71 Akteure zauberten Unglaubliches auf die Bühne mit dem Musical „Wilde Schwäne“

277Endingen. Weit über 100 Akteure hatten die Idee von Wolfgang Rogge brillant umgesetzt und begeisterten die jeweiligen Besucher mit dem Musical „Wilde Schwäne – und die Heilige Ottilie vom Menschenfresserberg“. Bühnenbild, Technik, Musik, eine begleitende Ausstellung, Kostüme, Souffleusen, Maske, Regie, Erzähler und Darsteller aller Klassenstufen der Stefan-Zweig-Realschule hatten hier mitgewirkt, um ein Gesamtbild zu präsentieren. Vor über einem Jahr hatte Musiklehrer Wolfgang Rogge diese Idee, wohl kein leicht verdauliches Thema, aber als ernstes Stück so verpackt, dass die Schrecken zwar zu sehen waren, dennoch aber das Positive überwog.

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Konrektor Michael Reichenbach freute sich am Samstagabend über das „zum 3. Mal ausverkaufte Bürgerhaus“ mit etwa 250 Besuchern. Es fehlte im Stück weder an Wortwitz, noch an Gefühl, Emotionen oder alemannischen, wie auch französischen Dialogen. 71 Akteure und die Projektleitung zauberten Unglaubliches auf die Bühne. Dafür war jede Woche geprobt worden, teils mehrmals, es gab Probenwochenenden und viele Texte mussten gelernt werden. 21 populäre Lieder von damals bis heute, arrangiert von Wolfgang Rogge und Florian Zink, begeisterten immer wieder, brachten aber auch Gänsehaut-Gefühle.

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Die Thematik des Musicals ist inspiriert vom diesjährigen Gedenkjahr „100 Jahre Ende des 1. Weltkriegs.“ Dennoch war die Handlung frei erfunden, allerdings mit Inhalten der realen Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler verknüpft. Ausdrucksvoll brachten die Schauspielerinnen und Schauspieler ihre eigenen Erfahrungen beim deutsch-französischen Schüleraustausch in den einzelnen Akten zum Ausdruck. Mit Wortwitz und viel Gefühl wurde die Botschaft des Musicals auf die aktuelle Zeit bezogen. Tief unter die Haut gingen die Szenen, welche die Situation während des ersten Weltkriegs auf dem „Hartmannswillerkopf“ in den Vogesen zeigten. Dieser wird umgangssprachlich auch „Menschenfreserberg“ genannt“. Sehr emotionale musikalische Solos brachten dem Publikum die Sinnlosigkeit von Kriegen nahe. „Wozu sind Kriege da“ (Udo Lindenberg), „21 guns“ (Green Day), „Weiße Fahnen“ (Silbermond) oder auch „Zogen einst fünf wilde Schwäne“ (Litauisches Volkslied) wurden gesungen.

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Den Besuchern wurde ein eindrückliches Musical über den Krieg, die Liebe, das Elsass und Baden, das Kindsein und das Feiern der Jugend trotz schwerer Zeiten geboten. Die Story ging sicher jedem Zuschauer unter die Haut. Die Unterschiedlichkeiten der beiden Länder – alleine beim Essen – mit auf der einen Rheinseite Brezeln, Bier, Döner und Pizza und auf der anderen Rheinseite mit Austern, Sauerkraut und Baguette, wurden bildlich dargestellt. Das Wasser der Heiligen Ottilienquelle zog sich als roter Faden in „Werbepausen“ durch das Musical und sorgte immer wieder für Lacher, denn gegen Kopfweh, Verspannungen oder Völlegefühl gab es von der Ottilie die verschiedensten Mittelchen. „Heldenhaft auf dem Feld der Ehre gefallen“ - auch das erlebten die Zuschauer in den Schützengräben, in denen sich Deutsche und Franzosen unmittelbar gegenüber lagen. „Der Zufall entscheidet, wer stirbt oder nicht“. Und auch die Aussage „sie haben mehr gemeinsam, als sie trennt“, verdeutlichte die Sinnlosigkeit dieses Krieges.

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Der Autor des Stücks, Wolfgang Rogge, meinte dazu: „Wer gemeinsam isst und trinkt, singt und liebt, wird nicht mehr aufeinander schießen.“ Die Regisseurin Mariella Kiss-Mayer unterstreicht dies mit den Worten „Kinder sind unsere Zukunft – sie haben die Welt von morgen in der Hand und sollten stets wachsam sein, wenn die Mächtigen dieser Welt mit dem Feuer spielen.“ Umrahmt wurde die Veranstaltung durch eine sehr eindrückliche Bilderdokumentation im Foyer. Sie zeigt den Hartmannsweilerkopf vor 100 Jahren und die heutige Gedenkstätte in einer Gegenüberstellung. Die großartige schauspielerische Leistung der Stefan-Zweig-Musical AG wurde nach dem Finale „Jung, wild und frei“ mit minutenlangen Standing Ovations honoriert.

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Text/Fotos: Heike Scheiding-Brode