Die Tafel Bad Herrenalb öffnet wieder am Dienstag 02.06. 2020 von 13.00 Uhr bis 14.30 Uhr – und bis zum 15. Juni 2020 spendiert ein unbekannter Gönner allen Bürgern mit Tafelausweis als Überraschung eine Pizza nach Wahl.

Da in Corona-Zeiten auch der Herrenalber Tafelladen geschlossen hatte, wollten unbekannt bleibende Gönner aus Bad Herrenalb allen Bürgern mit Tafelausweis eine besondere Freude machen. Menschen, die in der Tafel einzukaufen sind Bürger, die auf Sozialleistungen angewiesen sind oder die am Existenz-Minimum leben. Alle Berechtigten erhalten eine spezielle Kundenkarte, um sich mit Lebensmitteln zu stark reduzierten Preisen zu versorgen, die nicht mehr in den regulären Verkauf können. Nun aber waren die Tore zum Einkauf bis zum 2. Juni 2020 geschlossen, weil sowohl die ehrenamtlichen Helfer als auch die Kunden vor einer möglichen Infizierung mit dem Coronavirus geschützt werden sollten. Dadurch gab es für diejenigen, die die in einer besonderen finanziellen Notlage sind, keine Möglichkeiten sich mit günstigen Lebensmitteln zu versorgen.

Überraschung eine Pizza nach WahlÜberraschung eine Pizza nach Wahl / v.l.n.r. Magdalena Matuszak u. Magdalena Kubalka

Um diesem Dilemma Abhilfe zu schaffen und den Menschen eine Freude zu machen, starteten bereits im April Herrenalber Bürger eine besondere Aktion. „Jeder der seinen Tafelausweis bei uns vorlegt, kann eine Pizza nach Wahl bestellen“, erklärt Magdalena Matuszak. Die Betreiberin der „Alten Abtei“ hat sich zum Stillschweigen verpflichtet und nennt keinen Auftraggeber. Insgesamt gibt es für 60 Berechtigte aus Bad Herrenalb, Dobel und Umgebung die Möglichkeit, als Mittag- oder Abendessen eine Pizza unter der Rufnummer 07083-2411 zu ordern.

Da die Aktion bereits vor fünf Wochen ins Leben gerufen wurde, bislang aber lediglich acht Karteninhaber eine verführerisch duftende Pizza bestellt haben, wirbt die Unternehmerin mit einem Aushang für die Aktion. „Da in den vergangenen Wochen keiner zur Tafel gekommen ist, wissen viele noch gar nichts von der großzügigen Geste der Gönner“, urteilt Magdalena Kubalka, die darüber berichtet, dass für jede im Haushalt des Berechtigten lebende Person eine eigene Pizza gebacken wird. Konkret: gibt es acht Personen im Haushalt, können acht Mal die flachen Teigscheiben mit verschiedenen Zutaten bestellt werden. Pizza war ursprünglich ein Arme-Leute-Essen. Erst mit der Einführung der Tomate um 1520 wurde aus dem trockenen Brot eine saftigere Pizza, die unter den einfachen Leuten in Neapel sehr beliebt wurde. Dort wurde 1830 auch die erste Pizzeria der Welt eröffnet.

Die beiden Cousinen, die denselben Vornamen Magdalena tragen, erfüllen seit Mai 2017 die „Alten Abtei“ in Bad Herrenalb mit Leben und haben sich auf eine deutsch-italienische Küche spezialisiert. Für die Tafel in Bad Herrenalb sind sie keine Unbekannten. „Wir haben im vergangenen Jahr eine großzügige Spende gemacht und auf Grund dessen wollten sich nun die Initiatoren der aktuellen Pizza-Aktion bei uns bedanken“, mutmaßt Magdalena Kubalka, während Magdalena Matuszak, Spezialistin für die italienischen Gaumengenüsse, diese besondere Art der Auftragsvergabe als eine liebenswerte Geste begrüßt, die insbesondere in Corona Zeiten die gebeutelte Gastronomie unterstützt. „Wir haben bereits vielfältige Aufträge mit individuellen Bestellungen für die Karteninhaber ausgeführt“, sagt Matuszak, die lachend ergänzt: „Das waren für mich gänzlich neue Geschmackskompositionen und vielleicht erweitern wir im Sommer unsere große Pizzakarte mit einer dieser ausgefallenen Ideen.“ Nach Öffnung des Tafelladens ist sie sich sicher, dass nun mehr Bürger über diese kulinarische Spendenaktion erfahren und somit auch die verbleibenden Personen in den Genuss einer Gratis-Pizza kommen.

Auch für Bürgermeister Klaus Hoffmann ist diese außergewöhnliche Aktion zu Corona Zeiten ein besonders großzügiges Geschenk: „Wir sehen in den letzten Wochen ein besonders starkes bürgerliches Engagement um anderen zu helfen. Insbesondere diese private Initiative ist mehr als lobenswert. Ich finde es großartig, dass es so eine private Unterstützung gibt und danke den unbekannten Gönnern seitens der Stadt.“

Text / Bilder:Sabine Zoller