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„Orthopädie bedeutet heute weit mehr als eine erfolgreiche Operation“

Chefarzt Dr. Christian Häußler erklärt, warum im Loretto-Krankenhaus eine erfolgreiche Gelenkoperation lange vor dem ersten Schnitt beginnt

Dr. Christian Häußler, Chefarzt der Orthopädischen Chirurgie im Loretto-Krankenhaus Freiburg

© Artemed Kliniken Freiburg

Wer sich heute für ein neues Hüft- oder Kniegelenk entscheidet, erwartet weit mehr als eine technisch gelungene Operation. Schnelle Mobilität, eine optimal angepasste Schmerztherapie, hohe Patientensicherheit und eine persönliche Betreuung spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle. Das Loretto-Krankenhaus Freiburg genießt seit Jahrzehnten einen über die Region hinausreichenden Ruf als orthopädisches Kompetenzzentrum. Mit hoher Spezialisierung, modernen Behandlungskonzepten und einer konsequenten Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten hat das Haus die orthopädische Versorgung der Region nachhaltig geprägt. Im Gespräch mit Region im Blick erläutert Dr. Christian Häußler, Chefarzt der Orthopädischen Chirurgie, warum Spezialisierung, Erfahrung und interdisziplinäre Zusammenarbeit die entscheidenden Erfolgsfaktoren sind – und weshalb für ihn jede Behandlung mit der Frage beginnt: „Was ist für diesen Menschen die beste Therapie?“

Herr Dr. Häußler, das Loretto-Krankenhaus steht nun seit fast vier Jahrzehnten für hochspezialisierte Orthopädie. Was macht aus Ihrer Sicht heute ein modernes orthopädisches Kompetenzzentrum aus?

Chirurgie beginnt nicht im Operationssaal, sondern mit der Frage, welche Behandlung für den einzelnen Menschen tatsächlich die beste ist. Dieser Gedanke prägt unsere Arbeit im Loretto-Krankenhaus. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, braucht es ein hohes Maß an Spezialisierung. Erkrankungen des Bewegungsapparates sind heute so komplex, dass die Spezialisierung in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen hat. Niemand kann heute noch alle Bereiche operativ auf höchstem Niveau beherrschen.

Gleichzeitig profitieren unsere Patientinnen und Patienten von der Infrastruktur unseres Hauses mit kurzen Wegen und einer sehr engen interdisziplinären Zusammenarbeit. Die meisten von uns arbeiten seit vielen Jahren sehr intensiv zusammen. Die Verbindung aus Erfahrung, entsprechender Spezialisierung und persönlicher Betreuung ist uns sehr wichtig.

Das Loretto-Krankenhaus Freiburg mit Panoramablick auf die Stadt

© Artemed Kliniken Freiburg)

Viele Patientinnen und Patienten nehmen längere Anfahrtswege in Kauf. Wodurch erklären Sie sich dieses große Vertrauen?

Dieses Vertrauen ist für uns keineswegs selbstverständlich und wir verstehen das als eine Auszeichnung und natürlich immer auch als eine Verpflichtung. Wer sich einer orthopädischen Operation unterzieht, sucht neben einem optimalen Operationsergebnis immer auch die professionelle und vertrauensvolle Betreuung.

Die Endoprothetik von Hüft- und Kniegelenken hat am Loretto-Krankenhaus eine über 35-jährige Tradition. Neben den Überweisungen unserer niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen kommen viele Patientinnen und Patienten auf persönliche Empfehlung zu uns. Wir arbeiten täglich daran, unseren hohen Standard zu halten bzw. weiter zu verbessern und unsere Erfahrung innerhalb der Abteilung weiterzugeben.

Sie sprechen die Erfahrung an. Warum ist sie so entscheidend?

Die Erfahrung einer Abteilung und jedes einzelnen Operateurs ist ein entscheidender Faktor für ein gutes Operationsergebnis.

Das bedeutet: Neben der Anzahl der durchgeführten Operationen eines Operateurs oder einer Abteilung sind auch der fachliche Austausch sowie die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung im jeweiligen Spezialgebiet entscheidend.

Je spezialisierter wir arbeiten, desto besser können Sie auch die Frage beantworten, ob eine Operation nicht noch hinausgezögert werden kann und man zunächst die zahlreichen Möglichkeiten der konservativen Therapie ausschöpfen sollte. Es arbeiten in der Region hervorragende niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, mit denen wir diesbezüglich sehr gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wenn es sinnvoll ist, können zunächst die konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft werden, bevor wir operieren.

Sie gelten neben dem erstmaligen Einsatz von künstlichen Hüft- und Kniegelenken auch als Spezialist für Wechseloperationen von Hüft- und Knieprothesen. Ist eine Wechseloperation anspruchsvoller?

Nicht immer ist die Wechseloperation zwingend anspruchsvoller, manchmal werden nur einzelne Teile eines Kunstgelenkes ausgetauscht, das kann je nach Fall für den Patienten sogar schonender sein als eine Erstimplantation.

In der Summe sind Wechseloperationen jedoch meist komplexer. Wir führen diese Eingriffe regelmäßig durch und sind hierfür sehr gut ausgerüstet.

Es gibt zahlreiche Gründe, die eine Wechseloperation notwendig machen. Dies können z.B. Lockerungen des Gelenkes, Verschleiß von Materialien, Knochenverlust, eine Infektion oder Knochenbrüche im Bereich des Gelenkes sein, um einige wichtige Gründe zu nennen. Der Wissenszuwachs in der Endoprothetik in den letzten Jahrzehnten ist sehr groß, man hat sehr viel an Erfahrung hinzugewonnen. Materialien sowie das Design der Prothesen haben sich stetig verbessert, wir nutzen diese Erkenntnisse täglich, um unseren Patientinnen und Patienten eine moderne Behandlung anbieten zu können. Wir wissen heute sehr gut, welche Strategie z. B. im Falle einer Infektion die beste ist, wie wir welche Antibiotika verwenden, welche Spezialimplantate in welcher Situation eingesetzt werden sollten. Wechseloperationen sind nicht nur technisch, sondern in allen Bereichen der Behandlung aufwendiger. Die Vorbereitung der Patientinnen und Patienten für die Operation bedarf viel Sorgfalt, hier ist meist eine Zusammenarbeit mit den Hausärzten und anderen Fachbereichen notwendig. Die pflegerische Betreuung, die Operation selbst, die Anästhesie sowie die stationäre und ambulante Nachbehandlung sind sehr aufwendig. Vor allem bedeutet dies für die Patientinnen und Patienten häufig einen langen Weg bis zur vollständigen Genesung. Wir begleiten sie dabei nach der Operation gemeinsam mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen eng und über den gesamten Behandlungsverlauf hinweg.

Welche Rolle spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit?

Eine zentrale Rolle. Im Zentrum für orthopädische Chirurgie sind die Abteilungen für Wirbelsäulenchirurgie, Fuß- und Sprunggelenkchirurgie, Schulterchirurgie, Sportorthopädie sowie eine spezialisierte Schmerztherapie unter einem Dach. Als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung bieten wir durchgehend eine Notfallversorgung an. Durch unsere enge Zusammenarbeit mit unserer Anästhesie, die eine Intensivstation mit 8 Betten betreut, unserer Abteilung für Innere Medizin und Urologie können wir unseren Patientinnen und Patienten mit entsprechenden Begleiterkrankungen ein umfassendes Behandlungskonzept anbieten. Wir haben seit Jahren eine Kooperation mit unseren Kollegen der Altersmedizin im Rahmen einer orthopädisch-geriatrischen Zusammenarbeit und können hier den Bedürfnissen unserer älteren Patienten gerecht werden.

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist die Erfahrung unserer Pflegekräfte, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie der Mitarbeitenden im Sekretariat, von denen viele über die Jahre die Endoprothetik im Hause mitgestaltet haben. Davon profitieren die Patientinnen und Patienten ebenso wie wir als Operateure.

Passend zum hochmodernen OP ist auch die orthopädische Station auf den neuesten Standard

© Artemed Kliniken Freiburg

Das Konzept der schnellen Genesung gilt als Markenzeichen Ihres Hauses. Was bedeutet das konkret?

Es handelt sich um ein ganzheitliches Behandlungskonzept. Es beginnt bereits vor der Operation mit einer intensiven Vorbereitung und Planung, setzt sich über gewebeschonende, minimalinvasive Operationstechniken, eine moderne Anästhesie und Schmerztherapie, erfahrene Pflege während des stationären Aufenthaltes sowie individuelle Physiotherapie bis zur Entlassung fort. Unser Ziel ist dabei nicht, Patientinnen und Patienten möglichst früh aus dem Krankenhaus zu entlassen, sondern sie selbstständig und mit einem guten Gefühl in den Alltag zurückzubringen.

Welche Vorteile bieten minimalinvasive Operationsverfahren?

Minimalinvasiv bedeutet in der Hüftendoprothetik gewebeschonend, somit vor allem muskelschonend und ist ein entscheidender Baustein des Konzeptes der schnellen Genesung. Wir nutzen die anatomisch vorgegebenen Muskellücken, durch die wir das Gelenk einsetzen. Wir legen am Ende der Operation keine Silikonschläuche mehr in das Gelenk, die dann nach außen abgeleitet werden. Das Anästhesieverfahren ist so schonend wie möglich und die Mobilisation erfolgt meist schon am OP-Tag. Wir haben über die Jahre unser Schmerzschema stetig weiterentwickelt, das wir für unsere Patientinnen und Patienten nach der Operation im Verlauf des Aufenthaltes den Bedürfnissen entsprechend anpassen.

Viele Patientinnen und Patienten staunen, dass sie bereits wenige Stunden nach der Operation wieder aufstehen sollen. Warum?

Weil wir heute wissen, dass eine frühzeitige Mobilisation nach der Operation ein entscheidender Faktor für die Genesung ist. Frühzeitige Mobilisation reduziert Komplikationen, wie z. B. Thrombosen und Lungenentzündungen. Gleichzeitig gewinnen die Patientinnen und Patienten früh wieder Vertrauen in ihren eigenen Körper und werden schneller selbstständig.

Viele loben auch die besondere Atmosphäre im Loretto-Krankenhaus.

Das freut mich immer wieder sehr. Ich bin überzeugt, dass allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Klima, die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten und vor allem eine gute medizinische Behandlungsqualität sehr am Herzen liegen. Schon aufgrund unserer konfessionellen Geschichte mit dem entsprechenden Leitbild ist es uns ein großes Anliegen, dass Patientinnen und Patienten sich wohl und gut betreut fühlen.

Was begeistert Sie persönlich nach all den Jahren noch immer an Ihrem Beruf?

Für mich war in der Ausbildung relativ schnell klar, dass ich orthopädischer Chirurg werden möchte, die Leidenschaft für die Endoprothetik und der Spaß am Beruf ist ungebrochen. Das Schönste an meiner Arbeit ist, neben dem operieren selbst und dem Arbeiten in einem guten Team, eine zufriedene Patientin oder ein zufriedener Patient nach einer gelungenen Operation.

Wie wird sich die Orthopädie in Zukunft entwickeln?

Die Zukunft wird in allen Lebensbereichen maßgeblich von der KI beeinflusst sein, natürlich im hohen Maße auch die Medizin. Wie schnell und in welchem Umfang sich die chirurgischen Disziplinen verändern werden, ist eine spannende Frage. Wir können von dieser rasanten Entwicklung profitieren und sollten diese nutzen. Ich bin dennoch davon überzeugt, dass chirurgische Erfahrung, persönliche Betreuung und Empathie auch künftig zentrale Elemente einer medizinischen Behandlung am Menschen bleiben werden.

Bilder: Artemed Kliniken Freiburg

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