Er dirigiert und spielt Beethoven: Chefdirigent und Pianist Lahav Shani mit seinem Rotterdam Philharmonic Orchestra im Festspielhaus Baden-Baden 

Groß sind die Fußspuren, in die der knapp 30 Jahre junge Lahav Shani getreten ist: Der Nachfolger von Valery Gergiev und Yannick Nézet-Séguin als Chef des Rotterdam Phiharmonic Orchestra präsentiert am Sonntag, 6. Oktober 2019, 17 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden Beethovens siebte Sinfonie sowie – selbst am Flügel sitzend – das Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur. 

Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Rotterdam Philharmonic Orchestra, erster Gastdirigent der Wiener Symphoniker und ab kommender Spielzeit Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra: Lahav Shani hat sich als einer der gefragtesten jungen Dirigenten etabliert und beeindruckt mit einer erstaunlichen Reife und natürlichen, instinktiven Musikalität. 

lahav shani kl05 c hans van der woerd 002Pianist Lahav Shani mit seinem Rotterdam Philharmonic Orchestra im Festspielhaus Baden-Baden c hans van der woerd

Ins Festspielhaus Baden-Baden bringt er einen reinen Beethovenabend, im Vorlauf zum Beethovenjahr an sich nichts Ungewöhnliches. Wird dabei ein Oboenkonzert angekündigt, wird der eine oder andere Musikfreund doch hellhörig: Ein Oboenkonzert von Beethoven? Und dazu noch ein so schönes! 1970 wurden Skizzen von Beethoven zu einem Oboenkonzert gefunden. Diese Skizzen konnten ergänzt werden und nun wird der Satz hier und da aufgeführt – so auch erfreulicherweise in dem Konzert am 6. Oktober; denn der Lyrismus dieser bezaubernden Musik lädt geradezu ein, dieses Werk mit Beethovens viertem Klavierkonzert zu kombinieren. Dieses verwandelt die Rokoko-Idylle des
 
 
 
 

 
 
Seite 2 von 3Oboenkonzerts in einen klassizistischen Garten. Das Werk beginnt ungewöhnlich: zurückgenommen, ganz ohne Orchester, mit einem lyrischen Klaviersolo. Bevor das Finale mit einem griechischen Bacchanal endet, erwartet den Hörer eine weitere Überraschung. Im langsamen zweiten Satz findet man die Brücke zum zentralen Thema der Herbstfestspiele, dem Orpheus-Mythos. Nach Angaben von Beethovens Freunden beschreibt der zweite Satz, das „Andante con moto“, den Dialog zwischen Orpheus (in der Klavierstimme) und den durch das Orchester intonierten Mächten der Unterwelt – ein Ausnahmesatz des Ausnahmekomponisten Beethoven.  Die orgiastischen Riten des Klavierkonzert-Finales werden in der anschließend gespielten siebten Sinfonie noch gewaltig gesteigert. Eine „Apotheose des Tanzes“ nannte Richard Wagner die 1817 vollendete Sinfonie. In diesen beiden Werken Beethovens hat die Antikenmode des Empire ihren musikalisch schönsten Ausdruck gefunden. Doch spiegelt Beethovens siebte Sinfonie nicht nur ihre Zeit wider, sondern blickt auch nach vorne. Die in ihr ausgearbeitete Idee, ein Werk ganz aus dem Rhythmus zu erschaffen, wird erst wieder im zwanzigsten Jahrhundert realisiert, in Igor Strawinskys berühmtem „Le sacre du printemps“.
 
Lahav Shani, 1989 in Tel Aviv geboren, begann seine Klavierausbildung mit sechs Jahren an der Buchmann-Mehta-Musikschule in Tel Aviv. An der Hochschule für Musik ‚Hanns Eisler‘ Berlin absolvierte er sein Dirigierstudium bei Prof. Christian Ehwald und ein Klavierstudium bei Prof. Fabio Bidini. Während seines Studiums unterstützte auch Daniel Barenboim seine Karriere.  Lahav Shanis Dirigentenkarriere nahm 2013 Fahrt auf, als er den Ersten Preis beim Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg gewann. Nur wenige Monate später eröffnete er die Saison des Israel Philharmonic Orchestra, mit dem er zuvor schon als Klaviersolist und Bassist aufgetreten war. Nach seinem Debüt im Mai 2015 wurde Shani in der Spielzeit 2017/18 zum Ersten Gastdirigenten der Wiener Symphoniker ernannt. Im September 2018 übernahm

 
 
Seite 3 von 3er die Position des Chefdirigenten des Rotterdam Ph ilharmonic Orchestra von Yannick Nézet-Séguin und wurde damit jüngster Chefdirigent in der Geschichte des Orchesters. In der kommenden Saison wird Lahav Shani zudem der Künstlerischer Leiter des Israel Philharmonic Orchestra – als Nachfolger von Zubin Mehta, der Shani vorgeschlagen hatte und damit seinen Posten als „weltweit dienstältester Chefdirigent“ aufgibt und in Shanis Hände legt. Als Gastdirigent folgte Lahav Shani u. a. Einladungen von London Symphony Orchestra, Tonhalle-Orchester Zürich, Budapest Festival Orchestra, Boston Symphony, Philadelphia Orchestra, den Wiener Philharmonikern und der Staatskapelle Dresden. Shani hat außerdem reiche Erfahrung im Kammermusikspiel und gastiert international bei Festivals wie dem Festival d’ Aix-en-Provence und beim Verbier Festival. 
 
Rotterdam Philharmonic Orchestra  2018 feierte eines der führenden Orchester Europas seinen 100. Geburtstag: Das Rotterdam Philharmonic Orchestra, bekannt für seine energiegeladenen Auftritte, für hochgelobte Einspielungen und innovative Ansätze. Gegründet wurde der Klangköper 1918 von einer Gruppe von Musikern, der „Society of Profesional Musicians for Mutual Cultivation of the Arts" gegründet. In den 1930er Jahren entwickelte Eduard Flipse das Orchester zu einem der herausragenden Klangkörper der Niederlande und blieb über 30 Jahre dessen Chefdirigent. Unter der Leitung von Jean Fournet und Edo de Waart erlangte das Rotterdam Philharmonic auch internationale Bedeutung. Eine neue fruchtbare Ära begann, als Valery Gergiev das Amt des Chefdirigenten antrat, 2008 gefolgt von Yannick Nézet-Séguin. Mit der Saison 2018/19 trat Lahav Shanian ans Pult.
 
Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de