Ihr Kindheitstraum, einmal Prinzessin zu sein hat sich, soviel einmal vorweg, erfüllen können.

Manuela Krayer sektNämlich als Breisgauer und später als Badische Weinprinzessin. Das ist aber nur ein Bruchteil dessen, warum es heute um Manuela Krayer geht.

Seit Juli 2007 ist sie nämlich, als erste und einzige Frau in Baden, Vorstandsvorsitzende der Winzergenossenschaft Mundingen-Landeck eG. Wenngleich sie „nie irgendwo den 1. Vorsitz übernehmen wollte“ – aber es kam anders als gedacht. „Man sollte eben niemals „nie“ sagen“, schmunzelt Manuela Krayer. Als sie nämlich gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, den Vorsitz zu übernehmen, war sie zwar überrascht, schloss es aber nicht grundsätzlich aus. „Ich, eine Frau, soll einer Winzergenossenschaft vorstehen?“ – das brauchte einige Tage Bedenkzeit.
Jung, kreativ, Ideenreichtum und Fantasie, sowie das vorhandene Interesse am Weinbau und die Leidenschaft zum Wein – all jenes war vorhanden. Beste Voraussetzungen sozusagen. Dazu kam außerdem, dass ihr der Weinbau ein Stückweit in die Wiege gelegt wurde. Geboren zur Zeit der Weinlese, aufgewachsen als Tochter eines begeisterten Nebenerwebs-Winzers, Breisgauer Weinprinzessin (1996/1997) und Badische Weinprinzessin (2002/2003), haben Manuela Krayer geprägt und kommen auch heute noch bei ihrer Arbeit zugute.

Warum also sollte es nicht funktionieren, wenn eine Frau an der Spitze einer Genossenschaft steht? Damals noch eine Herausforderung und willkommene Abwechslung zum beruflichen Alltag. Im April 2011 wurde dann das Hobby zum Beruf und Manuela Krayer fing beim  Badischen Weinbauverband e.V. in Freiburg an zu arbeiten. Hier zuständig  für die Weinprämierung, Weinwettbewerbe und Gütezeichenabnahme.

„In der WG kann ich meinen kreativen Gedanken freien Lauf lassen, etwas bewegen und die Zukunft der WG Mundingen-Landeck aktiv und entscheidend mitgestalten“, betont die dynamische Frau.

Rückblickend weiß sie nicht, was die einzelnen Winzer gedacht haben, als sie Manuela Krayer wählen sollten oder  durften, aber bis heute habe sie von keinem „ihrer“ Winzer zu hören bekommen, dass sie mit ihr und ihrer Arbeit nicht zufrieden wären. Anregungen und Verbesserungsvorschläge, aus den Reihen der Winzerschaft, werden von ihr gerne entgegen genommen und sind in vielen Fällen auch hilfreich. „Das zeigt mir, dass sich die Winzer auch Gedanken zu meiner und ihrer Arbeit, sowie die Zukunft der WG machen“, freut sich die Chefin.

Das Wiederum zeigt, dass wir mit unserer Philosophie richtig liegen.

Manuela Krayer Regal„Weine haben Charakter, so wie jeder Mensch auch. In unseren Weinen soll sich die Liebe zum Wein, die Leidenschaft und Qualität, mit der unsere Winzer Ihre Reben bewirtschaften und die reizvolle Landschaft in der der Wein wächst, wiederspiegeln“.
„Bei meiner Arbeit ist mir wichtig, Moderne mit Tradition zu verbinden. Viel Neues wäre ohne das Alte nicht möglich“. Sukzessiv habe sie versucht ein paar Neuerungen einzuführen. Neue Produkte auf den Markt gebracht, eine neue Etikettenlinie aufgelegt, das Outfit in Sachen Werbung wurde überarbeitet und neue Ideen für interessante Weinproben ausgearbeitet und umgesetzt.

Wie viele Genossenschaften, hat die Winzergenossenschaft Mundingen-Landeck auch Nachwuchsprobleme. Viele Winzer mussten aus gesundheitlichen Gründen ihre Rebflächen verpachten und sind somit aus der Genossenschaft ausgeschieden. Diese Flächen gingen überwiegend an Weingüter aus den umliegenden Gemeinden. Wegen des Geldes wegen ist in Mundingen keiner in der WG. Hier liegt ihrer Ansicht nach der Schwerpunkt darauf, Weinbau als Hobby zu betreiben. Es gibt auch keinen Haupterwerbswinzer in der Genossenschaft. Alle betreiben den Weinbau im Nebenerwerb.

1967 schlossen sich die Winzer zur Winzergenossenschaft zusammen, um die Jahrhunderte alte Tradition des Weinbaus in Mundingen-Landeck zu erhalten und zu pflegen. „Es freut mich, dass unsere kleine, aber feine Genossenschaft in 2017 ihr 50-jähriges Bestehen feiern konnte“. Im Jubiläumsjahr hat die Genossenschaft noch 40 Mitglieder, welche 13 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Mit viel Herzblut investieren die Verantwortlichen ihre freie Zeit in die WG, um dafür zu sorgen, dass Mundinger Weine in aller Munde sind und der Konsument mit Freude ein Glas Wein trinken kann.

„Doch ich bin nicht alleine“ - sie habe ein Team, was zur Hälfte aus Frauen besteht

manuela Krayer TraubeLisa Fröhner, stellvertretende Vorsitzende und Gabi Ehrenfelder, Aufsichtsratsvorsitzende. „Daher werden wir auch als die Frauen WG bezeichnet“, lacht sie. Aber selbstverständlich gibt es auch Herren im Team: Kurt Sillmann, stellvertretender Vorsitzender und die Aufsichtsräte Hartmut Künstle und Siegfried Markstahler. Sie sorgen gemeinsam mit Manuela Krayer dafür, dass sich die Räder der WG bis heute drehen und sie das ist, was sie ist. Irgendwie ein kleines, aber feines Familienunternehmen.

„Es ist nicht alles immer ein Zuckerschlecken, aber mit einem guten Glas Wein fühlt man sich gleich wieder auf der Sonnenseite des Lebens!“, philosophiert Manuela Krayer.
Zum Ausgleich spielt sie Flügelhorn und Kornett im Musikverein Mundingen und um noch mehr zu bewegen, sitzt sie seit 13 Jahren im Ortschaftsrat. Nordic Walking, zwei Katzen, drei Patenkinder – all das bietet ausreichend Freizeitbeschäftigung.

Ein Gläschen Sekt trinkt sie gerne zum Abschalten, beim Wein hingegen wird philosophiert und es tauchen Gedanken auf, wie er schmeckt.


 

Text /Bilder: Heike Scheiding-Brode