Nachrichten aus Baden bewegt

Tanja Eggers bietet einen Ankerplatz: Anders, vielfältig, bunt. Einfach PatchWork

Heike Scheiding sprach mit der empathischen Buchautorin und Netzwerkerin über ihr Patchwork Leben.

Ich lese im gerade vor kurzem erschienenen Buch „Perspektive PatchWork“ von Tanja Eggers und kann es kaum mehr weglegen. Warum? Es ist ein Buch, das die Verbindung von einer Patchwork Familie in ein Unternehmen überträgt, ein Buch, das Mut macht, Perspektiven anreicht, helfen kann – also schlichtweg ein Buch mit Tiefgang. Dass es sich dabei keineswegs um ein reines Sachbuch handelt, merkt man schnell. 

Die Schreibweise, die Empathie, die Tanja Eggers einflechten lässt und schließlich ihre eigene Geschichte, berühren und machen zugleich Mut. Faszinierend und so authentisch, eine Patchwork Familie, die einen herben Schicksalsschlag verkraften muss. Tanja Eggers, die eine Familie heiratet und mit einem Schlaganfall ihres Partners, heutigen Ehemannes, konfrontiert wird - es ist sehr persönlich mit vielen Verknüpfungen wie eine Patchwork Decke in die Business Welt und in die Privatwelt, in das Leben vieler. 

Vorweg: das Buch sensibilisiert, macht Mut, ist gleichermaßen ohne den „erhobenen Zeigefinger“ ein Hinweis, auf sich und seinen Körper zu achten und es gibt eine Blumenwiese an Impulsen, die man einzeln für sich pflücken kann – je nach Situation, Job, Familie, Leben.  Und noch etwas, was mir am Herzen liegt und was mir Tanja Eggers erzählt hat: Heute, sechs Jahre nach seinem Schlaganfall, haben Ehemann Jörg und Tanja Fazit gezogen: „Unser Leben ist anders. Anders gut.“

Wie kommen Sie auf diese unglaublich coole Verbindung zwischen Patchwork Familie und Job?

Tanja Eggers: „Wir sind PatchWork. Ich bin Teil einer 7-köpfigen PatchWork-Family. Von Hause bin ich sehr kreativ. Ich denke gerne in Bildern und Metaphern und habe mich die letzten Jahre stark mit unserer Situation der PatchWork-Family auseinandergesetzt und meine Erfahrungen reflektiert. Hierbei kam mir irgendwann der Gedanke, „Tanja, dass was du hier erlebst, ist wie eine Teamfusion im Job“. Wie gelingt es Teams mit unterschiedlichen Historien, unterschiedlichen Erfahrungen, unterschiedlichen Werten miteinander zu verbinden? So entstand die Idee zum Buch, einem PATCH[WORK]BOOK. Und so entstand der Transfer-Gedanke der PatchWork-Strategie mit dem Ansatz die verschiedenen Welten zu verbinden, die Privatwelt und die Berufswelt. Denn PatchWork gibt es mehr als gedacht, im ursprünglichen als auch im übertragenen Sinne.“

Das Thema Zeit aus Ihrer Sicht in der Herausforderung Ihrer neuen Rolle. Wie konnten Sie das alles bewältigen? Und gab es manchmal Momente, in denen Sie am liebsten alles „hingeschmissen“ hätten oder in denen Sie sich selbst „überfordert“ fühlten?

Tanja Eggers: „Rolle ist ein gutes Stichwort. Es geht um die eigene Rollen-Findung. Wer bin ich, welche Rollen nehme ich ein und wo sind meine Grenzen? Grenzen, die ich persönlich für mich setze – um achtsam mit mir selbst sein, um zu spüren, wann wird es zu viel und wo gilt es, manche Verhaltungsmuster und auch Verantwortungsstrukturen zu überdenken. Ich kann mich sehr gut auf meine Intuition verlassen, wichtig ist, dass man den Zugang hierzu bei all den Anforderungen nicht verliert. Wenn ich im Flow bin, dann gibt mir dies so viel, dass ich die Zeit an sich nicht wahrnehme, sondern begeistert meine Herzensthemen verfolge. Es gab einige Situationen, gerade auch in den Zeiten direkt nach dem Schlaganfall meines Mannes, die mich stark herausgefordert haben - plötzlich war alles schlagartig anders. Konfrontiert mit ganz verschiedenen Themen. Ich war sehr dankbar um ein vertrauensvolles Umfeld, das mich unterstützt hat. Mein ganz besonderer, persönlicher Ankerplatz war meine Weiterbildung zum systemischen Coach am isb, Institut für systemische Professionalität in Wiesloch: Aus dem Ansatz des systemischen Denkens und Handelns habe ich sehr viel Kraft und Energie in Zeiten der Veränderung gezogen.“

Es gab ja sicher privat auch viel zu regeln, ob gemeinsames oder getrenntes Konto, wer übernimmt welche Aufgaben in der Familie, wie sieht es mit der Erziehung der Kinder aus – wer hat hier das „Sagen“? Wie haben Sie das auf einen Nenner gebracht?

Tanja Eggers: „Im Vordergrund stand zunächst die Gesundheit meines Mannes, da er vor sechs Jahren einen schweren Schlaganfall erlebte und mit 49 Jahren vom Manager zum Frührentner wurde. Daher war dies der Hauptfokus und alles andere galt es zu priorisieren und später zu regeln. „Ohne Gesundheit ist alles nichts“, das haben wir live erfahren und dieser Schicksalsschlag hat uns sehr geerdet. Wir sehen heute manches mit anderen Augen und das ist gut so. Und ich denke, dies leben wir auch den Kindern vor.“

Sketchnotes: Nicole Funke

Das „Entrümpeln“ findet das auch regelmäßig in Ihrem Privatbereich statt?

Tanja Eggers: „Ja, sowohl das „Entrümpeln“ von Gegenständen und Sachen, die nicht mehr benötigt werden als auch das „Entrümpeln“ von Gedanken und Verhaltensweisen, manchen Gewohnheiten: Was gilt es loszulassen, damit Platz für Neues möglich ist? Ab und zu „entrümpeln“ tut einfach gut und befreit, so ist meine persönliche Erfahrung. Eine Übung für Loslassen, um Neues zuzulassen.“

Wen wollen Sie mit Ihrem Buch in erster Linie erreichen? Und welche Veränderungen wünschen Sie sich auf dem Arbeitsmarkt?

Tanja Eggers: „Meine Intention ist, Menschen zu erreichen, denn es geht um Menschlichkeit und die betrifft uns alle – in der Familie, im Job, in der Gesellschaft. Mein Ziel ist, über das Buch zu berühren, zum Perspektivwechsel einzuladen, persönliche Einblicke zu bieten, Impulse zu setzen, für mehr Mut und mehr Menschlichkeit im Business. Zielorientierung und Wertschätzung schließen sich nicht aus, im Gegenteil, es ist eine wertvolle Symbiose, um als Gesellschaft auf Dauer leistungsfähig zu sein und gesund zu performen. Es geht darum, Vielfalt anzuerkennen, zu schätzen und als Stärke zu sehen, als Basis für Teamwork der Zukunft. Daher ist das letzte Kapitel dieses Buches bewusst als PatchWORKing-Format gestaltet, ein Co-Working mit Gast-Autor:innen aus meinem persönlichen Netzwerk, die vielfältige Impulse und Perspektiven rund um PatchWork aus ihrem jeweiligen Fachgebiet eingebracht haben. Gemeinsam für eine buntere Arbeitswelt, von PatchWork zu PatchWORLD. Anders. Vielfältig. Bunt.“

Woher haben Sie sich die Zeit genommen, dieses Buch zu schreiben? Wie lange hat das gedauert? Und was kommt als nächstes?

Tanja Eggers: „Ich bin sehr strukturiert – im Buch spreche ich vom „Team Orga vs. Team Impro“ – tja, zu welchem Team ich wohl gehöre? Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann ziehe ich dies durch und finde auch die Zeit. Auch wenn es viele Abende, Nächte, Wochenenden waren, doch ich hatte meine Vision zu diesem Buch und die hat mich getragen und immer wieder motiviert, dran zu bleiben. Ich habe im März 2021 den Vertrag beim Springer Verlag unterschrieben und mir bis Dezember 2021 Zeit gegeben. Was im Nachgang betrachtet, sehr sportlich war. Ich habe es jedoch geschafft und bin stolz drauf.  Aktuell genieße ich die ersten Resonanzen und das Interesse an meinen PatchWork-Gedanken – danke für Ihr Interesse und das heutige Interview. Sehr schön, dies zu erleben, wie das Buch Wirklichkeit geworden ist und vielleicht ein Mutmacher, Türöffner oder Weltenverbinder sein kann, um Kultur gemeinsam zu gestalten. In den nächsten Wochen und Monaten sind verschiedene Lesungen geplant, unterschiedliche Netzwerk-Veranstaltungen u.a. auch in der Region - in Mosbach und Heilbronn -, um diese Themen rund um PatchWork weiter erlebbar zu machen und in den interaktiven Austausch zu gehen. Ich freu mich drauf.“

Haben Sie beim Schreibprozess für sich selbst noch etwas mitnehmen können? Erleuchtungen gehabt?

Tanja Eggers: „Es war für mich eine persönliche Lernreise, eine Zeit der intensiven Reflexion, eine zusätzliche Auseinandersetzung mit meiner Rolle als PatchWorkerin und meiner Definition von Verantwortung. Durch das Schreiben haben sich bei mir manche weiteren Elemente zu meiner persönlichen PatchWork-Decke des Lernens zusammengesetzt und mein roter Faden als das verbindende Element wurde sichtbar. Mir ist es wichtig, als Netzwerkerin Welten zu verbinden und dies ist über das Buch „Perspektive PatchWork“ nun in Bild und Sprache zusätzlich deutlich geworden. Danke an mein großes und großartiges Netzwerk für das großzügige Teilen von Wissen und die gemeinsame Lernerfahrung in den letzten Jahren. Die Mischung macht´s aus, auch die Mischung aus Orga und Impro. Sowohl als auch, es darf beides sein und es braucht auch beides.“

Sketchnotes: Nicole Funke

Zur Person Tanja Eggers: Als Managerin – von der Studentin zur Prokuristin in einem Konzern – hat sie sich das Handwerk von der Pike auf erlernt – operativ & strategisch, ihre Karriere aktiv gestaltet und zahlreiche Entwicklungsprogramme erleben dürfen. Persönlich weitergebildet hat sich Tanja Eggers durch eine mehrjährige intensive Weiterbildung zur systemischen Coach, Beraterin & Organisationsentwicklerin (DBVC-zertifiziert) am isb Institut für systemische Professionalität in Wiesloch. Sie ist Teil der isb Master Group für Professions-, Organisations- und Kulturentwicklung. Ein Fernstudium mit Ü40 an der Deutschen Sportakademie Köln zur betrieblichen Gesundheitsmanagerin unterstützte ihr Ziel, ergänzend die Perspektive der gesunden Performance in Organisationen einzubringen.
Wer mehr über Tanja Eggers erfahren möchte: https://ancoris-consulting.de/

Das Buch ist überall im Buchhandel und Onlineanbietern erhältlich:

Perspektive PatchWork

Mehr Mut zur ganzheitlichen Gestaltung von Leadership, Karriere & Kultur

Softcover: ISBN: 978-3-658-37146-3 /25.- Euro

Ebook: ISBN: 978-3-658-37147-0 / 19,99 Euro

© Springer Nature Switzerland AG

Text/Interview: Heike Scheiding / Fotos: Ronny Barthel

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