Es ist die Chance für viel Positives

In diesen unruhigen Zeiten, die gerade im Schatten des Corona-Virus stehen, gibt es mittlerweile keinen Lebensbereich mehr, der von den aktuellen Umständen nicht betroffen ist.

Eine der Branchen, die ganz besonders von den Auswirkungen tangiert wird, ist die Veranstaltungsbranche. Hierzu konnten wir uns mit Lothar Böhler austauschen, der einerseits als etablierter Veranstalter mit seiner Firma artmedia - management & more GmbH aber andererseits als Künstler mit seiner Band Feldberger auch die Konsequenzen der Krise zu spüren bekommt. 

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Wie haben Sie die vergangenen Wochen erlebt?

Lothar Böhler: Wir befinden uns gerade in einer aufgewühlten Zeit und haben turbulente Wochen hinter uns. Mit einem wachsamen Auge beobachteten wir die Entwicklung bezüglich des Virus schon seit Mitte Februar. Wir waren zu der Zeit gerade in der Endphase unserer Tourneevorbereitungen, denn bei uns standen im März und April zwei Tourneen und viele sonstige Konzerte auf dem Plan. Ein ganz bedeutender Tag war bei uns, als Südtirol am 6. März offiziell zum Krisengebiet deklariert wurde. Wir hatten noch 4 Tage bis zum Tourneestart der "Südtiroler Heimatsterne" und uns war klar, wir können diese Konzerte nicht „auf die Bühne bringen“ und mussten nun schnell reagieren. Die komplette Tournee mit Grand-Prix-Sieger Oswald Sattler & Co. war komplett zu verschieben. Es hatte alles schnell zu gehen: mögliche Ersatztermine mit den Künstlern suchen und diese mit den Hallenkapazitäten abgleichen. Nachdem alles vertraglich geregelt war, war es uns wichtig, die Fans und die Pressepartner so schnell als möglich zu informieren, damit nirgends eine Unsicherheit bezüglich der Konzerte entsteht.

Die Entwicklung in Deutschland spitzte sich dann zu, so dass mittlerweile die Durchführung von Veranstaltungen sogar offiziell verboten wurden.

Lothar Böhler: Deshalb mussten wir nun auch noch die weiteren Tourneen und Konzerte, u. a. mit Hansi Hinterseer verschieben.

Wie waren die Reaktionen der verschiedenen Partner? Gab es Überraschungen?

20200321 DSC8295 31584805169511Lothar Böhler: Es hat uns überrascht, dass bei all den vielen Aktionen überall sehr großes Verständnis gezeigt wurde. Einerseits waren all die Künstler, mit denen wir schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten, ohne Ausnahme sofort bereit, gemeinsam mit uns nach Lösungen und neuen Terminen zu suchen. Die Ansprechpartner der örtlichen Hallen sowie unser exklusiver Technikpartner B&HP Weißhaar waren ebenfalls allesamt höchst kooperativ und dadurch konnten wir sehr schnell die bestehenden Termine auf neue Daten umterminieren. Ein großes Lob gilt aber auch insbesondere den Fans, die durchweg die Terminverschiebungen mitgetragen haben. Bis auf wenige Ausnahmen werden alle Kartenkäufer die neuen Termine wahrnehmen. Überraschend waren für uns die zahlreichen positiven Stimmen, die uns erreichten. Auffällig viele Fans und Partner haben uns Dank ausgesprochen für unsere Arbeit und aufmunternde Zeilen gesendet, mit denen sie uns ihre Unterstützung signalisieren wollten. Symbolisch war das Schreiben einer Dame, die Karten im Wert von knapp 90 EUR gekauft hatte aber den Ersatztermin nicht wahrnehmen kann. Sie wollte das Geld nicht zurückerstattet haben und somit unsere Arbeit in dieser Zeit unterstützen.
Inwiefern trifft es Sie persönlich? Für uns ist bis jetzt noch kein wesentlicher Schaden entstanden, da wir glücklicherweise alle Konzerte so umorganisieren konnten, dass es nahezu keine Absagen gab. Die letzten Wochen waren sehr arbeitsintensiv und wir haben im Team nahezu rund um die Uhr daran gearbeitet, dass wir alles professionell abwickeln. Unser großes Ziel war es, dass wir in dieser unruhigen Zeit bei den Fans und Partner weiterhin das Vertrauen behalten. Da ich als Geschäftsführer eine Firma leite, die sich seit mittlerweile 20 Jahren in der Unterhaltungsbranche eine Marke aufgebaut hat, sind die Gedanken natürlich ständig bei diesem Thema. Ich bin mir aber sicher, dass – sofern die Krise zeitnah überwunden wird – es danach positiv weitergeht. Jede Krise birgt auch viele Chancen in sich. Gleichzeitig bin ich noch als Künstler mit der Band Feldberger unterwegs. Hier hat es mich insofern getroffen, dass wir von externen Veranstaltern für einige Konzerte gebucht waren, die verschoben werden mussten.

Wie sehen Sie die Krise für die Branche?

Lothar Böhler: Ich denke, keiner kann im Moment sagen, was es genau für die Branche für Auswirkungen haben wird. Für viele Kollegen, seien es Künstler, Veranstalter oder Techniker, ist in den letzten Wochen durch die Veranstaltungsabsagen die komplette Existenzgrundlage weggebrochen. Teilweise wurden jetzt schon Aufträge für mehrere Monate storniert. Es tut natürlich im Herzen weh, wenn man sieht, wie hier Freunde und Kollegen um ihre Existenz bangen, die sie seit vielen Jahren aufgebaut haben und die ihren Job mit Herzblut leben. Teilweise Freunde, die seit Jahren als Künstler auf der Bühne alles geben um Menschen glücklich zu machen oder als Techniker immer dafür sorgen, dass sich die Künstler jeden Abend auf der Bühne wohlfühlen – genau diese stehen nun vor einer ihrer größten Herausforderungen. Ich hoffe von Herzen für die Branche, dass in absehbarer Zeit ein Ende der Krise in Sicht ist.

Haben Sie Verständnis für die restriktiven Maßnahmen der Behörden?

Lothar Böhler: Mir waren zu Beginn das Ausmaß und die Dramatik nicht bewusst. Als ich mich dann konkret mit den Fakten und Zahlen befasst habe, wurde mir klar, dass es das einzig richtige ist, die sozialen Kontakte zu unterbinden und habe hier vollstes Verständnis. Da es einfach zu viele Menschen gibt, die keine Weitsicht haben und nicht auf Empfehlungen der Regierung hören, hätte ich mir letztendlich sogar eine strikte Ausgangssperre gewünscht, um den Virus schneller inden  Griff zu bekommen.

Wie sieht – nach den vielen Veranstaltungsabsagen/-verschiebungen Ihr beruflicher Alltag aus?

Lothar Böhler: Wie schon gesagt, hatten wir durch die Verschiebungen natürlich allerhand zu tun. Gleichzeitig planen wir gerade insbesondere für das kommende Jahr 2021 schon wieder viele Tourneen und Konzerte, die wir derzeit vorbereiten. In der „veranstaltungslosen“ Zeit haben wir uns auf die Fahne geschrieben, dass wir trotzdem einen engen Kontakt mit den Fans halten möchten. Neben regelmäßigen Newslettern an knapp 100.000 Fans und Freunde, in denen wir über unsere Aktivitäten berichten, halten wir die Fans täglich über die sozialen Medien auf dem Laufenden. Wir produzieren Videotrailer und machen täglich zahlreiche Postings via Instagram und Facebook. Aktuell stand gerade ein Gewinnspiel auf unserer Agenda, bei dem es ein Treffen mit dem Lieblingskünstler zu gewinnen gab. Über diese Aktionen möchten wir dem Fan zeigen, dass wir gerade auch jetzt da sind. Die vielen positiven Rückmeldungen bestärken uns in unserem Tun und spornen uns an, noch viele Aktionen zu starten.

Hat diese Zeit auch etwas Positives?

Ganz besonders hat mich bewegt, dass unser Team in den letzten Wochen noch enger zusammengerückt ist. Wir haben alle an einem Strang gezogen und rückblickend Dinge bewegt, die schier unmöglich sind. Dafür kann ich meinem Team nur meinen Dank aussprechen – das ist mit Geld nicht zu bezahlen.
Man sollte aber gerade auch in solchen Zeiten sehen, dass sie viele Chancen mit sich bringen – wichtig ist, dass man auch das Positive sieht. In solchen Momenten lernt man, auf welche Partner man bauen kann und mit wem man in Zukunft noch enger zusammenarbeiten möchte. Freundschaften, für die man oft zu wenig Zeit hatte, bekommen die Chance, dass man Zeit für sie nimmt. Künstler werden kreativ und geben für die Fans exklusive Wohnzimmerkonzerte oder spielen auf ihrem Balkon für die Nachbarschaft. Durch die vielen Konzertabsagen sind viele Zeiträume entstanden, in denen alle kreativ sein können, sich Gedanken über bestehende Prozesse, Optimierungen und viele neue Ideen machen können. Aus meiner Sicht hat alles im Leben etwas Positives - Die Krise gibt uns die Möglichkeit, auch neue Wege zu gehen und Chancen zu erkennen.