Das Schild „Zum Ochsen“ geht als Schenkung in die Sammlung der historischen Museen Karlsruhe

 „Ich möchte, dass das historische Kleinod erhalten bleibt“, erklärt Anita Jollit, der es gemeinsam mit ihrem Mann Gerard in dritter Generation gelungen ist, aus dem traditionsreichen Gasthof eine feine Adresse für Feinschmecker mit klassisch französischer Küche zu machen.

„Das Schild kenne ich seit meiner Kindheit“, so der Tenor der Spitzenköchin, die darauf hinweist, dass das Schmiedeeiserne Kunsthandwerk noch bis Ende der 1990-er Jahre ihren denkmalgeschützten Gasthof zierte. „Der 3,50 Meter lange Tragearm hing weit ausladend über der Straße und wurde immer öfter zu einem Verkehrshindernis“, resümiert Jollit, die von Lastwagen berichtet, die das Wirtshauschild öfters beschädigt haben.

Zum Abschied überreichen Anita und Gerard Jollit das Wirtshausschild vom Durlacher Gourmettempel Zum Ochsen samt ornamentverziertem Ausleger Tragestange nicht im Bild vor der traditionsreichen Gaststätte an Ferdinand LeikamZum Abschied überreichen Anita und Gerard Jollit das Wirtshausschild vom Durlacher Gourmettempel „Zum Ochsen“ samt ornamentverziertem Ausleger (Tragestange nicht im Bild) vor der traditionsreichen Gaststätte an Ferdinand Leikam (Bildmitte), Leiter Historische Museen in Karlsruhe. Foto Sabine Zoller

„Daher haben wir erst das Schild und später auch die schmucke Tragestange entfernt.“ Für Ferdinand Leikam ist nun das historische Wahrzeichen nicht nur ein Zeichen für gepflegte Gastlichkeit, sondern auch  „eine willkommene Ergänzung für die Sammlung des Durlacher Pfinzgaumuseums, das zwar noch restauriert werden muss, aber dann der Öffentlichkeit zugänglich ist.“

1664 wird die Schildwirtschaft „Zum Ochsen“ erstmals urkundlich erwähnt und zählt damit zu den ältesten Durlacher Gasthäusern. Aus dieser Zeit stammt die Schildgerechtigkeit, die mit einem entsprechenden Wirtshausschild schon von weitem signalisierte, dass es neben Speisen und Getränken auch die Einrichtung von Schlafstätten gibt. Einen solchen „Ausleger“ durfte nur anbringen, wer im Rahmen der Konzessionierung die Schildgerechtigkeit zugestanden bekam. Das zweigeschossige und massiv gebaute Fachwerkhaus mit Krüppelwalmdach erhält den Namen „zum Ochsen“, vermutlich weil neben dem Gasthaus die Ochsen-gasse einmündet, die zur Pferdeschwemme an der Pfinz führte. Der Ochse wird zum Symbol und ziert eine Eisentafel, die einer Fahne gleich, am äußeren Ende der Tragestange als weithin sichtbare Silhouette auf die Gastwirtschaft hinweist. Ein Blickfang vor den Toren der einstmals eigenständigen Residenzstadt und auch ein Entgegenkommen an die früher oft des Lesens nicht kundigen Passanten. Denn das stumme Bildzeichen, das nächst Ochsenmotiv auch das Wappen der Markgrafschaft Baden-Durlach ziert, war als Wegweiser ein „redendes“ Symbol und wichtiger Orientierungspunkt in den einst noch namenlosen Gassen und Straßen.

Text /Foto Sabine Zoller