Stephanie Beyrich: „Ich brenne für meine Themen“
10 Jahre TEDxFreiburg am Samstag, 28. März 2026 im Konzerthaus. Hier finden sich herausragende Ideen auf einer Bühne mit Live-Rednern aus den verschiedensten Bereichen und erstaunliche Performances in deutscher und englischer Sprache.

Stephanie Beyrich: „Ich brenne für meine Themen“
Ob ADHS bei Frauen, Secret Handshakes oder „Was dein Gegenüber in einer Krise wirklich braucht“ – der Tag verspricht eine Fülle an Spaß, Unterhaltung, Informationen und Vielfalt.
„Region im Blick“ hat mit einigen Speakern im Vorfeld gesprochen und natürlich gibt es auch ein Exklusivinterview zum 10. Geburtstag. Den Auftakt unserer Interviews macht heute Stephanie Beyrich mit ihrem Thema „KI: Nackt im Dunkeln“
Stephanie Beyrich: „Ich brenne für meine Themen“
Stephanie Beyrich wird von ihrer Community liebevoll „Orkan der Rechtspflege“ genannt. Wikimedia Deutschland hat ihr den Ehrentitel „Monster of Law“ verliehen. Sie ist Rechtsanwältin, Autorin und Moderatorin. Seit über fünf Jahren ist sie Podcasterin und Host verschiedener Formate wie „Jura & Trash“, „ALL EYES ON“ und „(R)ECHT INTERESSANT!“. Stephanie Beyrich engagiert sich für Rechtsstaat und Demokratie und liebt das Grundgesetz. Als Mentorin unterstützt sie auf dem Weg durch das Jurastudium, das Referendariat und beim Start ins Berufsleben. Sie steht für Authentizität und Offenheit und brennt für den Anwaltsberuf.

Nordkap
Das Motorrad sorgt für entspannenden Ausgleich
Die agile Speakerin steht bei TEDx Freiburg auf der Bühne und darauf darf man sich auf jeden Fall freuen. Im Interview erklärt Stephanie Beyrich, dass viele ihrer Projekte für sie so wichtig seien, dass diese entsprechend Raum in ihrer Freizeit bekommen. „Ich arbeite ergebnisorientiert“, was bei der Vielfalt an Ideen und Projekten sicher unumgänglich ist, denn ihr Tag hat auch nur 24 Stunden. Die Frage, wie sie sich die notwenigen Auszeiten nimmt, lässt Stephanie Beyrich lachen. „Als Spätzünderin habe ich mir vor drei Jahren selbst einen Motorradführerschein nebst kleiner BMW geschenkt.“ Damit unternimmt sie – wenn möglich – jährlich eine dreiwöchige Reise. Die letzten Touren führten sie ans Nordkap und auf die Lofoten oder durch acht Länder bis nach Slowenien. Das Zelt hat sie dabei hinten auf ihre „Black Betty“ geschnallt. „Helm auf, Musik an und schon ist die Welt für mich ganz entspannt“, beschreibt sie ihren Ausgleich zum vielfältigen Alltag.
KI und Deep Fakes
Bei TEDx Freiburg knöpft sich Stephanie Beyrich ein brandaktuelles Thema vor: KI und Deep Fakes. Deep Fakes sind täuschend realistische Darstellungen, die jedoch KI-generiert sind. Und das betrifft nicht mehr nur Berühmtheiten oder Politiker. Das perfide: durch die Fortschritte der KI kann aus wenigen Aufnahmen – Fotos, Videos oder auch nur kurze Sprachnachrichten – ein täuschend echter KI-Klon werden. In ihrem Talk zeigt sie auf: Wir stehen mit dem rasenden technologischen Fortschritt zwischen menschlicher Kontrolle und künstlicher Intelligenz. Jetzt zeigt sich, wohin wir als Gesellschaft eigentlich wollen: Was können wir gewinnen, was können wir aber auch verlieren?

Stephanie Beyrich
Was bedeutet es für sie als Speakerin allgemein zu wirken, zu arbeiten?
„Eine Chance – und Verantwortung! Als Speakerin kann ich mir persönlich wichtige Botschaften an ein Publikum senden, das bereit ist zuzuhören. Ich zeige neue Perspektiven, gebe Impulse, richte den Spot auf Themen, bei denen ich etwas bewegen möchte. Gerade in gesamtgesellschaftlich angespannten Zeiten wie diesen spüre ich dabei sehr deutlich: Ich habe eine Verantwortung, der ich gerecht werden möchte. Verantwortung für unsere Demokratie, den Rechtsstaat und unser Zusammenleben. Gerade als Anwältin bin ich mir dieser Verantwortung sehr bewusst.“
Wie ziehen Sie Ihr Publikum in den Bann? Welche Mittel nutzen Sie dabei?
„Ich weiß nicht, ob ich mein Publikum wirklich in den Bann ziehe. Tricks? Keine. Keine Mittel, keine Strategie. Ich brenne einfach für meine Themen – und hoffe, dass der Funke überspringt. Begeisterung steckt an. Das ist meine einzige „Waffe“.“
Was versprechen Sie sich von Ihrem Auftritt in Freiburg zum 10-Jährigen?
„Ausgerechnet zum 10-jährigen sprechen zu dürfen, ist eine große Ehre. Ich hoffe, dass die Veranstaltung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wird und auf breites Interesse stößt. Nicht meinetwegen, sondern weil ich mir wünsche, dass viele Menschen über mein Thema nachdenken. Hier sehe ich wieder: Chance und Verantwortung.“

Nordkap
Was bedeutet für Sie persönlich „Kontrollverlust“ und tun Sie etwas dagegen?
„Jeder wünscht sich Kontrolle über das, was ihm wichtig ist. Alles im Griff haben, bestimmen, wann was passiert. Aber das ist unmöglich – manches liegt einfach nicht in unserer Hand. Anderes allerdings schon! Das Wort „Verlust“ finde ich daher etwas irreführend: Oft verlieren wir im ersten Schritt gar nicht die Kontrolle, sondern geben sie freiwillig auf. Und dann erschrecken wir über die Folgen dieses Verzichts. Was hilft: Bewusstsein schaffen. Wer informiert entscheidet und Konsequenzen kennt, „verliert“ seltener die Kontrolle. Bei eigenen Daten zum Beispiel. Awareness entwickeln. Dann kann ich aktiv entscheiden und wer aktiv entscheidet, verliert nicht die Kontrolle.“
Und persönlich, was ist Ihr Lebensmotto?
„Ein einziges Motto? Ich habe Lebensabschnitts-Mottos. Das Leben und die Welt verändern sich ständig, genau wie ich. Aber ein Satz bleibt: „Einfach machen!“ Den gebe ich häufig auch meinen Mentees mit auf den Weg. Nicht alles zerdenken, nicht alles in Frage stellen, nicht immer zweifeln. Einfach loslegen.“


