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Nachrichten aus Baden bewegt

AUF DEN SPUREN EINES MOTORSPORT-PIONIERS

80 JAHRE RUHESTEIN-BERGRENNEN

Vor 80 Jahren schrieb Josef „Sepp“ Faistenhammer beim Ruhestein-Bergrennen im Jahr 1946 Motorsportgeschichte. Seine Enkeltochter Cornelia Faistenhammer erinnert sich an ihren Großvater als einen leidenschaftlichen Rennfahrer und Tüftler, der bis ins hohe Alter seine Leidenschaft für den Motorsport behielt und an seine Familie weitergab.

Auf den Spuren eines Motorsportpioniers

Es war eine Zeit, in der vieles vom Mangel geprägt war: Nur gut ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren Lebensmittel, Benzin und Material knapp, Straßen vielerorts beschädigt. Und doch kamen am 21. Juli 1946 mehr als 30.000 Zuschauer nach Baiersbronn, um das erste deutsche Motorsportereignis nach dem Krieg zu erleben.


Mehr als 100 Fahrer gingen auf der rund acht Kilometer langen Strecke vom Baiersbronner Ortsteil Obertal hinauf zum Ruhestein an den Start. Das Rennen wurde zu einem außergewöhnlichen Neubeginn für den deutschen Motorsport.

Einer der Fahrer schrieb an diesem Tag Geschichte: Josef „Sepp“ Faistenhammer aus Ismaning. Auf der anspruchsvollen Bergstrecke mit zahlreichen Spitzkehren, Steigungen und abschüssigen Abschnitten erreichte er auf seiner Rudge TT-Replica 500 eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 98,63 Stundenkilometern, fuhr er die schnellste Zeit des Tages und stellte mit 4 Minuten und 52 Sekunden einen bis heute unvergessenen Streckenrekord auf. Damit war Faistenhammer sogar 5 Sekunden schneller als der schnellste angetretene Autorennfahrer. Wie gefährlich die Strecke war, belegen drei tragische Unglücksfälle. Beim Training und beim Rennen verloren insgesamt drei Motorradrennfahrer ihr Leben. Der Sieg des Ruhestein-Bergrennens machte ihn zu einer der prägenden Persönlichkeiten dieses historischen Renntages.

Leidenschaft für Motorräder schon in jungen Jahren
Wie groß Faistenhammers Begeisterung für den Motorsport war, zeigt ein Blick auf seine Anfänge. Bereits 1926 begann er im Alter von 14 Jahren eine Lehre in einer Motorradwerkstatt. Nach zweieinhalbjähriger Lehrzeit baute er sich dann sein erstes Motorrad, an dem er über ein Jahr jeden Sonntag arbeitete. Sein erstes Rennen fuhr er mit 19 Jahren bei einem Bahnrennen in Pasing. Faistenhammer blieb nicht nur Rennfahrer, sondern war auch ein leidenschaftlicher Bastler und Konstrukteur. Um 1937 entwickelte er für Sandbahnrennen einen Seitenwagen mit Lenkrad, der bis 1960 im Rennsport vielfach nachgebaut wurde. Später war er selbst bei Sandbahnrennen als Rennleiter tätig, wobei ihn die häufigen Fehlstarts störten – also entwickelte er eine Startmaschine, wie sie bei solchen Rennen noch heute zum Einsatz kommen. Nach dem Krieg setzte er seine Rennfahrerkarriere fort, die er 1954 beendete.

„Er hat für den Motorsport gelebt.“
Seine Enkeltochter Cornelia Faistenhammer erinnert sich an ihren Großvater als eher bescheidenen Menschen, wenn es um seine Rennfahrerzeit ging. Von sich aus erzählte er in der Familie nur wenig über seine Rennen. „Mein Opa hat von sich aus in der Familie eigentlich nie viel aus seiner Rennfahrerzeit erzählt“, berichtet sie. Vieles erfuhr die Familie erst durch gezieltes Nachfragen.
Dass der Motorsport für ihn weit mehr als ein Hobby war, ist für sie dennoch unbestritten: „Ich weiß, dass mein Opa für den Motorsport gelebt hat und dass er natürlich beim ersten Bergrennen nach dem Krieg trotz der schwierigen Situation unbedingt mitfahren wollte.“ Besonders stolz sei er auf seine Leistung am Ruhestein gewesen – darauf, die anspruchsvolle Strecke als Schnellster bewältigt zu haben und sogar schneller als die Automobile gewesen zu sein. Dabei war Faistenhammer als Privatfahrer auf sich allein gestellt. „Als Privatfahrer musste er alles allein stemmen, vom Finanziellen über das Material bis hin zum Technischen“, sagt seine Enkeltochter. Gerade deshalb sei die Würdigung ihres Großvaters zum 80. Jubiläum des legendären Ruhestein-Bergrennens für sie etwas Besonderes.

80 Jahre später kehren die historischen Rennmaschinen zurück
Seit 2013 wird in Erinnerung an das Ruhestein-Bergrennen von 1946 mit der „Baiersbronn Classic“ eine anspruchsvolle „Oldtimerrallye für Genießer“ durchgeführt, bei der kulinarische wie fahrtechnische Genüsse miteinander verbunden werden. In diesem Rahmen wird auch 80 Jahre nach dem ersten Ruhestein-Bergrennen die Geschichte aufs Neue lebendig: Bei der 12. Baiersbronn Classic vom 24. bis 26. September nehmen die historischen Motorräder am Samstag, 26. September, gegen 11:20 Uhr wieder Aufstellung am Originalstart im Baiersbronner Ortsteil Obertal. Damit kehren die Rennmaschinen an den Ausgangspunkt jener historischen Fahrt zurück, mit der Josef Faistenhammer 1946 den unvergessenen Streckenrekord aufstellte.

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