Das Ausstellungsprogramm der Städtischen Museen Freiburg steht Vorfreude auf Verlängerungen und Neueröffnungen:

Gifttiere im Museum Natur und Mensch, Spuk im Augustinermuseum und klassische Moderne im Museum für Neue Kunst Kükenschau muss nach 30 Jahren erstmals ausfallen.

Trotz der aktuellen Schließung blicken die Städtischen Museen Freiburg mit Zuversicht auf das Ausstellungsjahr 2021 und hoffen auf eine baldige Wiedereröffnung. Mehrere Ausstellungen, die im Vorjahr durch den Lockdown kaum oder gar nicht fürs Publikum geöffnet waren, gehen dann in die Verlängerung.

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Nur wenige der ursprünglich für 2021 geplanten Projekte verschieben sich dadurch ins Jahr 2022. Mit großem Bedauern muss das Museum Natur und Mensch allerdings die diesjährige Küken-Ausstellung absagen. Erst nächstes Jahr wird der flauschige Nachwuchs dort wieder flattern und piepsen.

Die spektakuläre Ausstellung „Der Schatz der Mönche – Leben und Forschen im Kloster St. Blasien“, die das Augustinermuseum gemeinsam mit der Erzdiözese Freiburg realisiert hat, war zwar pünktlich Ende November fertig, konnte aber bisher noch nicht öffnen. Der Leihgeber, das Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal, hat nun sein Einverständnis zur Verlängerung gegeben. Die kunsthistorisch herausragenden Stücke, vom edelsteinbesetzten Adelheidkreuz bis zum originalen Rubens-Gemälde, sind nun bis Sonntag, 19. September, anstatt nur bis Sonntag, 11. April, zu sehen.

Die Grafik-Ausstellung „Verwandlung der Welt – Meisterblätter von Hendrick Goltzius“ war im Oktober nur ein Wochenende lang geöffnet. Sie wird nun nicht, wie geplant, nach dem 31. Januar abgebaut, sondern bis Sonntag, 21. März verlängert.

Das Museum für Neue Kunst zeigt die im Oktober sehr erfolgreich angelaufene Ausstellung „Modern Love (or Love in the Age of Cold Intimacies)” bis Sonntag, 18. April. Ursprünglich sollte sie am 7. März enden.

Das Archäologische Museum Colombischlössle verlängert „Der römische Legionär – Weit mehr als ein Krieger“ ebenfalls bis Sonntag, 18. April und die Jubiläumsschau „freiburg.archäologie – Leben vor der Stadt“ bis Sonntag, 9. Januar 2022.

Vom Ei zum Küken Küken freigestellt

Mit großem Bedauern muss das Museum Natur und Mensch die alljährliche Küken-Ausstellung für 2021 absagen. Silke Stoll, Direktorin des Museums: „Diese Entscheidung ist für uns und unser treues, diesem Ereignis entgegen fieberndes Publikum sehr schmerzhaft. Normale Ausstellungen lassen sich so vorbereiten,
dass sie einfach öffnen können, sobald es wieder erlaubt ist. Bei den Küken geht genau das nicht. Denn die Bebrütung ist sehr zeitaufwendig und beginnt lange vor der Eröffnung. Danach wird kontinuierlich "nachgelegt". Sollte die Ausstellung nicht öffnen dürfen, könnten wir diesen Prozess nicht einfach stoppen. Das
würde einem verantwortungsbewussten Umgang mit lebenden Tieren widersprechen. Und dazu gehören auch die Küken, die noch nicht geschlüpft sind.“ Dafür lädt die Jubiläumsausstellung des ältesten Museums der Stadt „Ausgepackt! 125 Jahre Geschichte(n) im Museum Natur und Mensch“, nun bis Sonntag,
11. April zum Besuch ein. Nicht wie geplant 2021, sondern erst 2022 eröffnen die Ausstellungen „Freiburg und Kolonialismus: Gestern? Heute!“ im
Augustinermuseum und die Schau „Habalukke – Schätze einer vergessenen Zivilisation“ im Archäologisches Museum Colombischlössle.

Fest steht aber schon jetzt: Sobald sich die Museumstüren wieder öffnen, ist im Ausstellungsjahr 2021 von Langeweile keine Spur. Hier spukt es gewaltig, dort geht es giftig zu. Es wimmeln Emojis durchs Museum – und Klapperschlangen. Auch große Namen bringt das Jahr mit sich, von Picasso bis Kokoschka. Dabei ist
eines klar: Nicht nur Männer prägen und prägten die Geschichte und Kultur Freiburgs. Das zeigen sowohl die Werke mittelalterlicher „buochmeisterinne“ als auch die Porträts heutiger Freiburger Frauen.

Ausstellungsübersicht 2021
Bis 21. März 2021
Verwandlung der Welt – Meisterblätter von Hendrick Goltzius Haus der Graphischen Sammlung im Augustinermuseum Der niederländische Kupferstecher und Maler Hendrick Goltzius (1558–1617) war der erste Meta-Künstler der Grafik. Damals wie heute begeistern seine handwerkliche Virtuosität und seine kreativen Bilderfindungen. Anders als seine Zeitgenossen entwarf, stach und verlegte das Allround-Talent selbst. Seine Helden, Göttinnen und Himmelsstürmer huldigen dem menschlichen Körper und strahlen große Dynamik aus. In Kooperation mit der Kunstsammlung der Georg-AugustUniversität Göttingen.

Bis 11. April 2021
Ausgepackt! 125 Jahre Geschichte(n) im Museum Natur und Mensch Museum Natur und Mensch Seit 125 Jahren im Herzen der Stadt und ihrer Menschen: Das
älteste Museum Freiburgs feiert Jubiläum – Zeit auszupacken und hinter die Kulissen zu blicken. Expertinnen und Experten, Künstlerinnen und Künstler, Freundinnen und Freunde eröffnen 125 spannende, überraschende, kritische, lustige oder ganz persönliche Perspektiven auf 41 Objekte der Naturkunde und der
Ethnologie.

Bis 18. April 2021
Modern Love (or Love in the Age of Cold Intimacies) Museum für Neue Kunst Modern Love untersucht den Zustand von Liebe und intimen Beziehungen im Zeitalter von Internet, sozialen Medien, Neoliberalismus und Globalisierung. Die Ausstellung blickt auf die gesellschaftlichen Strukturen und beleuchtet die
Herausforderungen sowie die Möglichkeiten, welche Internet und soziale Medien für unsere intimen Beziehungen bereithalten. Kuratiert von Katerina Gregos, in Kooperation mit Tallinna Kunstihoone (Estland) und IMPAKT, Utrecht (Niederlande).

Bis 18. April 2021
Der römische Legionär – Weit mehr als ein Krieger Archäologisches Museum Colombischlössle Römische Legionäre prägten 200 Jahre das Leben am Oberrhein.
Ihre Hauptaufgabe war es, die Grenzen des Imperiums zu sichern. Doch was taten die Soldaten, wenn gerade kein Krieg war? Die jungen Männer kamen aus dem ganzen Römischen Reich, das zu Glanzzeiten von Ägypten bis Britannien reichte. Mit ihrem vielseitigen Spezialwissen brachten sie Neuerungen in Technik,
Bildung und Glauben, deren Einfluss bis in unsere Zeit reicht.

Legionär Römischer Helm Hagenau Claria

Bis 19. September 2021
Der Schatz der Mönche – Leben und Forschen im Kloster St. Blasien. Augustinermuseum In seiner fast tausendjährigen Geschichte entwickelte sich das
Benediktinerkloster St. Blasien im Schwarzwald zu einem herausragenden Ort der Wissenschaft und der Kunst. 1806, kurz vor der Säkularisation, brachten die Mönche ihre Schätze in Österreich im Stift St. Paul in Kärnten in Sicherheit. Nun kehrt die weltberühmte Sammlung in ihre Heimatregion zurück. In Kooperation mit der Erzdiözese Freiburg und dem Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten.

Bis 9. Januar 2022
freiburg.archäologie – Leben vor der Stadt Archäologisches Museum Colombischlössle Schon vor 16.000 Jahren haben Menschen am Tuniberg Rentiere
gejagt, in der Bronze- und Eisenzeit das Umland besiedelt und in der Spätantike an der Grenze zum Römischen Reich gelebt. Im dritten Jahrhundert nach Christus fanden Alamannen im Breisgau eine Heimat und weitere 400 Jahre später bestatteten die Merowinger hier ihre Krieger. Sie alle haben Spuren hinterlassen. Archäologische Funde vermitteln ein Bild vom Leben der Menschen in der Region. Wie diese sich veränderte, zeigt ein digital animiertes Geländemodell.

13. März – 13. Juni 2021
buochmeisterinne – Handschriften und Frühdrucke aus dem Freiburger Dominikanerinnenkloster Adelhausen Museum für Stadtgeschichte Die Frauen im mittelalterlichen Kloster waren auf vielfältige Weise „buochmeisterinne“. Bücher spielten für sie eine zentrale Rolle, sei es in Erziehung, religiöser Bildung und Liturgie oder in der Verwaltung. Aber welche Schriften gab es in Adelhausen und befreundeten Dominikanerinnenklöstern? Wer organisierte Anschaffung und Nutzung? Studierende der Germanistischen Mediävistik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gestalten die Ausstellung mit Exponaten von Stadt, Adelhausenstiftung und weiteren Leihgebern.

1. Mai – 26. September 2021
Spuk! Die Fotografien von Leif Geiges Haus der Graphischen Sammlung im Augustinermuseum Paranormale Phänomene faszinieren die Menschen schon immer.
Seit den 1950er Jahren werden sie in Freiburg wissenschaftlich untersucht. Der Fotograf und Bildjournalist Leif Geiges (1915– 1990) arbeitete lange mit dem Parapsychologen Hans Bender zusammen, Professor an der Universität und Gründer des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene. Das
beeindruckende Bildmaterial zeigt nachgestellte Spuk-Szenen oder magische Praktiken und Experimente zur außersinnlichen Wahrnehmung.

7. Mai – 12. September 2021
Piktogramme, Lebenszeichen, Emojis: Die Gesellschaft der Zeichen Museum für Neue Kunst Emojis sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Über
Messenger und soziale Netzwerke haben sie sich weltweit verbreitet und verändern als Bildzeichen jenseits von Sprache die Kommunikation. Doch woher kommen sie und welche Hoffnungen sind mit ihnen verbunden? Die Ausstellung erzählt die Geschichte des modernen Piktogramms von den Anfängen in den 1920er Jahren bis heute und zeigt, wie sich gesellschaftlicher Wandel und Gestaltung gegenseitig beeinflussen. In Kooperation mit dem Leopold-Hoesch-Museum Düren.

19. Mai 2021 – 23. Januar 2022
Tierisch giftig! Museum Natur und Mensch Auge in Auge mit der größten Giftschlange der Welt, der Königskobra, oder der giftigsten, dem Inlandtaipan – diese
Ausstellung macht es möglich! Skorpion, Vogelspinne, schwarze Witwe, sie alle haben eine Superwaffe: Gift! Seit Millionen von Jahren nutzen sie es, um sich vor Feinden zu schützen oder selbst Beute zu fangen. Aber wie gefährlich sind Klapperschlange und Co. eigentlich für uns Menschen? Neugierige beobachten
lebende Tiere, erforschen, wie unterschiedlich die Gifte wirken, und wie die Medizin sie nutzt.

MNM Tierisch giftig Blattgrüne Mamba

1. Oktober 2021 – 6. März 2022
Freundschaftsspiel. Horst und Gabriele Siedle-Kunststiftung : Museum für Neue Kunst Museum für Neue Kunst Mit Meisterwerken der Klassischen Moderne geht das Freiburger Freundschaftsspiel in eine neue Runde. Als Gast hat das Museum für Neue Kunst das Furtwanger Unternehmer- und Sammlerpaar Siedle eingeladen, das eine beeindruckende Sammlung aufgebaut hat. Für den gemeinsamen Auftritt steuert es Gemälde von Oskar Kokoschka, Fernand Léger, Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso bei.

13. Oktober – 5. Dezember 2021
In Gesellschaft. Freiburger Frauen* im Blick Museum Natur und Mensch Die Hälfte der Bevölkerung sind Frauen*. Auch in Freiburg. Was passiert, wenn sich viele von ihnen treffen? Über 100 Porträtfotos von Britt Schilling zeigen selbstbewusste Individuen in einem Clash aus Kulturen, sozialen Milieus, Altersgruppen und
Lebenswirklichkeiten. Die Ausstellung feiert ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede – es entsteht ein Abbild der modernen Stadtgesellschaft. Ein Projekt des Vereins Element 3 in Kooperation mit dem Museum Natur und Mensch. Gefördert durch die BadenWürttemberg Stiftung, das Kulturamt und das Amt für Migration und Integration der Stadt Freiburg.

30. Oktober 2021 – 4. Februar 2022
Johann Baptist Kirner. Der Blick des Zeichners Haus der Graphischen Sammlung im Augustinermuseum Meist spielt er sich ganz im Verborgenen ab, der kreative Prozess von der ersten Ideenskizze über Detailstudien bis zum fertig komponierten und fein ausgearbeiteten Kunstwerk. Das Haus der Graphischen Sammlung erlaubt nun einen ungewöhnlichen Blick in das Labor des virtuosen Zeichners Johann Baptist Kirner. Bleistift, Kreide, Aquarellpinsel oder Feder – gekonnt nutzt er
unterschiedliche Techniken. Eine großzügige Schenkung aus Familienbesitz ergänzt die Kabinettausstellung.

27. November 2021 – 27. März 2022
Johann Baptist Kirner. Erzähltes Leben Augustinermuseum Die Gemälde von Johann Baptist Kirner (1806–1866) sind so lebendig, dass man das Lachen der Kinder, das Weinen des Hirten und das Klirren der Gläser förmlich zu hören scheint. Sie erzählen vom Alltag im Schwarzwald und in Italien. Seine Karikaturen zeigen Künstlerkollegen in München und Rom. Die Ausstellung ist die erste umfassende Werkschau des einst berühmten badischen Hofmalers aus Furtwangen, der zu Unrecht in Vergessenheit geriet.

Quelle:Text/Bilder: Stadt Freiburg