“Nie zurück – immer nach vorne“ lautet Jutta Kühnerts Devise

Jutta Kühnert aus Herbolzheim ist eine Netzwerkerin  im wahrsten Sinne des Wortes und – was mich bei dem Gespräch so begeistert hat – sie sprudelt nur so vor Ideen – guten Ideen.

Und diese verpuffen nicht, nein mein Gegenüber, eine sympathische, bodenständige, quirlige und kreative Ehefrau und Mutter zweier Töchter weiß zum einen was sie will und zum anderen setzt sie ihre Ideen und Visionen auch konsequent um. Dabei geht sie strukturiert und wohl überlegt vor, schafft es aber durch das Netzwerken wiederum andere von ihren Visionen zu begeistern, mitzureißen. Ihr Wunsch, mit 50 Jahren ihre eigene Chefin zu sein – ohne Wenn und Aber – ich glaube, das schafft Jutta Kühnert auf jeden Fall.

Jutta SchmuckJutta Kühnert

Mir selbst machen solche Gespräche unglaublich viel Spaß, weil ich so hinter die Kulissen schauen kann und erspüre, was solche tollen Frauen bewegt, was sie tagtäglich „rocken“.

Jutta Kühnert ist selbstverständlich keine Unbekannte hier in der Region.

Warum, na weil sie in vielen Bereichen ehrenamtlich an vorderster Front steht. Wie sie das macht, erscheint teils als Rätsel.
Vor etlichen Jahren habe sie, so erzählt sie schmunzelnd, den Beruf der Verwaltungsfachangestellte erlernt, schnell aber gemerkt, dass ihr die Arbeit auf dem Amt einfach zu monoton ist. Jutta Kühnert wechselte in die freie Wirtschaft und fing bei der Firma Herrenknecht im Wareneinkauf und im Assistenz Bereich an. Nebenbei – schließlich wollte sie schon immer ein bisschen „mehr“ erreichen, bildete sie sich zur Fremdsprachenkorrespondentin weiter. Sie wechselte nach Hausach in einen Betrieb mit Stanz- und Umformtechnik und agierte hier als Assistentin der Geschäftsleitung – „das Organisieren, das lag mir, machte mir Spaß, war abwechslungsreich“, resümiert Jutta Kühnert. Ihre berufliche Laufbahn ging in Offenburg bei Edeka weiter, dann war es die Firma Freyler in Kenzingen. „Ich gehe nie zurück, immer nach vorne“, betont die Powerfrau ihre Devise, „denn man findet nicht mehr das vor, was man einst zurückgelassen hat“.

Wie sollte es anders sein, eineinhalb Jahre abends und an Wochenenden, erlernte Jutta Kühnert bei der IHK die „Management-Assistentin“ und schloss hier erfolgreich ab. Dort habe sie das Auftreten und freie Reden vor Publikum gelernt, was ihr heute überhaupt keine Probleme mehr bereitet.

2007 und 2010 wurden ihre beiden Töchter geboren und Jutta Kühnert merkte sehr schnell, dass man als Mama mit kleinem Kind keine Chancen im Assistenzbereich hat, weil man hier keinem Unternehmen flexibel genug ist. Nach jeweils einem Jahr Baby-Pause wollte Jutta Kühnert wieder an die Arbeit zurück. Bei einem Lahrer Statik-Ingenieurbüro fand sie in der Assistenz eine Stelle und war dort mehr als sechs Jahre beschäftigt. „Bei meinen Freundinnen stieß ich oft auf Unverständnis, das ich wieder arbeiten gehen wollte“, merkt mein Gegenüber an. „Ich bin gerne Mama, aber ich arbeite auch sehr gerne und nach den Kindern habe ich schnell gemerkt, dass mir einfach etwas fehlt“. Vom Ingenieurbüro wechselte sie in eine Steuerfachkanzlei nach Herbolzheim und widmete sich hier dem Marketing- und Eventbereich. „Nach einigen Jahren suche ich immer wieder eine neue Herausforderung, dann muss etwas Neues kommen, in das ich mich einarbeiten und vertiefen kann“.

Jutta Kühnert

Heute ist Jutta Kühnert in einer Hausverwaltung in Kenzingen in der Organisation beschäftigt – übrigens täglich. Sie ist 47 Jahre und arbeitet nebenbei an ihrem Ziel, mit 50 selbst Chefin zu sein. Dafür unternimmt sie viel, baut sich eine Marke und ein noch größeres Netzwerk auf.

Jutta Kühnert ist handwerklich begabt und eine kreative Natur. In ihrer ersten Schwangerschaft hatte sie Schlafprobleme und begann nachts zu werkeln. Sie wusste, dass man im Assistenzbereich stets gut gekleidet mit modischen Accessoires ausgestattet den Alltag meistern sollte. Also lag es nahe, sich Schmuck, passend zu den eigenen Outfits herzustellen. Sie verschenkte auch viel, bis ihre Schwester sie einmal fragte, warum sie den Schmuck denn nicht verkaufe. Peu á peu baute sich Jutta Kühnert hier ein Standbein auf – ihre Schmuckwerkstatt, die sie 2007 auch mit eigenen gemütlich und frischen Räumlichkeiten direkt am Wohnhaus eröffnete. Um ihre Werkstatt bekannt zu machen, lud sie viermal jährlich zu Hofmärkten ein und bot dazu eine Plattform für andere, handwerklich begabte Mitstreiter, die so kostengünstig ihre Produkte ebenfalls verkaufen können. Der 10jährige Hofmarkt wurde übrigens gerade erfolgreich mit dem Osterhofmarkt gefeiert.

Dann kam eine neue Idee, nämlich die der Kindergeburtstage. Dabei können die Kleinen mit ihren Freunden am Geburtstag Schmuckstücke herstellen – das wird gerne genutzt und die Mamas können es entspannt angehen.

2007 trat sie den Landfrauen bei, seit 8 Jahren sitzt sie in der Bezirksvorstandschaft des Bezirks Emmendingen, in Herbolzheim seit 5 Jahren im Vorstandsteam. 2.300 Landfrauen – was kann Jutta Kühnert denn da alles rocken? Viel, den auch hier gibt sie in den verschiedenen Ortsvereinen Kurse zum Herstellen von Schmuck und ist präsent mit ihren Ideen.

Ihre Schmuckwerkstatt ist jeden Samstag geöffnet, bei Herbolzheimer Aktionen ist Jutta Kühnert dabei. In der H&G hatte sie übrigens vier Jahre lang die Geschäftsstelle mit 125 Mitgliedern und ganz vielen – teils auch sehr großen Aktionen geführt. Schweren Herzens wird sie hier im Mai aufhören und dann aus der Geschäftsstelle und dem Vorstandsteam ausscheiden.

Frauenglück
„Ich muss jetzt etwas für mich machen, ich habe viel gesehen, viel gelernt, mich viel engagiert, jetzt bin ich an der Reihe“, formuliert es Jutta Kühnert. Ihr neues Projekt – „Frauenglück“ wird in der Region an verschiedenen Orten unterwegs sein und einen Abend der besondere Art – ausschließlich für Frauen – bieten. Am 11. Mai startet dieses Format beim Winzerverein Oberrotweil mit allen so wunderbaren Dingen, die Frauen glücklich machen und ihnen eine Auszeit bescheren – und besten zum Netzwerken geeignet sind. „Alles Wissen der letzten Jahre habe ich in dieses Projekt reingesteckt mit tollem Logo, einem Namen, um etwas Eigenes zu kreieren“. Der Vorverkauf war phänomenal und es zeigt sich, dass Jutta Kühnert wohl hier den Nerv der Zeit getroffen hat. Die Kombination des Abends mit Wein, Mode, Kosmetik, Handwerk, Kultur und Kulinarik ist phantastisch.

Frauenglueck KS2 Final Internet

Nebenbei hat die Powerfrau eine Visagisten Ausbildung gemacht, verkauft Mary Kay Kosmetik und sieht das als wunderbare Ergänzung zum Schmuck. Sie verkaufe viel individuellen Brautschmuck, da ist ein passendes Make-up doch ein perfekter Zusatz.
Jutta Kühnert wird sich die Marke „Frauenglück“ kontinuierlich aufbauen, da bin ich mir sicher und das ist ja auch ihr Ziel.
Auf die Frage nach ihren Hobbies, da lacht sie, denn sie steht kurz vor 6 Uhr auf, geht nach Mitternacht schlafen und macht neben ihrem Beruf, ihrer eigenen Vision und dem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement auch noch den Haushalt – selbstverständlich vom Ehemann unterstützt. Engagement – na da war doch noch etwas, ach ja, 10 Jahre in der Vorstandschaft der Freien Wähler Herbolzheim und, das ist so gut wie sicher, bei den nächsten Kommunalwahlen in 5 Jahren möchte Jutta Kühnert in den Gemeinderat und Kreistag. „Ich möchte mitbestimmen, etwas bewirken und das kann man nur, wenn man dabei mitmischt“. Naja, vier Jahre war sie noch Vorsitzende des Fördervereins der Kleinkindbetreuung – dieser wurde aber aufgelöst.

Früher habe sie gerne Handball gespielt, heute ist sie gerne in  der Natur, sie liest gerne, wobei sie den Fernseher ausgeschaltet lässt, „sonst schlafe ich ein“.

„Kleine Auszeiten machen glücklich“, weiß sie und sie ist zufrieden mit dem, was sie sich gerade aufbaut. Toll, wenn man so etwas sagen kann, aber bei Jutta Kühnert bin ich mir sicher, sie wird noch mit vielen Ideen von sich reden machen.

Fotos: Heike Scheiding/Jutta Kühnert