätzt und einige davon sogar vertont wurden. „Diese enge Verknüpfung von Musik und Poesie ist mit besonders wichtig“, sagt Ammertal, die sich unterwegs im Park, im engen Korsett und schwarzen Reifrock bewegt und aus einem Brief an Eugenie Schumann vom 3. August 1859 zitiert: „Hier giebt es auch viel zu pflücken, aber vielmehr Heidelbeeren als Blumen; die sehen freilich nicht so schön aus aber schmecken doch sehr gut.“
Das Kostüm, das sie seit Etablierung der Spaziergänge träge, leiht sie jedes Jahr aufs Neue vom Theater Pforzheim aus. „Es ist ein nach historischen Mustern gefertigtes Stück, das den praktischen Abschluss einer Gesellenprüfung als Theaterkostümschneiderin bildete. Erstaunlicherweise passte es mir bei der ersten Anprobe wie auf den Leib geschnitten!“ Da Clara nach Roberts Tod nur noch im schwarzen Witwengewand auftrat, ist es passend zu meinen Veranstaltungen.“ Im Hochsommer ist dieses Prachtgewand allerdings etwas anstrengend zu tragen, zumal das Kleid mit Reifunterrock über fünf Kilo auf die Waage bringt.


