Südbaden im Wandel:
Perspektiven, Impulse und Orientierung für den regionalen Arbeitsmarkt – Quo vadis?
Freiburg - Die Vereinigung Badischer Unternehmen und Verbände e.V. blickt auf ein lebendiges und wegweisendes Podiumsgespräch zurück, das am 26. November 2025 im Zeichen der zentralen Zukunftsfrage des regionalen Arbeitsmarkts stand.
Publikum / Teilnehmer Podiumsgespräch im Hotel Stadt Freiburg
Unter dem Leitmotiv „Arbeitsmarkt Südbaden – Quo vadis?“ kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammen, um den Blick zu schärfen für jene Entwicklungen, die die Region prägen und herausfordern.
Zu Beginn hieß Nina Hartmann, Präsidentin der Vereinigung, die Gäste im Hotel Stadt Freiburg willkommen und verlieh ihrer Wertschätzung für die große Resonanz Ausdruck. Mit klaren Worten beschrieb sie die Spannungslage, in der sich der Arbeitsmarkt befindet, und rückte insbesondere die mittelständischen Betriebe ins Licht, die täglich zwischen Verantwortung, Erwartungen und wirtschaftlichen Zumutungen balancieren. Sie betonte die Bedeutung einer politischen Führung, die Orientierung schafft, Chancen erkennt und in Europa einen Partner zur Stärkung des Mittelstands sieht. Mit Blick auf die mehr als 6.000 kleinen und mittleren Unternehmen sowie die 17.000 landwirtschaftlichen Familienbetriebe, die die Vereinigung repräsentiert, unterstrich sie die gemeinsame Verantwortung, Anliegen gebündelt und kraftvoll in die politischen Entscheidungsräume zu tragen.
Nina Hartmann (Präsidentin Vereinigung Badischer Unternehmen und Verbände e.V.)
Den thematischen Auftakt setzten die Kurzvorträge von Marco Baier, geschäftsführender Gesellschafter von LIMBERGER + DILGER, Alexander Merk, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Freiburg, und Dr. Kirsten Moser, Geschäftsführerin des Colombi Hotel und des Hotel Stadt Freiburg. Sie beleuchteten die Lage des regionalen Arbeitsmarkts aus unternehmerischer, arbeitsmarktpolitischer und gastgewerblicher Perspektive und spannten damit einen facettenreichen Rahmen für die anschließende Diskussion.
In ebenso ruhiger wie prägnanter Weise lenkte Moderator Bernd Kramer aus der Wirtschaftsredaktion der Badischen Zeitung das Gespräch, setzte klare Akzente und führte das Podium sicher durch zentrale wirtschaftliche Fragestellungen, die die Region bewegen.
Das Podium, auf dem neben den Referenten auch Nadyne Saint-Cast, MdL vertreten war, widmete sich einer Reihe drängender Fragen. Die Runde setzte sich mit der Dynamik von Betriebs- und Unternehmensschließungen, Investitionszurückhaltung und den Folgen struktureller Veränderungen auseinander. Die Region Freiburg, deren Wirtschaft stärker vom Dienstleistungssektor geprägt ist als andere Teile Baden-Württembergs, wurde dabei sowohl als stabilisierend als auch als verletzlich beschrieben – insbesondere dann, wenn industrielle Kaufkraft verloren geht und regionale Wirtschaftskreisläufe ins Wanken geraten.
Die Diskussion griff zudem die Frage nach der Qualität neu entstehender Arbeitsplätze auf und richtete den Blick auf die Rolle des öffentlichen Dienstes, dessen Wachstum an Grenzen stößt. Ebenso wurden internationale Einflussfaktoren, politische Versäumnisse der vergangenen Jahre und der Reformbedarf in zentralen Bereichen wie Einwanderung, Sozialversicherung und Steuern erörtert. Die Erwartung an eine neue Entschlossenheit in der Politik, ein „Herbst der Reformen“, schwang dabei spürbar mit.
Ein weiteres Augenmerk galt der aktuellen Lage in Südbaden: offenen Stellen, der Vermittlungsleistung der Arbeitsagentur und der Frage, welche Eigenschaften Arbeitgeber heute mitbringen müssen, um junge Menschen für sich zu gewinnen. Die Einschätzung der Leistungsbereitschaft der Jugend sowie die Rolle von Unternehmerinnen und Unternehmern in der gesellschaftlichen Wahrnehmung rundeten das breite Spektrum des Abends ab.
Podiumsteilnehmer: v.l.n.r. Marco Baier (Geschäftsführender Gesellschafter LIMBERGER + DILGER GmbH), Nadyne Saint-Cast MdL (Bündnis 90 / Die Grünen), Bernd Kramer (Badische Zeitung Wirtschaftsredaktion), Kirsten Moser (Geschäftsführerin Colombi Hotel und Hotel Stadt Freiburg), Alexander Merk (Vorsitzender der Geschäftsführung Agentur für Arbeit Freiburg)
Zum Abschluss des Abends fasste Michael Hafner, Hauptgeschäftsführer der VBU, die aktuelle Stimmung pointiert zusammen. Er ermutigte die Unternehmen, ihren Weg entschlossen weiterzugehen, verband dies jedoch mit einem deutlichen Appell an die Politik. Der vielbeschworene „Herbst der Reformen“ sei bisher lediglich ein Versprechen geblieben. Es brauche endlich konkretes Handeln, um der Wirtschaft den notwendigen Spielraum zu verschaffen. Denn ohne Reformen drohe ein ungebremster Aufprall.
Der Abend fand seinen Ausklang bei einem Imbiss, der Raum für neue Kontakte, anregende Gespräche und vertiefende Gedanken bot. Ein lebendiger Abschluss eines inhaltlich dichten und richtungsweisenden Forums für die Zukunft des Arbeitsmarkts in Südbaden.