Gesetzgeber will mehr für Abfallvermeidung tun - Freiburger Handwerksunternehmen Bud’s Bikes zeigt seit Jahren, wie das geht

FREIBURG/INDUSTRIEGEBIET NORD.

“An jedem alten Fahrrad ist etwas dran, was man noch gut gebrauchen kann”, sagt Tobias Buderer. Der 51-Jährige betreibt gemeinsam mit seiner Frau Ivonne Buderer-Hidalgo (48) im Freiburger Industriegebiet Nord das Unternehmen Bud’s Bikes, eine Fahrradwerkstatt der besonderen Art. Denn das Kerngeschäft von Bud’s Bikes ist das Recycling ausgemusterter Drahtesel. Aus Fahrrädern, welche die Besitzer los werden wollen, holen sie raus, was geht - und bauen daraus neue verkehrstüchtige Bikes mit Garantie zusammen. Damit tun die Freiburger schon lange das, was die aktuelle Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetz auch anstrebt: Müll vermeiden. Sogar der Fernsehsender RTL zeigt nun Interesse an dem kleinen Familienbetrieb.

P1100318 Buds Bike 2 002 Tobias Buderer mit seiner Frau Ivonne Buderer-Hidalgo Inhaber von Buds Bike

“Alle Beteiligten profitieren”, sagt Buderer, “der Vorbesitzer kann sicher sein, dass ein Rad sach- und fachgerecht entsorgt wird, der Käufer bekommt ein preisgünstiges, ressourcenschonendes Fahrzeug - und wir haben eine Marktlücke mit Potenzial entdeckt und besetzt.”

Ins Leben gerufen hat das Ehepaar Buderer sein Handwerksunternehmen schon im Jahr 2004. Der Anfang sei sehr hart gewesen. Beide waren im Dauereinsatz, Tobias Buderer in der Werkstatt, Ivonne Buderer-Hidalgo, die an einer deutschen Schule in Chile eine kaufmännische Lehre nach deutschen Standards absolviert hat, vorwiegend im Büro. Im Jahr 2013 erfolgte der Umzug an den heutigen Standort, die Liebigstraße 7 im Freiburger Industriegebiet Nord. Auf dem dortigen 2600-Quadratmeter-Areal befindet sich außer der Werkstatt und Verwaltungsräumen sowie dem Wohnhaus der Buderers mit ihren vier Kindern, auch eine große Lagerhalle für die Gebrauchtersatzteile aus den Alträdern. “Wichtig ist, dass wir hier stets den Überblick behalten und alle Teile schnell auffindbar sind”, so der Unternehmer, der in Berlin geboren, aber in Freiburg aufgewachsen ist.

Heute zählt das Unternehmen neben den Buderers acht Mitarbeiter. Dazu gehören derzeit auch zwei jungen Menschen, welche ein FÖJ absolvieren, ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. “Da bei uns der Umwelt- und Ressourcenschutz eine große Rolle spielen, können wir auch als privatwirtschaftliches Unternehmen solche Freiwilligenjobs anbieten”, erklärt Ivonne Buderer-Hidalgo. Auch ausgebildet wird bei Bud’s Bikes. Tobias Buderer ist eigentlich gelernter Koch. Doch bereits seit Kindheitstagen hat er sich mit Fahrradtechnik beschäftigt. “Durch meinen Vater bin ich zum Schrauber geworden”, sagt er. Als Quereinsteiger ist er schon seit Jahren einem Zweiradmechanikermeister gleichgestellt - nach einer entsprechenden Überprüfung durch die Handwerkskammer wurden ihm meistergleiche Kenntnisse bescheinigt, so dass er nun die persönlichen Voraussetzungen zur Eintragung in die Handwerksrolle erfüllt. Die Ausbildereignungsprüfung hat er gleich auch noch abgelegt.

Für die Zukunft sind die Buderers sehr zuversichtlich. “Wir waren mit unserer Idee dem Wirtschaftskreislaufgesetz von 2012 um Jahre voraus - und profitieren jetzt umso stärker davon als zertifizierter Entsorgungsbetrieb”, erklärt Buderer. Dass wegen Corona Fahrräder derzeit ganz besonders boomen, hilft zusätzlich. Pro Monat würden im Schnitt 200 bis 300 Räder geprüft und ausgeschlachtet beziehungsweise wieder einsatzbereit gemacht.

Müllvermeidung, gerade auch im Handwerk, ist aktuell ein Riesenthema. Ende Oktober ist das novellierte Kreislaufwirtschaftsgesetz in Kraft getreten, das hier neue Pflichten und Anreize schafft. Bei Bud’s Bikes hat sich nach Buderers Angaben in diesem Zusammenhang kürzlich auch der Fernsehsender RTL gemeldet, der die Freiburger möglicherweise als Musterbeispiel in eine Sendung aufnehmen will.    

“Jetzt haben wir auch eine Größe, bei der wir von der Mitgliedschaft in der Innung so richtig profitieren können, etwa, wenn es um unsere Azubis geht, aber auch einfach durch den Erfahrungsaustausch mit Kollegen”, so Ivonne Buderer-Hidalgo. Vor Kurzem sei man daher beigetreten. “Da hat uns auch Obermeister Werner Metzger sehr ermutigt, mit dem wir zusammenarbeiten”, so Tobias Buderer. Über die Innung erhalte man außerdem alle aktuellen berufsbezogene Infos, die für den Betrieb wichtig seien. “Zu wissen, was es Neues gibt, hilft uns sehr bei unseren Entscheidungen”, so der Firmenchef. Über die Kreishandwerkerschaft könne man darüber hinaus noch auf weitere Serviceleistungen zugreifen, beispielsweise den kostenlosen Dokumentenservice mit nützlichen Checklisten und Textvorlagen für Verträge.

Bud’s Bikes nimmt alte Räder nämlich nicht nur von Privatleuten an, sondern auch von Fahrradhändlern - kostenlos. “Wir sind für die Kollegen keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung”, sagt Buderer. Auch mit der Abfallwirtschaft Emmendingen arbeite man eng zusammen. “Wir können uns für die Zukunft vorstellen, unser Konzept auf andere Städte zu übertragen - der Bedarf ist auf jeden Fall da”, so der Unternehmer. Viele Kunden, speziell junge Familien, seien außerordentlich dankbar für das Angebot an preiswerten Gebrauchträdern, die geprüft und mit einer Garantie versehen seien.

Innungen
Innungen sind freiwillige Zusammenschlüsse selbständiger Handwerker desselben Gewerks - während die Mitgliedschaft bei der Handwerkskammer verpflichtend ist. Innungen kümmern sich insbesondere um die Förderung der gemeinsamen gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder, um die Pflege des Gemeingeistes und der Berufsehre sowie um die Förderung des handwerklichen Könnens der Meister und Gesellen. Nicht zuletzt stellen die Innungen zudem die ehrenamtlichen Prüfungsausschüsse für die Gesellenprüfungen. Die Kreishandwerkerschaft ist die örtliche Dachorganisation der Innungen und unterstützt diese sowie die einzelnen Mitgliedsbetriebe mittels zahlreicher Dienstleistungen. Zur Kreishandwerkerschaft Freiburg gehören 37 verschiedene Innungen mit insgesamt rund 1800 Mitgliedsunternehmen.

Text / Bild: Kreishandwerkerschaft Freiburg