Liane Kaiser: „Ich wollte schon als Kind Schauspielerin werden“

Es gibt ja immer wieder Begegnungen mit Menschen, die nachhaltig sind, die man genießen kann  - auch wenn man sich zuvor gar nicht persönlich gekannt hat.

Liane Kaiser in ÖtigheimSo erging es mir mit einer diesmal prominenten Powerfrau - mit Liane Kaiser. Ganz ungezwungen plauderten wir im Europa Park in Rust – hier kann man sie übrigens am 7. Dezember mit Stefan Mross auf der Bühne sehen.

Der Name „Liane“ ist der, den man mit der sympathischen knapp 40-jährigen Sängerin in Verbindung bringt. Ich denke, viele wissen gar nicht, dass sie eine verheiratete Kaiser ist und den putzigen Mädchennamen Fröschen mit sich trägt. „Der hat damals nicht so gepasst, von daher war ich schon immer die Liane“, schmunzelt die Sängerin, die seit ihrer Hochzeit 2011, Kaiser heißt.
„Ich wollte schon als Kind Schauspielerin werden“, erinnert sie sich zurück.  Im Odenwald aufgewachsen, singt sie seit ihrem 15. Lebensjahr und war bereits mit sechs Jahren im Ballett, später hat sie den Schau-Tanz für sich entdeckt. Eine ganz besondere Leidenschaft hat die talentierte Frau, sie ist Fan alter Filme, jenen, die noch die Kombination Musik-Tanz-Schauspiel innehaben.

Das Singen sei irgendwie automatisch gekommen, engagiert in einem Chor, Gesangunterricht und mit ihrem alleinunterhaltenden Onkel bei Hochzeiten gesungen – so fing es an und wurde immer mehr – heute etwa 150 Liveauftritte im Jahr.

Sie singt deutsche Schlager- und Pop-Musik, hat aber auch den volkstümlichen Schlager in ihrem Repertoire.

liane und coNach der Schule stellte sich die Frage, „was mache ich“ und da Liane ein Familienmensch ist, wollte sie auch nicht von daheim weg ziehen. Die Idee, Medizin zu studieren verwarft sie deswegen auch und so erlernte sie den Beruf der Zahnarzthelferin. „Ich wollte schon immer Menschen helfen“. Dennoch war ihr die Musik wichtig, ihr Cousin veranstaltete Events mit Bernhard Brink, Reiner Kirsten, Jürgen Drews „und da wollte ich mitsingen“.  2007 wurde sie von einem Reiseveranstalter engagiert und sang noch keine eigenen Lieder, aber Coversongs wie „Du hast mich 1000 Mal belogen“, oder „Schuld war nur der Bossa-Nova“.

Sie wechselte in eine Allgemeinarzt-Praxis mit weniger Stunden je Woche, um einfach mehr Raum für den Gesang zu haben. „Viele kranke Menschen und auch Menschen im Pflegeheim brachten mir das Bewusstsein, was das Leben bedeutet und da bekam ich eine an der Sicht auf die Dinge“, beschreibt Liane dieses Bewusstsein, denn „dass man im Leben gesund ist, ist das Wichtigste und diese Erkenntnis hat mir bis heute auf meinem Weg geholfen“.

Auf eigene Faust CD produziert

Liane Kaiser „Ich hab‘ mich verliebt“ – diese CD produzierte Liane auf eigene Faust und eigene Kosten.  „Ich wollte das unbedingt und habe das dann auch gemacht, wenngleich ich dazu einen unteren fünfstelligen Betrag in die Hand nehmen musste, das war im Jahr 2007“.
SWR4 wurde auf Liane aufmerksam und sie wurde angefragt für Live-Auftritte im Radio  – und nicht nur einmal. Es ging voran, was aber gleichbedeutend mit harter Arbeit einherging. Man hat ja als Leser schnell mal die Vorstellung, dass solch eine Karriere geebnet und schwungvoll einhergeht, das sind aber nur Wunsch-Vorstellungen oder Mythen. An seiner Karriere zu basteln, auch wenn das die eigene Leidenschaft ist, bedeutet Schweiß, Zeit, Geld, Geduld und Kraft.

Erste Tournee

Und dann kommt Lothar Böhler (artmedia) ins Spiel: bei einer von ihm veranstalteten Tournee fiel ihm eine Sängerin aus. Lothar googelte und da poppte der Internetauftritt von Liane auf. „Ich wurde von Lothar angefragt und was soll ich sagen, da sagt man nicht nein, sondern man sagt zu“. Der Testlauf war super, sie konnte mit ihrem Talent überzeugen und so wurde Liane für die gesamte Tournee mit eigenen Lieder und Coversongs gebucht.

Nachdem die Tournee so gut lief, wollte Liane auch gleich Lothar Böhler mit ihrem Management beauftragen, aber „Lothar wollte nicht“. „Ich habe nicht locker gelassen und immer wieder angefragt, außerdem sind wir auf einer Wellenlänge und irgendwann hat es dann gepasst und Lothar hat mich im April 2009 unter Vertrag genommen“, freut sich die Sängerin noch heute. Ihr ist durchaus bewusst, dass sie alleine nicht da wäre, wo sie heute steht.
Liane hat viele eigene Ideen, ist sehr kreativ, wie sie sagt. So hat sie 2008/2009 auch Veranstaltungen organisiert mit sich und anderen Künstlern. 2009 beendete sie ihren Beruf und zog nach Stuttgart – „das habe ich nie bereut“.

Ihre Auftritte weiteten sich kontinuierlich aus: Elsass, Deutschland, Holland, Belgien, Schweiz oder Österreich – überall kennt man die gut aussehende Frau, die seit zwei Jahren auch Mama eines Sohns ist. „Meinen Sohn nehme ich oft mit, oder mein Mann, wie auch die Oma müssen hier einspringen“, lacht sie. Das werde streng organisiert, denn sonst klappt so etwas nicht und sei nicht vereinbar mit ihren rund 150 Live-Auftritten jährlich. Inzwischen schreibt sie auch Liedtexte selbst, wie „Alles was bleibt, ist die Liebe“, eine Hommage an ihren Opa, als dieser verstarb. „Ich habe so viele Ideen für eigene Songs, möchte mich aber auch nicht verzetteln“, betont sie.

I0C3A0142n Produktion ist gerade ein neues Album, das 2018 erscheinen wird. Um eine CD zu produzieren benötige sie etwa ein Jahr. Am 7. Dezember kann man Liane im Europa-Park sehen,  das im Rahmen der Weihnachts-Tournee mit Stefan Mross, in der sie vom 1. Dezember bis 22. Dezember mit auf der Bühne stehe wird.

„Die klatschen alle wegen mir“

Ihr Lohn sei der Zuspruch der Leute, des Publikums, das Feedback am Fan-Stand, die Fans überhaupt. „Es ist so unglaublich, wenn ich auf der Bühne stehe, dann klatschen die Leute wegen mir“, begeistert sich Liane in unserem Gespräch. Dass ihr der Job, ihre Berufung unglaublich Spaß macht, das ist mehr als spürbar. Lianes Empfinden: „Ich mache mit meiner Musik die Menschen glücklich, diese können ihren den Alltag für einige Stunden vergessen“.
Viele Leserinnen wird vielleicht interessieren, wie es mit dem Outfit auf der Bühne, bei Tourneen, bei Moderationen aussieht. „Ich bestimme schon selbst, was ich trage, auch wenn ich manchmal Lothar zur Bestätigung nochmals anfrage“, schmunzelt Liane. In einem schönen Outfit fühle sie sich wohl und das sei wichtig und auch da müsse man nicht jeden Trend mitmachen, denn ihr Publikum liebe es eher gediegener und gepflegter und das verstehe sie. Ihre Kleider muss sie übrigens selbst kaufen, ebenso sei es ihre Aufgabe was Frisur und Make-up anbelangt.

Alltag

Natürlich gibt es neben dem Rampenlicht einen Alltag. Dieser wird aktuell in erster Linie von Stunden mit dem Nachwuchs geprägt. Aber wenn Sohnemann im Kindergarten ist, stehen üben, Buchhaltung, lernen und Haushalt auf dem Tagesplan. „Ich übe täglich und singe meistens beim Autofahren“. Und beim Bügeln kann sie so richtig abschalten, die Sohn-Stunden genießt sie ausgiebig und Erholung und Entspannung findet sie in der Familie. Um 6.30 Uhr steht Liane auf, „ich  bin ein ganz normaler Mensch, bin im Kindergarten-Elternbeirat engagiert, koche gerne nach alter Schule von Oma und Mama und gehe ins Fitness-Studio um mich fit zu halten.

Existenzängste habe sie keine, antwortet sie auf meine Frage, „es läuft“.  Wichtig ist Liane, dass sie auf der Bühne authentisch rüberkommt. „Ich bin ich selbst, lebe es auf der Bühne und das selbstverständlich mit Lampenfieber“, lacht sie. Liane singt ausschließlich live, „Playback ist viel schwieriger“ und „falls ich mal einen Black-out habe, dann ist es halt so, ich bin auch nur ein Mensch“.

Ich denke genau das macht die Powerfrau aus, sie ist nicht abgehoben trotz ihrer Bekanntheit, ihr fehlen die Starallüren, sie ist bodenständig und geht kontinuierlich ihren Weg – den sie für richtig hält.

Liane und HeikeÜbrigens: die Region Nördlicher Schwarzwald hat sich für Liane entschieden, denn sie wurde als Gesicht für die Werbeaktionen des Tourismusgebiets ausgewählt. Außerdem wurde sie als Testimonial für die Werbungen von DEVK, Hornbach und vielen mittelständischen Unternehmen ausgewählt.

2013 erhielt sie im Rhein-Theater in Niedernhausen bei Wiesbaden gemeinsam mit Florian Silbereisen und Dieter Thomas Heck den smago!Award in der Kategorie „Schlagerstern“. Im selben Jahr wurde sie in Stuttgart bei der Goldenen Künstlergala als „Künstlerin des Jahres“ ausgezeichnet.

 

Heike Scheiding-Brode

Foto: Eicke F. Rendelmann