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Nachrichten aus Blickpunkt: Moderne Frauen

Frauenpower in Männerberufen – Die Hodapp GmbH & Co.KG zeigt wie es geht

Recruiting einmal anders – Neue Wege im Mitarbeitermarketing

Im Gespräch mit Inka Lamprecht, Leiterin Vertrieb - Marketing und Personal bei HODAPP GmbH & Co.KG

Geschlechterklischees in Ausbildung, Studium und Beruf haben eine lange Tradition. Aber haben Berufe ein Geschlecht? Eine Betrachtung der Arbeitsmarktstatistik scheint dies zu bestätigen. Es gibt Berufe, die überwiegend von Männern ausgeübt werden, wie zum Beispiel auf dem Bau, in der Industrie, der IT oder im Handwerk. Und es gibt Berufe, in denen sich überwiegend Frauen finden, beispielsweise in der Pflege, im Dienstleistungsbereich oder in der Erziehung.  

Im Gespräch mit Inka Lamprecht,Leiterin Vertrieb - Marketing und Personal bei HODAPPGmbH & Co.KG

Junge Frauen und Männer orientieren sich bei der Wahl ihres Berufes auch heute noch stark daran, ob es sich um so genannte Frauen- bzw. Männerberufe handelt. Dies hat zur Folge, dass wichtige Potenziale in allen Berufsfeldern verloren gehen. Noch immer gibt es Berufe, die eher Männern zugeordnet werden. Frauen arbeiten nach wie vor mehrheitlich in Frauenberufen, Männer in Männerberufen – und im Laufe eines Arbeitslebens verstärkt sich diese Tendenz noch. Dies kann auch mit überkommenen Denkmustern zusammenhängen. Frauen in Männerberufen – sind heutzutage doch eigentlich gar kein Thema mehr -sollte man meinen! Doch gerade in technisch-gewerblichen Ausbildungsberufen sind junge Frauen noch immer eine Minderheit obwohl junge Frauen besser gebildet und ausgebildet sind denn je.Sie erzielen in ihrer Schullaufbahn oftmals bessere Abschlüsse als die Jungen und dennoch haben sie bei ihrer Berufswahl noch immer ein deutlich engeres Berufswahlverhalten als junge Männer. Trotz einer großen Auswahl an Ausbildungsberufen konzentriert sich mehr als die Hälfte der Mädchen bei der Wahl ihrer Ausbildung auf ein Spektrum von nur zehn Berufen. Um das Blickfeld von jungen Frauen und Männern auch jenseits eines stereotypen Berufswahlverhaltens zu öffnen, ist eine umfassende und ganzheitliche Berufs- und Arbeitsweltorientierung,notwendig,die frei von Rollenzuschreibungen ist. Es ist bekannt dass es bestimmte gesellschaftliche Strukturen gibt, die Berufsziele von Kindern und Jugendlichen fördern. Dazu zählen beispielsweise Geschlechterklischees in Filmen - Medien überhaupt, Kinderbüchern und Spielzeugen sowie der Einfluss von Eltern, Schule und Arbeitsmarkt. 

Geschlechterklischees haben sich in unserer Gesellschaft über Jahrzehnte hinweg etabliert und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Die Forschung ist sich zwar bis heute nicht einig, wann Geschlechtermodell und Rollenzuteilung überhaupt entstanden sind aber dennoch lenken sie unser Denken. Ein Umdenken ist also dringend angesagt – bei Eltern, Lehrern und in der Gesellschaft insgesamt.

Hierfür wurde der MINT-Pakt ins Leben gerufen, um mehr Mädchen und Frauen für MINT-Berufe (Mathematik,Informatik,Naturwissenschaften,Technik) zu begeistern. Damit soll alten Rollenbildern gegengesteuert und gleichzeitig der Fachkräftemangel in MINT-Berufen behoben werden. Auch die Girls‘ Day, Boys‘ Day, TecDays,bieten eine vielfältige Möglichkeit sich auszuprobieren und haben so dazu beigetragen dass sich mehr junge Frauen für gewerblich-technische Berufe und umgekehrt natürlich auch junge Männer für vermeintliche „Frauenberufe“ interessieren.Social Media schafft ebenfalls mehr Sichtbarkeit von Frauen in Männerberufen. Beispielhaft zu nennen ist hier ein Recruitingfilm der Hodapp GmbH & Co.KG – "Jagdfieber".

Getreu ihrer Firmenphilosophie - "Weiterentwicklung zum Wohl unserer Kunden sowie unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "gehen sie neue Wege beim Recruiting von Auszubildenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und der Erfolg kann sich sehen lassen. Mit ihrem Werbespot schafften sie es nicht nur in die Kinos, sondern gewannen auch mit ihrer Kampagne den Ortenauer Marketingpreis in der Kategorie „Mittelständische Unternehmen“, 51 bis 500 Mitarbeiter. Im Gespräch mit "Region im Blick" stellt sich Inka Lamprecht, Leiterin Vertrieb. - Marketing und Personal bei der HODAPP GmbH & Co.KG den Fragen über Geschlechterklischees, die "Jagdfieber" Kampagne,sowie dem Thema Frauen in männerdominierten Berufen.

Die Hodapp GmbH & Co. KG in Achern wurde in der Kategorie „Mittelständische Unternehmen“ für ihren Recruitingfilm „Jagdfieber“ ausgezeichnet. Was hat Sie dazu bewogen mit dem Rollenklischee aufzuräumen und gezielt Frauen für ihren Betrieb anzusprechen?

Inka Lamprecht: Bereits schon vor unserem Recruitingfilm „Jagdfieber“ gab es bei der Hodapp GmbH & Co. KG Frauen in unseren gewerblichen Bereichen. Nach anfänglicher Skepsis hat sich jedoch herausgestellt, dass sich die Betriebsatmosphäre in gemischten Teams deutlich verbessert und Frauen in handwerklichen Berufen leistungsfähig sind. Diese positive Erkenntnis, hat uns auf die Idee zu diesem Recruitingfilm gebracht.

Wer war bei dieser Kampagne maßgeblich beteiligt oder hatte die Idee dazu?

Inka Lamprecht: Die Idee ist gleichermaßen in den Abteilungen Marketing und Personal „geboren“ worden. Wie so häufig braucht es jedoch nicht nur eine Idee, sondern auch den Mut, diese in die Tat umsetzen zu dürfen. Mit Peter Hodapp, Geschäftsführer und Inhaber der Hodapp GmbH & Co. KG haben wir einen Chef, der sich für innovative Ideen begeistern lässt. Dies machte es uns möglich, alle weiteren involvierten Kollegen für die Teilnahme zu begeistern.

Es ist vor allen Dingen „mutig“ auf so innovative Art den Personalengpass im Handwerk sowie das Thema „Frauen in Männerberufen“ aufzugreifen. Sind Sie der Meinung, dass viel mehr Mädchen technische Ausbildungsberufe in Erwägung ziehen würden, wenn sie sich vorab intensiver mit deren Berufsbildern auseinandersetzen oder besser informiert werden würden? Braucht es hier eine Bildungsoffensive?

Inka Lamprecht: Das Wort „Bildungsoffensive“ ist ein mächtiges Wort. Viel wichtiger ist aus meiner Sicht, dass wir aufhören weiterhin in den alt bekannten Klischees zu denken. Jeder von uns weiß, dass wir nur dann richtig gut in unserer Arbeit sind, wenn wir das tun, wofür unser Herz schlägt. Nur dann sind wir erfolgreich und wachsen über uns hinaus. Dies gilt aber nicht nur für Frauen in vermeintlichen Männerberufen, sondern ebenso für Männer in Frauenberufen.

Die Hodapp GmbH & Co. KG ist seit 3 Generationen auf Erfolgskurs. Auf ihrer Website steht "Der Nachwuchs von heute ist die Zukunft von morgen"! Wie ist die Firmen-Philosophie in Puncto Ausbildung?

Inka Lamprecht: "Der Nachwuchs von heute ist die Zukunft von morgen"! IST wesentlicher Bestandteil der Hodapp Firmen-Philosophie. Bei Hodapp wird seit jeher ausgebildet und daran werden wir auch in Zukunft festhalten. Unsere zwei Ausbildungsleiter (techn. + kaufm.) geben alles dafür, unsere „Schützlinge“ die Ausbildung zu geben, die sie für ihr kommendes Berufsleben bei Hodapp benötigen. Eine Übernahmequote der Auszubildenden von nahezu 100 % zeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.

Niemand hat mehr Lust auf längst überholte Geschlechterklischees. Und doch scheint es immer noch klare Männer- und Frauenberufe zu geben. Wie wird sich ihrer Meinung nach die Nachfrage von "Frauen in Männerberufen" in den nächsten Jahren verändern und wie schätzen Sie die Berufschancen der weiblichen Bewerber ein?

Inka Lamprecht: Die Chancen als Frau in einem Männerberuf durchzustarten sind größer denn je. Ich denke, dass es zumindest an der Information zu diesem Thema in der Zukunft nicht mehr scheitern wird. Das Netz ist voll von Informationen und Möglichkeiten als Frau in Männerberufen durchzustarten. Viel mehr sind jetzt die Frauen gefordert, wirklich das zu tun wofür ihr Herz schlägt und dazu auch mit voller Überzeugung einzustehen. Gegen diese Geschlechterklischees sich zu behaupten ist teilweise sicher nicht leicht, doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, ich habe es nicht ein einziges Mal bereut als Frau einen Männerberuf gewählt zu haben.

Mit dem digitalen Wandel werden die körperlichen Belastungen handwerklicher Berufe geringer, zugleich wächst der Bedarf an kreativem, kommunikativem und gestaltendem Potential. Wie sieht man diese Entwicklung bei der Hodapp GmbH & Co. KG?

Inka Lamprecht: Auch bei Hodapp muss, egal ob Mann oder Frau, schon lange niemand mehr bis an seine körperlichen Grenzen gehen. Gerade in der Fertigung und auf Montage gibt es viele Hilfsmittel, die die Arbeit gegenüber „früher“ deutlich erleichtern. Viele Arbeitsschritte werden durch technische Weiterentwicklungen vereinfach. Ein Stillstand, in der Weiterentwicklung aller Prozesse, wäre auch im Handwerk ein klarer Rückschritt und daher ist auch bei Hodapp die permanente Verbesserung wichtig, um markt- und wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben.

Wie haben die männlichen Mitarbeiter auf ihre Offensive reagiert? Wurde es gut angenommen?

Inka Lamprecht: Natürlich findet man, wie bei allen Dingen im Leben, für alle Themen auch berechtigte Kritiker. Die meisten Kollegen haben sehr positiv reagiert und hoffen auf eine Fortsetzung. Diese ist zu diesem Thema in Form eines Filmes nicht geplant, aber selbstverständlich werden wir uns weiterhin zu diesem Thema klar Positionieren. Bei Hodapp herrscht Gleichberechtigung. Dies bedeutet, dass egal ob Mann oder Frau, der besser qualifizierte Bewerber den Ausbildungsplatz bzw. die Facharbeiterstelle erhält.

Frauen sind in den so genannten Männer-Berufen immer noch eine Seltenheit. Dass naturwissenschaftliche und technische Berufe auch heute noch Männerdomänen sind, zeigt eine aktuelle Auswertung. Welchen Rat möchten Sie allen Mädels, die sich für einen „nicht-typisch-weiblichen“ Beruf interessieren mitgeben?

Inka Lamprecht: Einfach machen! Sich als Frau in einer Männerdomäne zu behaupten ist nur dann schwer, wenn man für das was man tut nicht „brennt“. Ohne Einsatz und Herzblut für seinen Job, ist man, egal in welchem Beruf, maximal mittelmäßig.

Generell auf die Ausbildungssituation gesehen-Laut einer aktuellen Studie wollen in Deutschland unterdurchschnittlich wenige Menschen ins Handwerk gehen. Können Sie sich erklären, weshalb?

Inka Lamprecht: Ich vermute, dass hängt oftmals mit fehlenden Perspektiven und dem teilweise immer noch schlechtem Image des Handwerks sowie der fehlenden Qualität der Ausbildung zusammen. Allerdings ist spürbar, dass der aktuell vorherrschende Fachkräftemangel diesbezüglich ein großes Umdenken und Wandel herbeiführt.

Ist hier ein Umdenken angesagt?– Bei Eltern, Lehrern und in der Gesellschaft insgesamt?

Inka Lamprecht: Natürlich hört man immer wieder, dass Eltern möchten, dass Ihre Kinder studieren. Ich persönlich bin der Meinung, dass es zwischen Ausbildung und Studium kein „besser oder schlechter“ gibt. Es ist einfach anders! Jeder muss entsprechend seiner eigenen Präferenzen, seinen eigenen Weg gehen. Mein Weg startete mit einer Ausbildung und später habe ich mich noch für ein Studium entschieden. Ich wollte nichts missen, denn nur so bin ich heute in der Lage für beides eine „Lanze zu brechen“.

Brauchen wir ihrer Meinung nach einen Girls Day oder Boys Day zur Berufswahl ohne Rollenklischees?

Inka Lamprecht: In erster Linie müssen wir Möglichkeiten schaffen, jungen Menschen Einblicke in unsere Firmen und Berufe zu geben. Dies ist unabhängig davon, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Wie sonst, soll es jemandem ohne jegliche Lebens- und Berufserfahrung möglich sein, seinen „Traumjob“ zu finden?
Wenn wir bei Hodapp junge Menschen, z. B. in Form einer Bildungs-Partnerschaft mit Schulen, die Möglichkeit geben, unsere Firma zu besichtigen, geht es grundsätzlich darum, sich zu orientieren und folgende Frage beantworten zu können: „Möchte ich zukünftig in einem Büro, oder im gewerblichen Bereich arbeiten, oder, kommt beides nicht für mich in Frage? Wenn wir das geschafft haben, haben wir unser Ziel erreicht. Wenn wir es dann noch schaffen, den ein- oder anderen für eine Ausbildung bei Hodapp zu begeistern, haben wir alles richtig gemacht.
Wir alle haben einen Bildungsauftrag gegenüber der nachkommenden Generation! Wenn wir es dann noch schaffen, diesen ohne jegliche Klischees auszuüben, ist es meines Erachtens egal, ob es Mädchen-, oder Jungen-Tag heißt…Es ist ein Berufsfindungstag…egal für welches Geschlecht. 

Daniela Hiebel im Gespräch mit Inka Lamprecht / Bilder : Hodapp GmbH & Co. KG

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