Nachrichten aus Frauenpower - Starke Frauen braucht das Land

Starke Frauen der Region – im Interview mit Jessica Prelle Geschäftsstellenleiterin beim SC Sand 1946 e.V

Der Frauenfußball – spätestens nachdem unsere Fußballerinnen der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft begeisterten, ist er populärer denn je. Auch hierzulande schwappt eine Welle der Begeisterung übers Land und dennoch ist die Zukunft des Frauenfußballs noch ungewiss.

Jessica Prelle Geschäftsstellenleiterin beim SC Sand 1946 e.V

Oft belächelt, hat Frauenfußball zwar in Qualität und Perfomance aufgeholt und die Sichtbarkeit ist enorm gestiegen. Aber außerhalb der Turniere in den Medien voranzukommen, gestaltet sich für sie schwierig, hier dominiert der Männerfußball. Unterm Strich müssen Frauen im Fußball immer noch viel härter um Anerkennung kämpfen. Das Interesse in der Gesellschaft ist da und viele Fans vertreten die Ansicht, dass der Frauenfußball es verdient, stärker gefördert zu werden und dass zudem bei den nationalen und regionalen Fußballverbänden noch Verbesserungspotenziale zur Förderung der Ausgewogenheit bestehen. Verbände und Vereine müssen versuchen diese neu gewonnene Popularität zu nutzen. Haupttriebfeder des Frauenfußballs sind hier die Vereine, und die brauchen ganz dringend Hilfe. In Frankreich und England wird der Frauenfußball schon lange nicht mehr Stiefkindlich behandelt. Längst werden dort die Spiele der Frauenfußball – Liga auf Pay-TV und öffentlich – rechtlichen Sendern ausgestrahlt. Wie man sieht, geht der Wandel erstaunlicherweise nicht von dem etablierten Frauenfußball – Ländern wie etwa Deutschland und Norwegen aus. In England, Frankreich und Spanien ist man hier entscheidend weiter. Fakt ist Frauen auf und neben dem Platz dringen mehr denn je ins Blickfeld der Öffentlichkeit vor und lösen z.B. Diskussionen über die Umsetzung von Führungsansprüchen aus, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären. Findet hier ein Umdenken statt?

Wie uns die aktuelle Europameisterschaft der Frauen gezeigt hat – alles ist möglich. Frauen und Fußball – diese beiden Dinge gehören absolut zusammen, auch wenn es immer noch Menschen gibt, die gegenteiliges behaupten, der Erfolg kann sich schließlich sehen lassen.

Region im Blick wollte mehr über den Frauenfußball erfahren und fragte bei Jessica Prelle, der Geschäftsstellenleiterin beim SC Sand nach.

Jessica Prelle hat schon viel erreicht – in unserer Rubrik "Starke Frauen der Region" stellt sie sich den Fragen über Sponsor Interesse, Herausforderungen und Entwicklungen im Frauenfußball.

Jessica Prelle mit Spielerinnen auf Ersatzbank

Wie sind Sie eigentlich zum Fußball gekommen? Was waren Ihre bisherigen Stationen, bis Sie zum SC Sand gekommen sind? Was hat Sie bewogen, zum SSC Sand zu wechseln?

Jessica Prelle: Ich habe bereits in früher Kindheit angefangen, Fußball zu spielen und bin immer wieder dabei gelandet. Als ich 2005 nach Dubai auswanderte, wurde ich mehr und mehr involviert, war zunächst Kapitänin, im Liga Komitee etc. bis ich merkte, hier fehlt etwas und ich kann was aufbauen. Da habe ich dann von null auf angefangen ein Konzept für Mädchen und Frauen Fußball auf die Beine zu stellen und bekam dann eines Tages den Anruf, ob ich nicht Hobby zum Beruf machen wolle und habe, dann in Dubai für eine der größten Akademien gearbeitet sowie zusammen mit der Fédération.

Nach 15 Jahren im Ausland zog es mich 2020 dann wieder Richtung Heimat. Sand ist genau mein Ding. Ein Märchen, wenig Mittel aber tolle Leute, die engagiert sind und aus den richtigen Beweggründen was erreichen wollen. Nach dem aufregenden Umzug mitten in der Pandemie sowie Quarantäne in Hannover bin ich dann die 550km runter nach Sand gefahren und es hat sofort mit dem damaligen Vorstand gepasst.

Der Fußball in Deutschland ist nach wie vor sehr männerdominiert, wie sehen Sie hier die Entwicklung des Frauenfußballs in den letzten Jahren in den Medien und Gremien?

Jessica Prelle: Ich denke da ist noch viel Luft nach oben, jedoch hat man eine Chance, wenn wir den Hype von der EM mitnehmen können.

Anstoßzeiten und Übertragungen müssen dringend überdacht werden und für den Zuschauer attraktiver werden.

Welchen Herausforderungen müssen sich Frauen speziell im Fußball-Business stellen?

Jessica Prelle: Die größte Herausforderung ist das ständige Planen für die ‚Karriere danach‘. Spielerinnen stehen oft unter Doppelbelastung mit Studium oder Nebenjobs. Dann natürlich auch die ständigen Kommentare, vor allem in sozialen Medien, der ewig hinkende Vergleich zum ‚Männerfußball‘ etc.

Inwieweit hat sich aus ihrer Sicht der Vereinsfußball im Frauenbereich in den letzten Jahren verändert?

Jessica Prelle: Der Vereinsfußball ist leider im Mädchenbereich zurück gegangen. Ich denke hier haben 2 Jahre Pandemie nicht geholfen, auch generell im Vereinsleben, egal welches Geschlecht oder Alter.

Wie ist das Sponsoreninteresse im Frauenfußball?

Jessica Prelle: Wir haben Glück ein paar tolle Unterstützer und Partner in Sand zu haben, ohne die wir sicher schon lange nicht mehr konkurrenzfähig wären.

Ich glaube jedoch auch immer noch fest daran, dass gerade in Zeiten mit großen Themen wie soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit etc. hier noch ein Riesenpotential für Unternehmen besteht sich mit diesen Werten für vergleichsweise wenig Investition durch den Frauenfußball zu verbinden.

Was kann aus Ihrer Sicht getan werden, um den Frauenfußball noch attraktiver und populärer zu machen?

Jessica Prelle: Es geht eigentlich immer um Sichtbarkeit. Wie man bei der EM sehen konnte, braucht es manchmal nur ein gutes Spiel, zur richtigen Uhrzeit auf dem richtigen Kanal ausgestrahlt und schon kommt das Ding ins Rollen. Deutschland gegen Dänemark auf einem Freitagabend, öffentlich zu sehen und dann gibt’s noch eine großartige Leistung – das bringt Leute zurück vor den Fernseher und der eine oder andere revidiert vielleicht sogar seine Meinung vom Fußball der Frauen!  Gerade in unserem Fall finde ich es schade, dass die Spiele der 2. Bundesliga nicht im TV gezeigt werden.

Wie unterscheidet sich ihre Arbeit hier beim Frauen-Bundesligisten SC Sand im Vergleich zu Dubai?

Jessica Prelle: In Dubai war meine Arbeit mehr Aufbau, Arbeit von null an, an der Basis. Programme und Ligen Systeme kreieren aber auch Vorurteile bekämpfen und Mädchen sowie Frauen ein sicheres Umfeld zu bieten, um sich an den Fußball zu trauen. Beim SC Sand geht es natürlich um professionellen Fußball. Da ist ein verlorenes Spiel natürlich was ganz anderes als in meiner vorherigen Situation. Hier hängen plötzlich Arbeitsstellen dran, es geht um Gelder und noch so viel mehr drum herum. Hier versuchen wir professionelle Strukturen umzusetzen, beizubehalten und verbessern, um weiterhin bzw. wieder erstklassigen Fußball spielen zu können.

Was genau sind ihre Aufgaben beim SC Sand?

Jessica Prelle: Eigentlich alles, was nicht direkt auf dem Platz passiert! Ich arbeite eng mit dem DFB zusammen, bin dort auch im Liga-Ausschuss dabei. Bei mir geht alles von Spielberechtigungen bis hin zur Reiseorganisation, Trikotauswahl, aber auch die Organisation unserer anderen Mannschaften über den Tisch.

Erzählen Sie uns über ihre Spendenkampagne. Wie wichtig ist diese Flutlichtanlage für den SC Sand?

Jessica Prelle: Um wieder aufzusteigen brauchen wir in Sand ein fernsehtaugliches Flutlicht. Diese Kosten für uns als kleinen Verein zu stemmen ist fast unmöglich, daher sind wir auf Unterstützung von Sponsoren, Firmen und auch den Fans angewiesen. In Sand lief schon immer alles ein wenig anders – wir haben ein ganz besonderes Verhältnis zu unseren Unterstützern und Förderern und so kann jeder ein wichtiger Teil der sportlichen Zukunft in Sand sein!

Wie sehen Sie die Chancen für den SC Sand in der kommenden Saison?

Jessica Prelle: Wir haben eine fast komplett neue Mannschaft, die sich bereits toll zusammengefunden hat und beeindruckend zusammen mit dem Trainerteam arbeitet. Wir sind noch ganz am Anfang der Vorbereitung und es sollen noch 1-2 Spielerinnen verpflichtet werden, um sportlich oben mitzuspielen.

Daniela Hiebel im Gespräch mit Jessica Prelle Bilder : Jessica Prelle/ SC Sand

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