Gemeinsam tragen, was niemand allein tragen sollte
Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst im Landkreis Emmendingen begleitet Familien mit Herz, Zeit und Menschlichkeit.

Judith Booker, Leiterin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes der Malteser im Landkreis Emmendingen
Es gibt Gespräche, die lange im Gedächtnis bleiben. Nicht wegen lauter Worte oder spektakulärer Geschichten, sondern weil sie uns daran erinnern, was Menschen füreinander sein können: Halt, Hoffnung und ein Stück Sicherheit in Zeiten, in denen das eigene Leben völlig aus den Fugen gerät.
Judith Booker, Leiterin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes der Malteser im Landkreis Emmendingen, spricht in unserer Podcast-Reihe „Region im Blick on Tour – Wir geben der Region eine Bühne“ über Schicksale, die viele von uns kaum ertragen könnten. Sie erzählt von Familien, deren Alltag von Krankenhausaufenthalten, Diagnosen und ständiger Unsicherheit geprägt ist. Von Eltern, die unermüdlich um das Wohl ihrer Kinder kämpfen. Und von Geschwistern, die lernen müssen, mit einer Situation umzugehen, die selbst Erwachsene an ihre Grenzen bringt.
Und dennoch schimmert in ihren Erzählungen immer wieder ein Gefühl durch: Hoffnung.
„Wir begleiten nicht nur das Sterben“, sagt Judith Booker. „Vor allem begleiten wir das Leben.“
Das Leben stützen, wenn alles anders wird
Dieser Satz beschreibt die Arbeit des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes wohl am besten. Obwohl viele Menschen mit dem Wort „Hospiz“ vor allem Abschied und Tod verbinden, geht es hier in erster Linie darum, Familien im Hier und Jetzt zu stärken.
Die Diagnose einer schweren oder lebensverkürzenden Erkrankung verändert von einer Sekunde auf die andere alles. Zukunftspläne zerplatzen; der Alltag dreht sich plötzlich nur noch um Arzttermine, Therapien und die ständige Sorge. Was Außenstehende oft nicht sehen: Neben der immensen emotionalen und medizinischen Belastung kommen häufig finanzielle Sorgen, bürokratische Hürden und pure Erschöpfung hinzu. Es bleibt kaum Zeit zum Durchatmen.
Genau hier setzt die Hilfe des Hospizdienstes an und das bereits ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung, oft über viele Jahre hinweg:
Entlastung im Alltag: Ehrenamtliche besuchen die Familien regelmäßig und schenken das Wertvollste, was sie haben: Zeit. Sie spielen mit den kranken Kindern oder unternehmen gezielt etwas mit den Geschwisterkindern, die im Alltag oft zurückstecken müssen und haben ein offenes Oh. Eltern bekommen einen geschützten Raum für Gespräche, praktische Unterstützung bei Anträgen oder einfach das tröstliche Gefühl, nicht mehr allein zu sein.
Manchmal bedeutet diese Hilfe „nur“ einen freien Nachmittag für die Eltern. Und manchmal bedeutet genau das die Welt.
Die beeindruckende Kraft der Kinder
Besonders bewegt Judith Booker die Resilienz der Kinder und Jugendlichen, denen sie begegnet. Kinder, die Monate ihres Lebens in Kliniken verbringen, die Schmerzen und Ängste aushalten müssen und die trotzdem lachen und sich an den kleinen Momenten erfreuen. "Ihre Kraft beeindruckt mich immer wieder“, erzählt sie.
Diese Begegnungen zeigen, dass Lebensqualität nicht allein von Gesundheit abhängt. Sie entsteht durch Nähe, Gemeinschaft und durch Menschen, die an der eigenen Seite stehen. Es ist der Geburtstag, der trotz schwerer Erkrankung auf der Kinderstation gefeiert wird. Es ist der Ausflug, den eine Familie gemeinsam genießt, obwohl die Zukunft ungewiss ist, oder das Geschwisterkind, das für ein paar Stunden einfach wieder unbeschwert Kind sein darf.
Es sind Momente, die klein wirken und doch von unschätzbarem Wert sind.

Das Herzstück: Menschen schenken Zeit
Die tragende Säule des Kinder- und Jugendhospizdienstes sind die Ehrenamtlichen. Es sind Menschen aus unterschiedlichsten Berufen und Lebensphasen, die sich bewusst dafür entschieden haben, einen Teil ihrer Freizeit zu schenken. Sie bauen über Monate oder Jahre hinweg tiefes Vertrauen auf und werden oft zu engen Bezugspersonen für die Familien.
„Man braucht kein bestimmtes Berufsbild“, erklärt Judith Booker. „Aber man braucht ein offenes Herz.“
Auf diese anspruchsvolle Aufgabe werden die Ehrenamtlichen intensiv vorbereitet. Denn die Begleitung erfordert viel Einfühlungsvermögen, Verlässlichkeit und die innere Stärke, Menschen in ihren schwersten Stunden beizustehen. Was sie dafür zurückbekommen? Für Judith Booker ist die Antwort eindeutig: tiefe menschliche Nähe, ehrliche Dankbarkeit und die Erfahrung, im Leben eines anderen Menschen einen echten Unterschied zu machen.
Niemand sollte diesen Weg alleine gehen
Noch immer wissen viele betroffene Familien gar nicht, dass es diese kostenfreie Unterstützung gibt. Deshalb engagiert sich Judith Booker unermüdlich dafür, den Dienst im Landkreis bekannter zu machen. Ihr Wunsch ist so einfach wie bedeutend: Jede betroffene Familie in der Region soll wissen, dass sie nicht allein ist.
Da sich der Dienst zu einem großen Teil durch Spenden finanziert, ist die Arbeit auf die Unterstützung der Region angewiesen, sei es durch Spenden von Unternehmen und Privatleuten oder durch neue Ehrenamtliche, die sich einbringen möchten. Mitmenschlichkeit ist schließlich eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft.
Am Ende des Gesprächs bleibt vor allem ein Gedanke im Raum stehen. In einer Welt, die oft laut, hektisch und distanziert wirkt, zeigt die Hospizarbeit, wie viel Kraft im Füreinander liegt. Oder wie Judith Booker es für die betroffenen Familien formuliert:
„Ihr seid nicht allein.“
Es sind nur vier einfache Worte. Doch für die Familien bedeuten sie weit mehr als Trost. Sie bedeuten Halt, Würde und manchmal genau die Kraft, die es braucht, um den nächsten Tag zu meistern.

Auf dem Bild zu sehen sind unser Moderationsteam Daniela Hiebel und Adrian Hoffmann gemeinsam mit Judith Booker, Leiterin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes der Malteser im Landkreis Emmendingen.
Das vollständige Gespräch mit Judith Booker gibt es in unserem Podcast „Region im Blick on Tour – Wir geben der Region eine Bühne“ zu hören.
👉 Hier geht's zur Podcast-Folge:
Wer die wertvolle Arbeit des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes im Landkreis Emmendingen unterstützen möchte, findet hier weitere Informationen zu ehrenamtlichem Engagement, Spendenmöglichkeiten und den Angeboten für betroffene Familien:
👉 Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst im Nördlichen Breisgau


