Region im Blick im Interview mit „von Welt“- Warten ist eben nicht so unser Ding“

Sie sind jung, kreativ, kommen aus dem Schwarzwald und in Sachen Musik gibt es hier richtig was auf die Ohren.

Die Rede ist „von Welt". Die Jungs sind schon lange kein Geheimtipp mehr und weit über die Region hinaus bekannt. Von gängigen Formaten hat sich die Regio Band verabschiedet und mit ihren Kopfhörerkonzerten, hat „von Welt "schon viele Fußgängerzonen in Europa bespielt.

Bild 3 Moritz Schredervon Welt / Fotograf: Moritz Schreder

Ende Juli 2020 haben die Jungs aus dem Schwarzwald ihr Debütalbum “Schwarz“ veröffentlicht und sind seit August auf Platz 35 in den Deutschen Albumcharts gestiegen. Die Band um Sänger und Gitarrist Nicolas Kuri, Gitarrist Steffen Engler, Bassist Nicolai Hoch und Schlagzeuger Patrick Moser touren seit Herbst 2015 durch Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz. Mit ihren tiefsinnigen ,nachdenklichen Texten über Probleme, Gefühle, Ängste, das Leben und ihren .„Stillen Konzerten "setzen „von Welt "außergewöhnliche musikalische Maßstäbe. Selbst die Macher der Daily Soap „Gute Zeiten schlechte Zeiten "wurden auf die vier Jungs aus dem Schwarzwald aufmerksam und verschafften ihnen einen Auftritt in der Serie. Ihre Musik ist rockig, spannend und dennoch lassen sie sich in keine Musik – Schublade zwängen. Im Interview mit Region im Blick stellt "von Welt "sich den Fragen nach Authentizität, Inspiration und die DNA ihrer Songs.

Bild 1 Fotograf Jonas Liedelvon Welt / Fotograf: Jonas Liedel

Wie lange macht ihr schon zusammen Musik und wo habt ihr euch so lange versteckt?

Nicolai Hoch: Im Sommer 2013 haben wir begonnen zusammen zu musizieren. Wir haben am Konzept VON WELT (Bandname, Corporate Identity, etc.) geschraubt und waren mehrere Wochen in Hamburg um unsere EP „Milliardenstadt“ zu produzieren. Im Herbst 2015 folgten dann die ersten Liveshows, unter anderem auch mit unserem Konzept der "Stillen Konzerte“. Das sind Kopfhörerkonzerte, bei denen man ohne einen Kopfhörer, lediglich leises klacken und den Gesang des Sängers hört. Dieses Konzept hat uns national und international eine hohe Beachtung eingebracht und uns unter anderem in Fernsehsendungen, wie z.B. GZSZ stattfinden lassen. Seit dem Mai 2019 veröffentlichen wir alle 4-6 Wochen Singles, welche jetzt mit zusätzlichen Songs auf unserem Debütalbum „SCHWARZ“ gelandet sind.

Von Welt – das heißt jede Menge Deutschrock mit tiefsinnigen Texten über das Leben. Wo reiht ihr euch da selbst ein ?Was ist die DNA eines von Welt-Songs – wie würdet ihr sie beschreiben?

Nicolai Hoch: Einreihen ist nicht unsere Art. Wir sind ungeduldig und stehen nicht gerne an, sondern machen unser eigenes Ding und finden schnell Lösungen anstatt zu lange zu warten (Beispiel Stille Konzerte). Ein VON WELT Song muss sich für uns richtig anfühlen, darf nicht gestellt sein und muss möglichst Spaß beim live spielen machen. Textlich singen wir von den Problemen, Gefühlen, Ängsten und Aktualitäten unserer Generation.

Es wird immer schwieriger, mit der Musik Geld zu verdienen. Die Digitalisierung vernichtet die CD-Verkaufszahlen. Ihr veröffentlicht eure Songs nach und nach im Streaming! Warum?

Nicolai Hoch: Da wir so jedem einzelnen Song mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen können. Somit performen die Songs bis zur Veröffentlichung des Albums allein und nicht als Albumkonstrukt. Das macht es ja so spannend. Da nicht alle Songs ähnlich sind, schauen wir immer ganz genau hin, welcher Song denn wie bei unseren Zuhörern und Zuhörerinnen ankommt. Außerdem würde es für uns keinen Sinn ergeben, direkt ein Album auf den Markt zu schmeißen, wenn keiner die Band bzw. die Songs kennt. Mit dieser Strategie konnten wir nun „SCHWARZ“ auf Platz 35. der offiziellen deutschen Charts platzieren, was für eine unabhängige Band wie uns natürlich mehr ist, als dass wir uns erträumen konnten.

Bild5 Jonas Liedelvon Welt / Fotograf: Jonas Liedel

Ihr habt außergewöhnliche Maßstäbe mit euren Kopfhörerkonzerten gesetzt. Wie kommt man darauf?

Nicolai Hoch: Wir waren es leid uns als damals junge und unbekannte Band bei irgendwelchen Veranstaltern anbiedern zu müssen und darauf zu warten, dass die Gunst eines Einzelnen darüber entscheidet ob man spielt oder nicht. So brachten wir die Musik zu den Leuten, anstatt darauf zu hoffen, dass man die Leute zur Musik bringt. Wir haben mit den Stillen Konzerten bereits in ganz Europa (DE, AU, CH, FR, IT, ESP, NL, BEL, etc.) und konnten dadurch an und auf Plätzen spielen an denen sonst wenig andere Bands spielen. Beispielsweise auf den Ramblas in Barcelona, vor dem Brandenburger Tor, auf einer Burgruine, vor dem Triumphbogen in Montpellier.

Auch bei euren Songs gibt es eine gewisse Ohrwurmtauglichkeit. Ist das für eine Band ein Kompliment oder ist das wie in der Kunst: viel zu profan?

Nicolai Hoch: Wir nehmen das als Kompliment. Wenn den Leuten, die unsere Musik hören oder live sehen die Songs und damit auch die Texte im Kopf bleiben, dann hat man als Band doch alles richtig gemacht, oder?

Wer schreibt bei euch die Songs und Texte? Seid ihr beim Schreiben gleichberechtigt und wird in der Band viel über die Texte diskutiert?

Nicolai Hoch: Die Musik entsteht im Bandkonstrukt. Die Texte entstammen fast immer dem Kopf unseres Sängers Nicolas Kuri.
Wir diskutieren generell viel und auch die Texte werden akribisch besprochen und bearbeitet.

Bild 2 Fotograf Moritz Schredervon Welt /Fotograf: Moritz Schreder

Muss man alles, über das man singt, selbst durchlebt haben, um authentisch zu sein?

Nicolai Hoch: Man muss es nicht alles 1 zu 1 erlebt haben. Am Beispiel unseres Songs „Verschwende deine Jugend“ müssten wir ja dann alle bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein. Das blieb uns zum Glück bisher erspart. Man sollte die richtige Attitüde und das Gefühl haben um seine eigenen Texte richtig rüberbringen zu können um den/die Zuhörer*in mit auf die Reise nehmen zu können.

Wie würdet ihr die musikalische Entwicklung „von Welt“ beschreiben?

Nicolai Hoch: Anfangs waren wir noch , will heißen, dass die Produktionen unserer Songs noch nicht das waren, was sie jetzt sind. Daran hat vor allem Christoph Wieczorek, unser Produzent aus Halle an der Saale, einen großen Anteil. Da er aus der Metalecke kommt, wurden die Gitarren fetter und das ganze Soundbild düsterer, genauso wie wir es wollten. Wir werden mit unserer Musik und unseren Fans erwachsen.

Wenn man sich so gut kennt, aber zugleich kreativ sein will, kann das auch hemmen, im Sinne von Routine?

Nicolai Hoch: Natürlich gibt es Momente, in denen das Bandkorsett zu eng sein kann, aber eine gute Kommunikation untereinander und das nötige Verständnis für seine Mitmusiker und Freunde sind da das A und O. Nur so kann ein so zerbrechliches Konstrukt wie eine Band funktionieren. Und bei dem, was wir in den letzten Jahren alles erleben durften, sollte uns noch lange die Kreativität ausreichen.

Habt ihr jemals darüber nachgedacht, auf Englisch zu singen?

Nicolai Hoch: Nein, Von uns war von Anfang an klar, dass VON WELT ein deutschsprachiges Projekt wird.

Bild 4 Jonas Liedelvon Welt / Fotograf: Jonas Liedel

Hattet oder habt ihr musikalische Vorbilder?

Nicolai Hoch: Jeder von uns hat seine Helden und Heldinnen von früher, Bands oder Künstler*innen die er jetzt feiert oder Musik, die ihn inspiriert. Erfrischender Weise haben wir da alle teils ähnliche und teils komplett verschiedene Geschmäcker. Das kann man sich auf Spotify z.B. anhören, da haben wir Playlists erstellt, mit Musik, die wir jeweils gut finden.

Mit welchem Künstler oder welcher Band würdet ihr gerne mal auf der Bühne stehen? Wer inspiriert euch?

Nicolai Hoch: Inspiration für unser Album „SCHWARZ“ haben wir im Schwarzwald gefunden. Diese Dunkelheit, diese Mystik und das Märchenhafte und Unbekannte hat uns über den Zyklus des Songwriting sehr begeistert und neugierig gemacht. Auch die Gespräche mit Fans nach den Shows geben einem immer wieder Futter für die Storys um die Texte. Ich glaube jeder von uns hat da so seine Favoriten, mit denen er gerne die Bühne teilen würde. Aktuell sind es gar nicht unbedingt die Mega großen Stars, sondern eher unglaublich gute Livebands, wie z.B. Don Broco, Kensington, Normandie und Yungblud. Falls sich Oasis wiedervereinigen sollten, können sie uns aber auch gerne anrufen :)

Gibt es ein bestimmtes Ritual vor euren Auftritten?

Nicolai Hoch: Jeder hat da für sich seine kleinen, rituellen Abläufe. Während unser Intro startet, machen wir gemeinsam hinter der Bühne noch den, Schüttelhit“. Wir klatschen mit der Crew ab, singen einen kleinen Mehrzeiler und trinken ein kleines Glas mit klarem Wasser :)

Was fasziniert euch daran, auf einer Bühne zu stehen?

Nicolai Hoch: Dieses Gefühl muss wohl einem Drogentrip gleichkommen. Man ist so voller Endorphine und Adrenalin, dass man alles um sich herum vergisst. Während der Show anderes als dieser Moment. Diese Erfahrung ist jedes Mal aufs Neue unglaublich und keiner von uns möchte das missen. An dem Tag, an dem sich das alle völlig normal und neutral anfühlt, hänge ich meine Saiten an den Nagel. Eins mit dem Publikum vor der Bühne zu sein ist das schönste Gefühl der Welt.

Was ist für die Zukunft geplant? Welche Ziele habt ihr euch gesetzt?

Nicolai Hoch: Dass wir mit „SCHWARZ“ um einiges besser als erwartet in die Charts eingestiegen sind, zeigt, dass es da draußen wohl doch eine Menge Leute gibt, die sich mit uns und unserer Musik identifizieren können. Dieses Wissen und unsere Lust auf mehr sollten schon bald zu Neuem führen. Es wird noch 1-2 Videos des Albums geben und hoffentlich bald auch schon wieder neue Konzerte. Bis dahin fällt uns bestimmt noch die ein oder andere Aktion ein.
Warten ist eben nicht so unser Ding.

Mehr unter: https://www.vonwelt.de/

Text: Daniela Hiebel (RiB) / Nicolai Hoch
Bilder:Jonas Liedel und Moritz Schreder