Geballte Frauenpower aus Baden

Starke Frauen der Region – Im Interview mit Jasmin Jurtan, Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsjunioren und selbstständige Wirtschaftsberaterin Traumberuf Wirtschaftsberater?

Bisher war diese Branche eher den Männern vorbehalten. Jedoch ist es ein ideales Berufsbild für Frauen, die Familie und Karriere in ihrem Leben miteinander verbinden möchten. Für den Beruf des Wirtschaftsberater/Wirtschafts-beraterin bedarf es einer hohen fachlichen und menschlichen Qualifikation, sie sind erster Ansprechpartner bei Veränderungen der Lebenssituation ihrer Mandanten.

Jasmin Jurtan

Auch die Kommunikation spielt eine große Rolle, begleiten sie doch ihre Mandanten bei wichtigen Entscheidungen des Lebens wie zum Beispiel einer langfristigen Altersvorsorge, Business -, Ertrags- und Liquiditätsplanung, führen von Bankgespräche und -verhandlungen, unterstützen bei Unternehmens-gründungen oder sie praktizieren Verhandlungscoaching sowie Finanzierungsberatung. Wirtschaftsberatung ist also Vertrauenssache!

Eine zielorientierte Beratung erkennt die Lebens – und Berufswege der Mandanten und begleitet sie langfristig. Mit Qualität und Kompetenz spiegelt Jasmin Jurtan dieses hochwertige Berufsbild. Sie steht ihren Mandanten beratend in den verschiedensten Situationen zur Seite. Ihre Wurzeln sind hier in der Region. Mit ihrem bundesweiten Netzwerk, in dem viele Jahre Erfahrung stecken, profitiert Jasmin Jurtan auch bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit als Vorsitzende bei den Wirtschafts-junioren in Karlsruhe. Dieses ehrenamtliche Engagement ist auch ein wichtiger Bestandteil für ihr berufliches Netzwerk und ihre persönliche Weiterbildung. Es ist ihr als ehemalige Leiterin des Arbeitskreises Wirtschaft und Gesellschaft ein besonderes Anliegen, Brücken zwischen der Gesellschaft und der regionalen Wirtschaft zu erschaffen.

Für Jasmin Jurtan hat es Priorität, bei ihrer Arbeit langfristige, nachhaltige Beziehungen aufzubauen, und sie möchte ihren Kunden Qualität und Ganzheitlichkeit anbieten. Wir von Region im Blick setzen mit Jasmin Jurtan in unserer Serie „Frauenpower – Made in Baden" eine weitere Powerfrau in den Focus dieser Serie. Im Interview beantwortet sie Fragen über ihre Arbeit als Frau in der Finanzbranche, den eigenen Anspruch an ihre Arbeit, ihr ehrenamtliches Engagement bei den Wirtschaftsjunioren in Karlsruhe und über fehlendes Finanzwissen.

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Mit kommunikativen Fähigkeiten und fachlicher Kompetenz sind Sie als selbstständige Wirtschaftsberaterin und Vorsitzende der Karlsruher Wirtschaftsjunioren die Frau fürs Budget. Welchen Anspruch haben Sie an sich selbst? Wie wichtig ist Karriereplanung für Frauen? Wie viel war bei Ihnen geplant, wie viel war Glück?

Jasmin Jurtan: Für mich persönlich ist es wichtig immer neue Erfahrungen machen zu können. Als ich mich nach 2 Jahren in der Selbstständigkeit angekommen gefühlt hatte, habe ich mich umgeschaut und die Wirtschaftsjunioren Karlsruhe gefunden. Es ist mein Anspruch, dass ich etwas tue, was wichtig und sinnvoll ist und das habe ich in meinem Beruf sowie im Ehrenamt gefunden.

Karriereplanung ist als selbstständige Frau sehr wichtig. Ich habe von Tag 1 daran gearbeitet, so schnell wie möglich unabhängig zu sein – vom Staat, von der Familie, von meinem Partner, von meinem Unternehmen. Ich habe Qualifikationen und Erfahrungen gesammelt, habe mich sehr gut abgesichert und viel investiert. Nach dem Studium steht für viele und auch für mich, irgendwann die Familienplanung an. Damit dies nicht meine Karriere verhindert, wusste ich, dass ich schnell Karriere machen muss. Ich muss früh zeigen was ich kann. Und das war definitiv mein Antrieb in den ersten Jahren. Dass ich nach 5 Jahren in die Gbr. meiner Geschäftsstelle eintreten möchte, habe ich meinen beiden Mitgesellschaftern von Tag 1 sehr deutlich gesagt und dann auch mit Leistung darauf hingearbeitet. Das war definitiv geplant. Ich habe einfach Glück die A.S.I. Wirtschaftsberatung auf einer Messe kennengelernt und einen Beruf gefunden zu haben, der meinen Wertevorstellungen entspricht und auf den ich jeden Tag Bock habe.

Wie wichtig ist ihnen ihr Engagement bei den Wirtschaftsjunioren?

Jasmin Jurtan: Es ist mir natürlich sehr wichtig, sonst würde ich meine Freizeit nicht so viel damit füllen. Ich habe Menschen kennengelernt, die ähnliches erleben wie ich – nur eben in komplett anderen Branchen und Unternehmen. Andere Frauen und Männer zu haben, mit denen ich mich austauschen kann, die ein eigenes Unternehmen führen und eine Familie gründen, ist unersetzlich. Wir haben viel Verständnis füreinander und unterstützen uns sehr. Insbesondere das aktuelle Jahr hat gezeigt, wie wichtig es uns allen ist, ein Netzwerk zu haben und zu pflegen. Anstatt dass sich Mitglieder zurückgezogen haben, haben wir sogar neue Mitglieder gewinnen können.

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Ihre Branche leidet unter einem angestaubten Image. Warum sollte man heute noch Wirtschaftsberater werden?

Jasmin Jurtan: Es ist ein absoluter Traumjob. Die Branche ist sehr breit aufgestellt, von Versicherungsvertretern, die für ein Unternehmen arbeiten, bis hin zu selbstständigen Maklern, wie uns, die jegliche Angebote am Markt vermitteln können, ist die Bandbreite sehr groß. Als Wirtschaftsberater beraten wir ganzheitlich, d.h. ich betreue meine Mandanten vom Studium bis zum Ruhestand mit jeglichen Versicherungen, Geldanlagen, Finanzierung und Immobilien. Langweilig wird es nie, denn die Themen sind so lebensnah und ich bin immer die erste Ansprechpartnerin, wenn es um Veränderungen geht. Familienplanung, Berufswechseln, Standortwechsel, Karriere, Träume erfüllen, egal um was es geht, unsere alltäglichen Entscheidungen und Ziele haben direkten Einfluss auf unsere Finanzen.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher als Frau in ihrem Beruf gemacht? Muss man sich immer noch gegen eine Männerdomäne durchsetzen? Braucht Deutschland eine Frauenquote?

Jasmin Jurtan: Die Finanzbranche ist definitiv noch eine Männerdomäne. In den 100 größten deutschen Banken sind laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung nur neun Prozent der Vorstände weiblich. Bei den Fondsmanagern verharrt die Quote bei rund zehn Prozent. Bei Beratern ist die Quote nicht ganz so schlimm, aber auch ich bin die einzige Frau in unserem Büro in Karlsruhe.

Ich bin definitiv für eine Frauenquote. Durch meine Schwangerschaft und die Vorbereitung darauf ist mir zum Beispiel erst bewusst geworden, dass es wenig Gesetze oder Unterstützung für selbstständige Unternehmerinnen mit Angestellten gibt. Im Handelsvertretergesetz, das unsere beruflichen Grundlagen bestimmt, gibt es keinerlei Regelungen zu Elternzeit oder Mutterschutz. Mir steht genauso nur das gleiche Elterngeld zur Verfügung wie einer Angestellten. Ich muss davon aber noch Angestellte, ein Büro, etc. und meine eigenen Lebenshaltungskosten bezahlen. Das ist für jeden Selbstständigen, egal ob Mann oder Frau, nicht machbar. Ohne Frauenquote bleibe ich eine Ausnahme und nur wenn es einen kritischen Anteil gibt, der von diesen Herausforderungen betroffen ist, wird es auch Gespräche und Lösungsansätze geben.

Was sind ihre persönlichen Karriere-Tipps für Frauen – allgemein in der Branche?

Jasmin Jurtan: Egal ob Mann oder Frau – man muss wissen, was man kann und dies auch zeigen. Weiterentwicklung und konstantes Lernen sind sehr wichtig und müssen einem Spaß machen. Und man sollte niemals die Macht eines guten ersten Eindrucks unterschätzen.

Hand aufs Herz: Wie spannend ist das Thema Geld und Versicherungen und wie wird die Corona – Pandemie diese Themen für die Zukunft beeinflussen?

Jasmin Jurtan: Da bin ich wahrscheinlich etwas subjektiv, aber es ist superspannend! Im gewerblichen Bereich ist das Thema Cyberrisiko und Cyberversicherung ganz aktuell und wird noch deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen, je digitaler die Unternehmen aufgestellt sind. Privatkunden sind verunsichert - wie oder wo kann ich noch Geld anlegen, was ist sinnvoll für meine Situation? Wir haben viele Höhen und Tiefen am Kapitalmarkt mitbekommen und das Thema Immobilien hat auch eine andere Wertigkeit erhalten. Auch die gesundheitliche Absicherung hat einen neuen Stellenwert eingenommen. Wir haben die Gesundheit und finanzielle Sicherheit wieder mehr zu schätzen gelernt. Ich glaube, das wird noch lange in den Köpfen bleiben.

Um unabhängig zu sein, benötigt man das nötige Finanzwissen – aber gerade daran mangelt es bei vielen. Halten Sie ein eigenes Schulfach Finanzen für sinnvoll?

Jasmin Jurtan: Definitiv. Wobei es hier nicht nur um die Grundlagen von Versicherung und Finanzen gehen sollte, sondern es sollten auch unterschiedliche Ansichten und Glaubenssätze diskutiert werden. Ein Schulfach wird trotzdem niemals dafür ausreichen, um sich komplett selbst beraten zu können. Aber zumindest ein Grundverständnis sollte dadurch vermittelt werden.

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Berater werden als Versicherungsfachmann, Finanzanlagenfachmann, Immobiliardarlehensvermittler und Makler ausgebildet. Und dann muss man noch die Angebote am Markt kennen, die sich ständig verändern. Es ist eben ein Vollzeitjob.

Jasmin Jurtan: Viele Frauen steigen mit der Familiengründung zwar nicht mehr ganz aus dem Beruf aus, aber sie entscheiden sich häufig eher gegen eine berufliche Karriere.

Wie sehen Sie aktuell diesen Spagat zwischen Beruf und Familie? Welche Unterstützung brauchen Frauen ihrer Meinung nach, um Kinder und Karriere unter einen Hut zu kriegen?

Jasmin Jurtan:Es ist tatsächlich nach wie vor so, dass Frauen deutlich mehr Elternzeit nehmen als Väter. Im Jahr 2019 waren 42,2% der Frauen mit einem Kind unter 3 in Elternzeit, während lediglich 2,6% der Männer zuhause waren. Da sind wir leider noch weit von einer Gleichberechtigung entfernt. Meine männlichen Kollegen oder männlichen Vorgänger als Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren bekommen solche Fragen selten bis nie gestellt.

Für mich gibt es hier mehrere Bausteine. 1. Akzeptanz in der Gesellschaft: Von Frauen sowie von Männern. Es ist okay, wenn man zuhause bleiben möchte bei seinem Kind, es ist aber genauso okay, wenn man arbeiten gehen möchte. 2. Änderung unserer steuerlichen Gesetze: Verheiratete Paare bekommen Steuervorteile, wenn ein Elternteil zuhause bleibt. Bei vielen lohnt es sich rechnerisch mehr, wenn einer nur wenig verdient und einer viel. Diese Gesetze unterstützen leider nach wie vor die klassische Rollenverteilung und gehören dringend abgeschafft. 3. Unterstützung für Selbstständige: Frauen braucht es definitiv eine andere Elterngeld-Kalkulation.

Was lieben Sie besonders an ihrer Arbeit?

Jasmin Jurtan: Die Zusammenarbeit mit meinen Mandanten. Die macht den größten Teil meines Alltags aus und zu sehen, wie meine Empfehlungen Früchte tragen, Menschen vor schlimmen finanziellen Schäden bewahren oder ihnen einfach lästige Arbeit abnehmen zu können, ist jeden Tag ein Erfolgserlebnis.

Business hohe QualitätWas war bisher die größte Herausforderung… für Sie persönlich?

Jasmin Jurtan: Ich glaube vor der stehe ich noch – eine Tochter in eine Welt der Pandemie zur Welt zu bringen.

Wie entschleunigen Sie von ihrer anspruchsvollen Arbeit um neue Kraft und Energie zu tanken?

Jasmin Jurtan: Wir verreisen so oft es geht. Und in den letzten Jahren habe ich die Gartenarbeit für mich entdeckt.

Können Sie unseren Lesern einen Finanztipp mit auf den Weg geben?

Jasmin Jurtan: Einen Experten an seiner Seite zu haben, ist in den meisten Lebensbereichen absolut gewinnbringend. Suchen Sie sich einen guten Berater.

Daniela Hiebel im Gespräch mit Jasmin Jurtan
Bilder: Jasmin Jurtan