Virtuelle Welten für junge Herzpatient*innen
Fontanherzen e.V. spendet VR-Brille an das Universitätsklinikum Freiburg / Virtuelle Welten sollen Angst und Schmerz bei Untersuchungen verringern

Ende Juni übergab Steffi Sänger (1. v. l.), Vorsitzende des Elternvereins Fontanherzen e. V., die neue VR-Brille an Prof. Dr. Johannes Kroll, Leiter der Sektion Kinderherzchirurgie (2. v. r.), Dr. Thilo Fleck, Leitender Oberarzt in der Klinik für Angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie (1. v. r.), sowie an Thore und seine Familie.
Für junge Patient*innen mit angeborenen Herzfehlern gehören Untersuchungen, Blutabnahmen und Verbandswechsel oft schon früh zum Klinikalltag. Um sie dabei besser zu unterstützen, setzt die Klinik für Angeborene Herzfehler und Pädiatrische Kardiologie des Universitätsklinikums Freiburg künftig eine VR-Brille ein. Möglich macht das der Elternverein Fontanherzen e.V., der die Brille Ende Juni gespendet hat. Sie soll Kinder während notwendiger medizinischer Maßnahmen ablenken und so Angst und Anspannung verringern. Als erster Patient nutzte der zehnjährige Thore die Brille. Kaum aufgesetzt, kam er aus dem Staunen nicht mehr heraus - und für einen Moment rückte das Klinikzimmer zwischen Urwald, Lianen und Tiger in den Hintergrund.
„Studien belegen, dass Virtuelle Realität Kindern in belastenden Situationen helfen kann, Angst und Schmerz weniger wahrzunehmen“, sagt Dr. Thilo Fleck, Leitender Oberarzt in der Klinik für Angeborene Herzfehler und Pädiatrische Kardiologie am Universitätsklinikum Freiburg. „Die Spende von Fontanherzen e.V. ist deshalb eine wertvolle Unterstützung für unsere jungen Patient*innen und ihre Familien. Dafür sind wir sehr dankbar.“
Ablenkung als Unterstützung im Klinikalltag
Die Brille soll vor allem bei kurzen Maßnahmen helfen, etwa bei Untersuchungen, Blutabnahmen oder Verbandswechseln. Dafür bietet sie sechs altersgerechte Themenwelten: Kinder können Feen entdecken, Piraten begegnen, durch den Dschungel streifen oder in eine Unterwasserwelt eintauchen. Dabei kommt Augmented Reality zum Einsatz. Das bedeutet: Digitale Bilder werden in das Sichtfeld eingeblendet und erweitern die reale Umgebung, ohne diese jedoch komplett auszublenden. Da die Brille auf Blickrichtung und Kopfbewegung reagiert, entsteht der Eindruck, mitten in einer anderen Welt zu sein.
Thore war der erste Patient des Universitätsklinikums Freiburg, der die neue VR-Brille ausprobierte. Er lebt mit einem sogenannten Fontan-Herz, bei dem nur eine Herzkammer voll funktionsfähig ist. Nach mehreren Operationen wurde sein Blutfluss so umgeleitet, dass sauerstoffarmes Blut trotzdem in die Lunge gelangt. Der Blutfluss in die Lunge wird seit April diesen Jahres durch eine neuartige künstliche Herzpumpe unterstütz und Thore wartet jetzt auf ein neues Spenderherz. Deshalb benötigt Thore eine enge und langfristige medizinische Betreuung.
„Untersuchungen und Eingriffe sind für Thore nichts Neues. Trotzdem kosten sie ihn jedes Mal Kraft“, sagt Thores Mutter. „Wenn die VR-Brille ihm hilft, ruhiger zu sein und für einen Moment nicht mehr an die Klinik zu denken, ist das für uns als Familie sehr wertvoll."

Ein Blick in eine andere Welt: Gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder probiert Thore als erster Patient die neue VR-Brille aus.
Fontanherzen e.V. unterstützt Familien mit Erfahrung und Nähe
Fontanherzen e. V. ist die bundesweite Patientenorganisation für Menschen mit Einkammerherz und Fontan‑Kreislauf. Der Verein unterstützt rund 600 Familien mit Angeboten wie dem Herz‑Notfall‑Pass und der Fontan‑App, fördert medizinische Forschung und organisiert Austauschformate sowie wissenschaftliche Symposien. „Unser zentrales Anliegen ist es, herzkranken Kindern und ihren Familien bestmögliche Unterstützung zu geben und ihnen trotz der Belastungen schöne, stärkende Momente zu ermöglichen“, sagt Steffi Sänger, Vorsitzende des Elternvereins Fontanherzen e.V.


