Der März steht bekanntlich ganz im Zeichen der „Frau“. Wir haben am 8. März den Internationalen Weltfrauentag und bis zum 18. März arbeiten Frauen in der Regel umsonst.

Der equal pay day (EPD) markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Lohnlücke in Deutschland gemessen am Durchschnittsbruttostundenlohn 21 Prozent (2016) betrug. Umgerechnet ergeben sich 77 Tage (21 Prozent von 365 Tagen) und das Datum des nächsten EPD am 18. März 2018. Nach wie vor belegt Deutschland mit diesem Ergebnis einen der Spitzenpositionen im europäischen Vergleich.  Die Lohnlücke hat sich in den letzten Jahren kaum geändert. Die Zahlen wirken wie in Stein gemeißelt.

Und noch etwas findet im März statt, die SPD-Frauenpreisverleihung, die am 11. März im alten Emmendinger Rathaus gefeiert wurde. Bekommen hat diesen Preis eine ganz besondere Frau im Landkreis Emmendingen: Hannelore Reinbold Mench, Bürgermeisterin der Gemeinde Freiamt. 
Die AsF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen) im Kreis Emmendingen hatte zur diesjährigen Frauenpreisverleihung eingeladen, auch mit dem Hintergrund, dass  dieses Jahr auf 100 Jahre Frauenwahlrecht zurückgeblickt werden kann.

100 Jahre Frauenwahlrecht und 10 Jahren Frauenpreisverleihung

FrauenwahlrechtAuf das Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“, ging Carola Euhus, 2. Vorsitzende der AsF im Kreis Emmendingen, näher ein.
Am 30. November 1918 trat das Reichswahlgesetz mit dem aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Am 19. Januar 1919 konnten die Frauen dann in Deutschland reichsweit wählen und gewählt werden. Es fanden allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlen zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung statt. Von 423 Abgeordneten waren nach der Wahl 37 Frauen gewählt worden. Kandidiert hatten allerdings 300. Als erste Frau in der Weimarer Nationalversammlung sprach die Sozialdemokratin Marie Juchacz aus Berlin folgende Worte: „ich möchte feststellen,…, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was die Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.

„Das Jahr 2018 steht für uns in der AsF, ganz im Zeichen des 100jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts mit verschiedenen Veranstaltungen“, betonte Euhus.
2019 stehen wieder Kommunalwahlen an. „Gerade für uns Frauen war mit der Errungenschaft des Wahlrechts erst ein Anfang für Frauen in der Politik, mit der Politik gemacht“, erklärte sie.
Noch immer sei der Anteil an Frauen, auch in der Politik, nicht zufriedenstellend. Woran mag das liegen? Wie kann es gelingen Frauen dazu einzuladen sich auf der politischen Bühne sichtbar zu machen? Die AsF im Kreis Emmendingen hat sich schon kurz vor den Bundestagswahlen 2017 intensiv mit dem Thema befasst und ist zu dem Schluss gekommen, die Frauen da abzuholen, wo sie meist immer noch Politik machen. Im Verborgenen….

Jeder kennt das: Wichtige Gespräche oder Entscheidungen finden am Küchentisch statt. Das Problem liegt auf dem Tisch, gemeinsam sucht „Frau“ nach Lösungen … nur … gehört werden sie hier nicht wirklich…
„100 Jahre Frauenwahlrecht und der Möglichkeit auch als Frau in der Politik eine Sprache für Frauen zu sprechen, bedeutet letztendlich, Frauenrechte sichtbar zu machen, zu verbessern und damit die Gleichberechtigung in allen Bereichen herzustellen“.

Laudatio von Sabine Wölfle

euhus wölfle hannelore„Sie ist ja längst eine Institution in unserem Landkreis und seit 2001 Bürgermeisterin einer sehr spannenden Gemeinde, nämlich aus unserem schöne Freiamt“, begrüßte die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle. Wer Bürgermeisterin Reinbold-Mench im Gespräch erlebe, spricht mit einer Frau, die sehr mit sich im Reinen ist, die weiß, dass sie genau am richtigen Ort und in der richtigen Funktion ist. Authentisch, engagiert und höchst anerkannt auch von ihren Bürgermeisterkollegen aber auch als Kreisrätin im Kreistag.
Als studierte Juristin mit Schwerpunkt Familienrecht und Insolvenzrecht habe sie den pragmatischen Blick einer Juristin aber auch die emphatische Seite einer Frau, die Gefühl und Sachlichkeit miteinander verbinden kann. 1994 wurde sie Gemeinderätin in Freiamt und war sofort Feuer und Flamme für diese ehrenamtliche Tätigkeit. Rückblickend sagt Hannelore Reinbold-Mench: „ Es hat wahrscheinlich mit einer nicht funktionierenden Straßenlaterne angefangen und danach wollte ich mich einfach aktiv engagieren“. Bereits zwei Jahre später wurde sie stellvertretende Bürgermeisterin und es war dann auf ihrem weiteren Weg folgerichtig, dass sie auch 1999 in den Kreistag gewählt wurde.

Kritisch – konstruktiv - hinterfragend

„Wer sie politisch aber auch menschlich bewerten würde, könnte die Person Hannelore Reinbold-Mench mit drei Attributen beschreiben: kritisch - konstruktiv - hinterfragend“, so sagte Wölfle.
So agiere sie auch heute als Bürgermeisterin, die mit ihrem Gemeinderat gestalten will und die Gemeinde gemeinsam mit allen Akteuren weiterentwickeln möchte. Vom Ehrenamt ins Hauptamt wechselte sie 2001, als sie zur Bürgermeisterin gewählt wurde. Ihr Credo: in der Kommunalpolitik schaut man nach vorne und nicht nach hinten und deshalb war der Schritt von der Gemeinderätin zur Bürgermeisterin für sie auch folgerichtig. Auch in ihrer jetzt 3. Amtszeit ist für sie der Reiz ihres Amtes, dass eine Gemeinde nie fertig mit ihrer Entwicklung wird und es immer wieder nach vorne weitergeht, mit neuen Herausforderungen, welche sie persönlich auch nach diesen vielen Jahren immer noch als sehr spannend empfindet.

Wenn Hannelore Reinbold-Mench sich Gedanken über die Zukunft von Freiamt macht, stellt sie sich drei Fragen: Wo gehen wir hin? Wo wollen wir hin? Was wird aus diesem Ort?
Immer auf der Suche nach neuen kommunalen Herausforderungen, aber immer kommunikativ mit ihren Freiämter Bürgerinnen und Bürgerin ist sie noch immer jeden Tag neugierig auf das vor ihr Liegende. Ihre Familie ist zurecht stolz auf sie und unterstützt Sie.

Frauen in der Politik

Hannelore reinbold mench„Frauen in der Politik: leider noch immer eine Seltenheit. Frau Reinbold-Mench ist zwar die einzige weibliche Bürgermeisterin im Landkreis Emmendingen, aber sie hat durch ihr Beispiel und ihren Werdegang anderen Frauen den Weg geebnet und Mut gemacht, ihr zu folgen. Jetzt gibt es deutlich mehr Frauen im Freiämter Gemeinderat“, betont die Landtagsabgeordnete.
Hannelore Reinbold-Mench ist aber auch als Bürgermeisterin eine Vertreterin einer viel zu kleinen Gruppe von Frauen. Unter den fast 1.100 hauptamtlichen Bürgermeistern im Land sind nur 80 Frauen, nur ca. 7 % der Bürgermeisterwahlen werden von Frauen gewonnen. Das hört sich dann aber auch so an, als würden sie männlichen Bewerbern unterliegen. In der Tat haben aber auch nur 9 % Frauen sich beworben. Die Zahl zeigt aber auch, dass wenn Frau sich bewirbt, sie auch gute Chancen hat. Hannelore Reinbold-Mench habe sich aber auch losgelöst von der Frage Mann oder Frau auf den Weg gemacht. Sie wollte es so, sie wollte sich engagieren, mitreden und mitgestalten.

Kraft und Ruhe geben ihr aber nicht nur die Familie, auch ihre Hobbys sind für sie ein guter Ausgleich, wenngleich man hier nicht unbedingt von Entspannung und Ruhe sprechen kann. Sie ist 2.Vorsitzende des Naturparks Südschwarzwald und mit diesem Amt verbindet sie dann auch ihre Liebe zur Natur, zum Wandern und für den Garten - Sie selber nennt das „ aufräumen“.
Sie ist verwurzelt in Ihrem Freiamt und die Bürgerinnen und Bürgern zeigen ihr das auch, zuletzt mit einem Traumergebnis von 99,31 %  bei ihrer 3. Wahl im Mai 2017.
Ihre lange Erfahrung in der Kommunalpolitik als ehrenamtliche Gemeinderätin und als Bürgermeisterin haben ihr aber auch deutlich gemacht, warum es noch immer zu wenige Frauen gibt. Sie fordert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und aufgrund ihrer eigenen positiven Erfahrung wünscht sie sich, dass mehr Ehepartner Verantwortung übernehmen um ihren Frauen diesen Weg leichter zu machen. „Liebe Frau Reinbold-Mench, sie sind nicht nur eine beliebte und hoch anerkannte Bürgermeisterin, die in ihrer Gemeinde die vielfältigsten Aufgaben zu lösen hat , sondern Sie sind eine Persönlichkeit die Eindruck macht“, zollte Wölfle Respekt. Für die SPD-Frauen war gleich klar: sie verdient diesen Preis nicht nur für ihre Arbeit, sondern weil sie ein hervorragendes Beispiel ist, dass Frauen sich auf den Weg machen können wenn sie die Überzeugung haben, etwas verändern zu können.

Kritisieren ist einfach…

FamilieHannelore Reinbold-Mench dankte für die besondere Würdigung, so im Fokus stehen, ist nicht ihr Ding, denn „das, was ich mache und wie, ist für mich seit vielen Jahren selbstverständlich“.
Sie verstehe allerdings nicht, warum bei einem Bevölkerungsanteil von mehr als 50% der Anteil an Frauen in politischen Gremien so gering sei. Im Kreistag 18%, in den Gemeinderäten im Landkreis 25% und im Gemeinderat Freiamt 35%. Sie hinterfragte, ob Frauen überhaupt eine reelle Chance haben und ob Frauen überhaupt Frauen wählen.
„Ehrenamtlich kommunalpolitisch aktiv zu sein, das ist der konstruktive Beitrag zur Gestaltung des Lebensumfeldes, kritisieren ist einfach, aber zu überlegen, wie es anders gehen könnte, Mehrheiten zu finden – das ist das Interessante“. Ihr Ehemann Karl habe einst den Ausschlag gegeben, weil er nicht kandidieren wollte, aber befand, dass seine Frau das machen sollte. „Unser Sohn war drei Jahre alt, das Haus fast fertig gebaut und ich arbeitete als Rechtsanwältin“.

„Auch wenn nicht alle Sitzungen vergnügungssteuerpflichtig sind, so bereue ich es bis heute nicht, mich einbringen zu können“. Wichtig sei für sie, sich selbst treu zu bleiben, so zu sein, wie man ist und sich nicht um einer Sache willen, sich selbst oder anderen etwas vorzumachen. Sie sei dankbar für die Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre und dankbar für den Rückhalt innerhalb der Familie. Sie dankte für die Auszeichnung und so, wie Hannelore Reinbold-Mench  die Menschen im Blick hat, so war auch von Anfang an klar, dass Sie das mit dem Preis verbundene Preisgeld an jemanden in Freiamt spendet. Hier unterstützt sie Lilly Schillinger, um zu helfen. Das Freiämter Mädchen leidet an einer extrem seltenen und tödlich verlaufenden genetischen Krankheit namens GAN, die bisher unheilbar schien. Doch dank der Initiative betroffener Eltern wurde 2008 in den USA eine Stiftung ins Leben gerufen, die die Forschung vorantrieb. Inzwischen gibt es mit einer neuartigen Gentherapie erste Behandlungserfolge. Die sechsjährige Lilly aus Freiamt, bei der Ende 2016 die Krankheit festgestellt wurde, hat die besten Voraussetzungen für eine Behandlung und wartet derzeit auf den Termin für die Therapie in den USA.