Dreiland-Klinikum baut demenzsensible Versorgung aus:
19 Mitarbeitende erhalten Diplome in Gegenwart von Königin Silvia von Schweden
19 Mitarbeitende der Kliniken des Landkreises Lörrach haben ihre Ausbildung zu Silviahemmet Trainerinnen und Trainern erfolgreich abgeschlossen.

Auf dem Foto zu sehen sind im Vordergrund (von links): Ulrika Granér, Geschäftsführerin Stiftelsen Silviahemmet, Dr. Ursula Sottong, Repräsentantin Stiftelsen Silviahemmet in Deutschland, I.M. Königin Silvia von Schweden, Udo Lavendel, Vorsitzender Geschäftsführer Dreiland-Klinikum und Andreas Jönsson, Stiftelsen Silviahemmet/Internationale Arbeit. Dahinter die 19 Silviahemmet Trainerinnen und Trainer aus dem Dreiland-Klinikum.
Nach insgesamt 135 Ausbildungsstunden über vier intensive Wochen erhielten sie ihre Diplome in Stockholm – in Gegenwart von I.M. Königin Silvia von Schweden. Mit der Qualifizierung geht das zukünftige Dreiland-Klinikum einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer demenzsensiblen Versorgung.
Die Teilnehmenden aus Medizin, Pflege und Therapie haben sich während der Weiterbildung intensiv mit den besonderen Anforderungen bei der Versorgung von Menschen mit Demenz auseinandergesetzt. Zu den Inhalten gehörten unter anderem Diagnostik und Symptomkontrolle, Kommunikation, die Einbindung von Angehörigen sowie die berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit.
Im Mittelpunkt steht dabei ein personenzentrierter Ansatz: Nicht der Mensch mit Demenz soll sich möglichst gut an die Strukturen eines Krankenhauses anpassen müssen. Vielmehr sollen Strukturen, Prozesse und Mitarbeitende darauf vorbereitet sein, auf seine besonderen Bedürfnisse einzugehen.
„Menschen mit Demenz kommen meist nicht wegen ihrer Demenz zu uns, sondern aufgrund einer akuten oder chronischen Erkrankung“, erläutert Dr. Klaus Steinmeyer Bauer, Klinischer Geschäftsführer des Dreiland-Klinikums. „Die fremde Umgebung, ungewohnte Abläufe und der Verlust vertrauter Bezugspunkte können dann zu einer zusätzlichen Belastung werden. Um den Menschen in seiner gesamten Situation wahrzunehmen, brauchen wir medizinisches Wissen ebenso wie Verständnis, Empathie und demenzsensible Strukturen.“
Aus 19 werden viele
Mit dem Abschluss der Ausbildung beginnt deshalb der entscheidende Teil des Projekts. Als Trainerinnen und Trainer werden die Mitarbeitenden ihr Wissen künftig berufsgruppenübergreifend weitergeben. Auf diese Weise soll demenzsensible Kompetenz Schritt für Schritt in die klinischen Teams und den Klinikalltag getragen werden.
„Hinter jedem einzelnen Diplom stehen viel Engagement, zusätzliche Zeit, fachliche Neugier und vor allem die Bereitschaft, Verantwortung für eine demenzsensible Versorgung zu übernehmen“, sagt Pflegedirektorin Dubravka Kavur. „Jetzt beginnt für mich der besonders spannende Teil: unsere neuen Silviahemmet Trainerinnen und Trainer dabei zu begleiten, wie aus dem erworbenen Wissen gelebte Praxis wird und sie ihre Kompetenz und Haltung in unsere Teams weitertragen.“
Demenzsensibilität zeigt sich dabei in vielen Situationen des Krankenhausalltags: in der Art der Kommunikation, in der Gestaltung von Räumen und Abläufen, in der Einbindung von Angehörigen und auch darin, Verhaltensweisen nicht vorschnell als Problem zu betrachten, sondern beispielsweise als möglichen Ausdruck von Angst, Unsicherheit oder Orientierungsstörung zu verstehen.
Ein Herzensanliegen von Königin Silvia
Das Silviahemmet-Konzept geht auf Königin Silvia von Schweden zurück. Aus persönlichen Erfahrungen mit der Demenzerkrankung ihrer Mutter gründete sie 1996 die Stiftung Stiftelsen Silviahemmet. Ziel ist es, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen durch Wissen, eine personenzentrierte Haltung und entsprechend qualifizierte Mitarbeitende zu verbessern.
Begleitet wurden die Lörracher Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Dr. Ursula Sottong, Repräsentantin von Stiftelsen Silviahemmet in Deutschland. Sie vermittelte den Ansatz während des Zertifizierungsprogramms fachlich fundiert und praxisnah und unterstützte die Mitarbeitenden dabei, das Konzept auf die Anforderungen des Krankenhausalltags zu übertragen.
„Mein herzlicher Dank gilt Dr. Ursula Sottong, die unsere Kolleginnen und Kollegen mit großer Kompetenz und Leidenschaft auf diesem Weg begleitet hat“, sagt der Vorsitzende Geschäftsführer Udo Lavendel. „Besonders beeindruckt hat mich auch die Begegnung mit Königin Silvia: ihre Herzlichkeit, ihre Präsenz und die Energie, mit der sie für dieses persönliche Herzensanliegen eintritt.“
Versorgung im neuen Dreiland-Klinikum weiterdenken
Die Qualifizierung ist Teil der Vorbereitung auf das zukünftige Dreiland-Klinikum. Mit dem Zusammenzug der bisherigen Klinikstandorte soll sich nicht nur der Ort der Versorgung verändern. Die Kliniken nutzen den Neubau auch, um Strukturen, Prozesse, Zusammenarbeit und Versorgungskonzepte weiterzuentwickeln.
Die demenzsensible Versorgung soll dabei nicht Aufgabe einzelner Stationen oder Berufsgruppen sein. Das Wissen der Trainerinnen und Trainer soll vielmehr dazu beitragen, eine gemeinsame Haltung im Umgang mit Menschen mit Demenz zu entwickeln und diese im Klinikalltag zu verankern
Für Udo Lavendel steht die Qualifizierung deshalb exemplarisch für den Anspruch des neuen Klinikums: „Mit dem Dreiland-Klinikum haben wir die Chance, nicht nur ein neues Krankenhaus zu bauen, sondern Versorgung neu zu denken. Die Qualität eines Krankenhauses zeigt sich nicht allein daran, was medizinisch möglich ist. Sie zeigt sich auch darin, wie wir Menschen begleiten, die besonders auf unsere Empathie und unser Verständnis angewiesen sind.“
Die Diplomübergabe in Stockholm markiert damit nicht den Abschluss, sondern den Beginn der nächsten Phase. Das erworbene Wissen soll nun in Lörrach weitergegeben und im zukünftigen Dreiland-Klinikum in die Praxis übersetzt werden.
„Ein demenzsensibles Krankenhaus entsteht nicht durch ein Zertifikat. Es entsteht durch Menschen, die diese Haltung jeden Tag leben“, betont Lavendel.


