IHK Südlicher Oberrhein präsentiert Ergebnisse aus dem Konjunkturbericht zum Herbst

Die IHK Südlicher Oberrhein hat erneut mehr als 1.000 Unternehmen um Auskunft über ihre derzeitige Geschäftslage und ihre Einschätzung der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung gebeten.

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage zum Herbst 2017 präsentierten IHK-Präsident Dr. Steffen Auer und Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff im Rahmen einer Pressekonferenz am heutigen Mittwoch in Freiburg.

Die Wirtschaft am südlichen Oberrhein bleibt auf Kurs: Nachdem der Index der Geschäftslage bereits im Frühsommer auf den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung geklettert war, ist er nun nochmals um einen Punkt angestiegen – auf einen neuen Höchstwert von 54 Punkten. „57 Prozent aller Unternehmen bezeichnen die eigene Geschäftslage aktuell als gut, nur drei Prozent sind unzufrieden“, berichtete Auer. Gründe für den stabilen Wachstumspfad seien sowohl im Inland als auch im Ausland zu suchen. „Die Befürchtungen vor Protektionismus in den USA oder negative Veränderungen durch den bevorstehenden Brexit waren bisher unbegründet.“ Überhaupt zeichne sich in Europa ein deutlicher Aufwärtstrend ab, erkennbar an Wachstumsraten und sinkenden Arbeitslosenquoten.

Aber auch die Zahlen aus dem Inland sind beachtenswert.

Auer: „Allein im Kammerbezirk sind im vergangenen Jahr etwa 9.000 neue Stellen geschaffen worden.“ Die Arbeitslosenquote liegt hier bei 3,4 Prozent. Und trotz eines Arbeitsmarkts an der Schwelle zur Vollbeschäftigung: Die Nachfrage nach zusätzlichen Arbeitskräften bei den Unternehmen der Region ist weiterhin ungebrochen. Mit 27 Prozent möchte mehr als jedes vierte Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten seine Belegschaft ausweiten, nur 13 Prozent planen mit weniger Arbeitskräften, so das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage.

Auch der Ausblick bleibt von Stabilität geprägt. 64 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung, acht Prozent glauben an ein Ende des Wachstumskurses und immerhin 28 Prozent denken, dass es noch weiter bergauf gehen wird. Damit bleibt auch das Investitionsklima unverändert positiv: Jedes dritte Unternehmen möchte seine Investitionstätigkeit ausweiten, weniger als jedes zehnte möchte sie in den kommenden zwölf Monaten zurückfahren.

Der Blick in die einzelnen Branchen ist im Vergleich zu vorherigen Umfragen ebenfalls so gut wie unverändert. „Alle Branchen sind noch immer auf einem sehr hohen Niveau“, fasst Auer zusammen. „In manchen Branchen haben sich die Erwartungen etwas verändert, aber da möchte ich nichts hineininterpretieren.“

Wie zuletzt bezeichnen die Unternehmerinnen und Unternehmer am südlichen Oberrhein den Fachkräftemangel als den größten Risikofaktor.

61 Prozent der Befragten sehen diesen mit Sorge – im Herbst 2014 waren das gerade einmal 37 Prozent. Jedes zweite Unternehmen kann offene Stellen längerfristig nicht besetzen, 2013 war es nur jedes vierte. „Gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie in der Baubranche ist der Fachkräftemangel ein entscheidendes Problem“, ergänzt IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff. Um mehr Fachkräfte zu gewinnen, setzen die Betriebe auf Aus- und Weiterbildung sowie die Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber. Die Einstellung von ausländischen Fachkräften, älteren Arbeitnehmern oder Flüchtlingen sind weitere Ansätze, die auf eine bessere Ausschöpfung des Fachkräftepotenzials abzielen. „Die Unternehmer tun alles, um Mitarbeiter zu gewinnen“, bringt es Auer auf den Punkt.

Nach der Vorstellung der Umfrageergebnisse gingen Auer und Kempff noch auf die Forderungen der Wirtschaft an die zukünftige Bundesregierung ein. „Im Zuge des Wahlkampfs haben CDU und CSU für Deutschland das Ziel der Vollbeschäftigung für das Jahr 2025 für die gesamte Bundesrepublik ausgegeben“, erinnerte Kempff. Er mahnte: „Hier müssen wir nach Regionen unterscheiden. Bei uns herrscht bereits beinahe Vollbeschäftigung.“ Für den südlichen Oberrhein wäre ein Zuwanderungsgesetz, das Arbeitssuchenden aus Drittstaaten eine legale Einreise erlaubt und ihnen die Chance gibt, vor Ort nach einer qualifizierten Tätigkeit zu suchen, entsprechend wichtig. „Bürokratische Hürden sind in diesem Bereich abzubauen und Entscheidungskompetenzen müssen an wenigen Stellen gebündelt werden, damit Unternehmen und Arbeitssuchende in einem annehmbaren Zeitrahmen zueinander finden können“, forderte der IHK-Präsident. Bedeutender Baustein für ihn dabei: Die Sprachkompetenz. „Hier ist es an der Regierung, das Geld für Sprachkurse in die Hand zu nehmen.“ Denn nur wer gut Deutsch spreche, könne gut in den Arbeitsmarkt integriert werden. „Motivation ist zwar wichtig, aber die allein reicht nur für Helfertätigkeiten.“

Eine weitere wichtige Notwendigkeit sieht die Wirtschaft in der steuerlichen Entlastung von Bürgern und Unternehmen. „Jetzt, mit dieser positiven wirtschaftlichen Lage, ist es an der Zeit“, sagte Auer. Als eine Möglichkeit nannte er die Abschaffung des sogenannten Solidaritätszuschlags.

Dringenden Änderungsbedarf sehen die Unternehmer außerdem beim Arbeitszeitgesetz. „Es geht darum, die Begrenzung der täglichen Arbeitszeit zu einer Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit zu wandeln und die Anpassung der Ruhezeitenregelung insbesondere bei Mehrfachbeschäftigungen vorzunehmen“, konkretisierte Auer. „Dabei geht es nicht darum, die Arbeitszeit zu verlängern. Auch Gesundheitsschutz, Mindestruhezeiten oder die Entscheidungsfreiheit sollen unberührt bleiben.“

Dass das Arbeitszeitgesetz betrieblichen Realitäten angepasst werden muss, bestätigte Peter Ehrhardt, Vorsitzender des IHK-Tourismusausschusses und Geschäftsführer des Landgasthofs Adler in Breisach-Hochstetten. „Was sollen wir tun, wenn der Bus mit der Reisegruppe verspätet eintrifft oder die Familienfeier länger dauert als geplant, unsere Mitarbeiter aber bereits die Zehn-Stunden-Grenze überschritten haben?“, fragte er. „Die Ziele des Gesetztes möchte ich keineswegs infrage stellen, auch die Ruhezeiten sind wichtig. Uns Gastronomen geht es nur um die Aufhebung der starren Tagesgrenze.“ Diese würden sich eine Regelung wünschen, wie sie in der EU gelte: 48 Stunden pro Woche. Ehrhardt: „Damit verlangen wir nichts Unmögliches.“
Bei der IHK-Pressekonferenz ebenfalls anwesend war Peter Welling, Geschäftsführender Vorstand des Verbands des Verkehrsgewerbes Baden, der die Problematik des aktuellen Arbeitszeitgesetzes aus seiner Branche kennt. „Der Lkw-Fahrer möchte abends zu Hause sein. Wenn ihm das Arbeitszeitgesetz aufgrund von Staus wenige Kilometer vor dem Ziel verbietet, weiterzufahren, dann ist etwas nicht in Ordnung.“ Der Branche gehe es nicht darum, die Lenkzeiten zu verlängern und die Ruhezeiten zu verkürzen. „Darüber wird gar nicht diskutiert.“
Als Geschäftsführer von Schwarzwald-Eisen in Lahr kennt der IHK-Präsident die Problematik. „Auch die Mitarbeiter wünschen sich diese Flexibilisierung.“ Bereits im Sommer, vor der Bundestagswahl, hatte die IHK Südlicher Oberrhein einen Offenen Brief an 36 Bundestagswahl-Kandidatinnen und -Kandidaten der aussichtsreichsten Parteien im Kammerbezirk verschickt mit der Forderung nach einer Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes.

Quelle: IHK Südlicher Oberrhein