Führung im Krankenhaus-Transformationsprozess: Insights vom DHBW Lörrach-Format „Let’s Talk Health“
Führung in Kliniken bedeutet heute mehr denn je, Orientierung zu geben, Stabilität zu schaffen und Veränderung aktiv zu gestalten – unter hohem Druck und in einem dynamischen Umfeld. Diesem Thema widmete sich die Veranstaltung „Let’s Talk Health“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Lörrach, die in Kooperation mit Zukunft Raum Schwarzwald stattfand.

sind (von l. nach r.): Prof. Dr. Johannes Schoder, Maximilian Ebrecht, Udo Lavendel und Prof. Dr. Joachim Wölle.
Prof. Dr. Joachim Wölle und Prof. Dr. Johannes Schoder, Studiengangsleiter im BWL-Studiengang Gesundheitsmanagement, hatten dafür eine hochkarätige Gesprächsrunde eingeladen: Udo Lavendel, Vorsitzender Geschäftsführer des Dreiland-Klinikums, und Maximilian Ebrecht, Geschäftsführer der Artemed Kliniken Freiburg, gaben vor rund 100 Gästen Einblicke in ihre umfangreichen Erfahrungen mit Transformationsprojekten.
In seiner Begrüßung machte Prof. Dr. Johannes Schoder deutlich, warum die beiden Referenten, die aus unterschiedlichen Führungsgenerationen stammen, prädestiniert sind, über die Erfolgsfaktoren von Transformationsprojekten in Krankenhäusern zu sprechen. Udo Lavendel ist seit Mai 2023 für die Kliniken des Landkreises Lörrach tätig, zunächst als Interim-Manager bei HC&S, seit Dezember 2024 fest angestellt. Mit über 30 Jahren Erfahrung in Führung und Beratung von Organisationen im Gesundheitswesen, unter anderem bei der Schweizer SCG St. Gallen Consulting Group, den Maltesern Rhein-Ruhr und den Kliniken Landkreis Heidenheim, bringt Lavendel umfassendes Know-how ein. Vor zwei Jahrzehnten starteten das Kreiskrankenhaus Lörrach und das katholische St. Elisabethen-Krankenhaus das Projekt „Lörracher Weg 1“, das Kooperation statt Konkurrenz zum Ziel hatte. Heute führt der „Lörracher Weg 2“ ehemals vier Klinikstandorte im entstehenden Dreiland-Klinikum zusammen – auf einem gemeinsamen Gesundheitscampus mit bedarfsgerechten Versorgungsangeboten, hoher Digitalisierung, modernen ökologischen Technologien und höchsten Standards in der Versorgungssicherheit. Das Dreiland-Klinikum gilt damit als bundesweit vielbeachtetes Modellprojekt für wohnortnahe Medizin der Zukunft.
Maximilian Ebrecht wechselte 2020 von PwC Deutschland zu den Artemed Kliniken Freiburg, kurz nachdem die Klinikgruppe die traditionsreichen Freiburger Akutkrankenhäuser St. Josefskrankenhaus und Loretto-Krankenhaus übernommen hatte. Als Co-Geschäftsführer verantwortet Ebrecht gemeinsam mit dem Konzern-Geschäftsführer Michael Kneis die operative und strategische Führung sowie die wirtschaftliche Stabilisierung der Freiburger Standorte. Heute verzeichnen die Häuser wieder steigende Patientenzahlen, und die Artemed Klinikgruppe zählt zu den am schnellsten wachsenden Klinikgruppen Deutschlands. Mit ihrem Credo „Wir machen Sie gesund – mit modernster Medizin in familiärer Atmosphäre!“ unterstreicht die Gruppe zugleich ihre lokale Verwurzelung und den hohen Anspruch an Qualität und Patientenorientierung.

Impulse aus den Vorträgen
Udo Lavendel präsentierte in seinem Impulsvortrag „Erfolgreiche Transformation beginnt mit der Verbindung von Mensch und Organisation“, warum Stabilität in Umbruchsituationen ein emotionales Leadership erfordert. Ein sinnstiftendes Leitbild, eine gelebte Kultur des Vertrauens und offene Kommunikation seien entscheidend, um Mitarbeitende in Veränderungsprozesse einzubinden. Lavendel betonte: „Culture eats strategy for breakfast.“ Peter F. Drucker hat damit auf den Punkt gebracht, dass selbst die beste Strategie nur dann wirksam wird, wenn sie von einer tragfähigen Kultur getragen wird. Gerade in Kliniken, wo hochqualifizierte Fachkräfte mit starkem professionellem Selbstverständnis arbeiten, gelingen Veränderungen über gemeinsame Werte, Vertrauen und Beteiligung – weniger über Vorgaben.
Maximilian Ebrecht zeigte in seinem Vortrag „Qualität und Wirtschaftlichkeit – Wie der Wechsel vom kirchlichen zum privaten Träger gelingen kann“, dass die größte Gefahr in Zeiten des Wandels das Festhalten an der Vergangenheit ist. Klare Ziele, Qualitätssicherung und effiziente Abläufe seien untrennbar miteinander verbunden: Hohe medizinische Qualität steigert den Behandlungserfolg, reduziert Komplikationen, verkürzt Liegezeiten und entlastet Mitarbeitende. So wird Qualität zugleich zur Grundlage wirtschaftlicher Stabilität. Ebrecht unterstrich dies mit einem Zitat von Simon Sinek: „Menschen geben ihr Bestes nicht für Geld oder Befehle. Sie geben ihr Bestes, wenn sie sich sicher fühlen und ihrem Arbeitgeber vertrauen.“
Benchmarking als Erfolgsfaktor
Ob kommunaler Träger wie das Dreiland-Klinikum oder private Trägerschaft wie bei Artemed: Beide Kliniken stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Dazu gehören wirtschaftliche Sanierung, Qualitätsmanagement, kulturelle Integration und kontinuierliche bauliche Entwicklungen – auch ohne Großprojekte wie den Neubau des Dreiland-Klinikums. Benchmarking spielt dabei eine zentrale Rolle: Während das Dreiland-Klinikum vom CLINOTEL-Krankenhausverbund profitiert und strukturierte Vergleichswerte erhält, nutzt Artemed die interne Vernetzung von 19 Standorten, um Synergiepotenziale auszuschöpfen.
Podiumsdiskussion und Take-Home-Messages
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die unterschiedlichen Perspektiven der beiden Führungskräfte-Generationen deutlich. Es zeigte sich, dass Transformation nicht nur Strategie, sondern vor allem ein Kulturprozess ist. Prof. Dr. Joachim Wölle fasste die zentralen Erkenntnisse für die Teilnehmenden zusammen: Mitarbeitende benötigen ein Gefühl von Heimat beim Arbeitgeber, Transparenz und offene Kommunikation schaffen Vertrauen, und Führungskräfte müssen in Veränderungsprozessen präsent und emotional unterstützend sein. Change sei weniger Bedrohung als Chance – eine Chance, die Organisationen zukunftsfähig und resilient macht.
Fazit
Die Veranstaltung „Let’s Talk Health“ machte eindrucksvoll deutlich, dass erfolgreiche Führung in Kliniken heute weit über strategische Planung hinausgeht. Sie erfordert emotionale Intelligenz, Vertrauen, klare Visionen und die Fähigkeit, Kultur aktiv zu gestalten. Für die Gäste der DHBW Lörrach boten die Impulse von Udo Lavendel und Maximilian Ebrecht nicht nur Einblicke in praktische Transformationsprojekte, sondern auch wertvolle Orientierung für die Führung von Organisationen in Zeiten ständigen Wandels.


