„Es gibt keine Probleme – nur Lösungen“

Heute geht es an dieser Stelle um Cornelia Neubeck, geborene Wetzel – denn unter diesem Namen ist sie hier im Raum Emmendingen vielen ein Begriff.

titelbild Corneölia wetzel 4Ihre Vita liest sich nicht mal eben durch, dafür braucht es schon etwas Zeit und ich bin überrascht, was man so alles „rocken“ kann, wenn man erst 1978 geboren wurde. Heute arbeitet sie als Kunst- und Französischlehrerin am Karl-Maybach-Gymnasium in Friedrichshafen und Leitung der Design-AG. Seit 16 Jahren ist sie zudem, neben der Lehrertätigkeit, Trainerin in Körpersprache, Etikette und Rhetorik für Frauen. Und darum geht es heute an dieser Stelle.

Emmendingen ist für Cornelia Neubeck seit kurzem Vergangenheit, heute lebt sie in Meersburg.  „Der Bodensee ist jetzt der zentrale Dreh- und Angelpunkt meines Lebens“.

Potentialentwicklung von Frauen
Auf Cornelia Neubeck bin ich bei meinen Recherchen über interessante Powerfrauen gestoßen und zwar über den Begriff „Feminine Insight“. „Powercoach und Trainerin Cornelia Wetzel eröffnet das neue Frauennetzwerk mit einem Workshop zum Thema die Frau von heute: erfolgreich, selbstbewusst, kompetent und weiblich“, hatte ich im Internet gelesen und war gleich interessiert. Kaum mit der agilen Frau Kontakt aufgenommen, stellte sich heraus, dass nun nicht mehr Emmendingen oder Kenzingen die erste Rolle spielen, sondern der Bodensee.

 „Feminine Insight“ – wie kam es dazu – was bedeutet das – woher der Name – wer wird angesprochen – wie ist das Konzept?

cornelia Wetzel 1 „Feminine Insight hat dreierlei Bedeutungen für mich. Zum ersten geht es um die weibliche Sicht auf die Dinge, die mir in einer immer noch Männer dominierenden Welt wichtig erscheint, nämlich diese zu erkunden und zu kultivieren, damit alle davon profitieren können. Die weibliche Sicht ist oft eine ganz andere und oft gewinnbringende Sicht. Zum zweiten geht es um die weibliche Einsicht und damit verbundene Erkenntnis, die sich uns bietet, wenn wir uns drauf einlassen und zum Dritten geht es auch um die weibliche Innenschau. Damit ist gemeint, dass Frauen in der Männer dominierten Welt selbst erst einmal wieder lernen müssen in sich hinein zu horchen und das weibliche (wieder) zu entdecken. Und genau um dieses weibliche Universum geht es in meinen Seminaren ganz egal ob auf der beruflichen oder persönlichen Entwicklungsebene. Angefangen von der weiblichen Rhetorik bis hin zur Körpersprache und wie sich Frauen behaupten können. Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl entwickeln, woran es oftmals fehlt. Frauen mangelt es selten an Kompetenzen, sondern eher an einem tief verankerten Selbstwertgefühl. Ich zeige in meinen Seminaren durchaus auch historisch auf, wie es dazu kam und wie es heute noch psychologisch verankert ist und es sehr schwer ist eine echte Gleichwertigkeit von Mann und Frau neu zu erarbeiten und zu leben, da wir oft an einem uraltem Erbe von Verhaltens- und Denkweisen scheitern.

Es werden in erster Linie Frauen angesprochen, da diese auch so konditioniert werden an sich zu arbeiten ohne ein Verlust ihrer Selbst zu empfinden. Männer empfinden die Persönlichkeitsarbeit eher eine als eine Bedrohung ihres Selbst. Deshalb hört man auch oft den Satz aus ihrem Munde: „Ich bin so wie ich bin. Daran ändere ich nichts.“ Frauen sind dadurch einmal mehr gezwungen oft in Beziehungen aber auch im Beruf an sich zu arbeiten, um Beziehungen oder die Gesellschaft am Laufen zu halten. Das klingt alles sehr klischeehaft, doch das ist nur eine sehr kurze Zusammenfassung verschiedener Studien und Recherchen. Differenzierteren Einblick dazu gibt es in meinen Seminaren, wobei dort die Theorie nur zum Verständnis wichtig ist. Ich arbeite gern mit den Frauen an der Basis, einer starken Persönlichkeit, die sich von den Minderwertigkeitskomplexen frei macht, damit auch die Gleichwertigkeit gelebt werden kann. So lang Frauen immer noch Understatement betreiben und nicht an sich glauben, wofür es natürlich gut verständliche und leider zahlreiche Gründe gibt, ändert sich nichts. Das Ziel dabei ist allerdings schon eine harmonische und friedvolle Koexistenz von Mann und Frau und im besten Falle eine sehr gute Zusammenarbeit beruflich wie privat, in der beide Parteien voneinander profitieren und die Einheit nach Außen stärken, wie in einer Ehe“.

Sie als Frau, wie bringe Sie Ihren Alltag unter einen Hut? Wann stehen Sie auf? Hobbies? Familie?

„Ich stehe nicht zwingender Maßen sehr früh auf, um alles zu schaffen. Es ist viel mehr, dass mein Hobby mein Beruf ist. Ich bin durch und durch Lehrerin und habe Freude daran anderen Menschen Wissen zu vermitteln und Erkenntnisse sowie Veränderungen kurz gesagt eine positive Persönlichkeitsentwicklung zu ermöglichen beziehungsweise dabei zu helfen. Das heißt, dass ich kaum Romane sondern eher psychologische Studien oder Fachbücher zu verschiedenen Themen lese. Doch das ist kein Verzicht, sondern freiwillig, weil es mich wirklich interessiert und Romane mich selten fesseln können, die menschliche Psyche hingegen ist für mich spannender als jeder Krimi. Ein Seminar dann daraus zu erstellen ist für mich auch eine Art Hobby. Es macht mir Freude darüber nachzudenken, wie es möglich ist Menschen etwas zu vermitteln oder noch besser wirklich sich selbst erkennen zu können. Ansonsten treibe ich Sport, ernähre mich sehr gesund (vegan und Gluten frei ohne Alkohol), tanze gern mit meinem Mann, male und fotografiere. Wenn wir von einem echten Hobby im herkömmlichen Sinn sprechen, dann ist es die Kunst mit all ihren Bereichen. Alles Kreative interessiert mich. Darüber hinaus bieten für mich die Natur und mein Kater einen Ausgleich zur stressigen Welt heutzutage. Kinder habe ich keine. Ich habe mich dafür entschieden für jeden da zu sein, der meine Hilfe braucht und annimmt“.

Auf was legen Sie wert, woher bekommen Sie Ihre Power?

„Kunst, Natur, meine Freude an dem, was ich tue und eine gesunde Lebensweise, die für viele asketisch wirkt. Mein Motto ist aber: Ich verzichte nicht auf bestimmte Lebensmittel, sondern auf viele Krankheiten und Energielosigkeit“.

Wie sieht die Frau des 21. Jahrhunderts für Sie aus?

„Eine sehr gute Frage. Das ist genau mein Ziel, dass mit den Frauen zu entwickeln. Ich kann vielleicht ein Bild entwerfen, doch es ist wichtig, dass sich jede Frau individuell auf den Weg macht, um die Frau in sich zu entdecken. Ich habe schon eine Vision, die ich anhand vieler Beispiele aufzeigen könnte. Doch wie gesagt das ist ein weites Feld. Für mich ist die Frau des 21. Jahrhundert auf der oft mühsamen und schmerzvollen Reise, um weiblich, stark und frei zu sein. Weiblich im Sinne sich auch ihrer weiblichen Energie und Andersartigkeit bewusst zu sein und sich nicht der männlichen Welt anzupassen, höchstens von ihr zu lernen. Stark im Sinne von einer starken erwachsenen Persönlichkeit, die für Ihre Rechte und Grenzen einstehen kann und frei im Sinne Frau auch sein zu dürfen ohne sich einem System oder einem Mann unterordnen zu müssen. Gleichwertig eben zu dem, was Männer schon länger für sich beanspruchen ohne Mann zu werden.

Warum gibt es Ihrer Meinung nach immer noch zu wenige Frauen in Führungspositionen? Und warum verdienen Frauen noch immer weniger Geld als Männer?

Cornelia wetzel 2„Da spielen tief verankerte Muster in der Mann dominierten Gesellschaft eine Rolle. Nur als ein Beispiel. Frauen werden als Babys schon anders behandelt als männliche Säuglinge und heranwachsende Kleinkinder. Die Mütter schauen öfter nach den Mädchen und Eltern nehmen ihnen eher Arbeit ab. Jungen werden öfter mit Sätzen gelobt wie „ Du bist gut.“ Mädchen eher mit „Das hast Du gut gemacht.“ Mädchen entwickeln dadurch insgesamt eher Hilflosigkeitsgefühle, aber viele Kompetenzen, Jungen ein starkes Selbstbewusstsein ohne etwas zu können. Es erfordert viel Wissen, und Wille in die Tiefe zu schauen, um an den herkömmlichen psychologischen Mustern wirklich etwas zu ändern. Das ist auch nicht meine Erkenntnis. Darüber gibt es eine Vielzahl von Büchern. Frauen lernen sozusagen schon als Mädchen etwas gut zu machen und dadurch Beziehungen aufzubauen. Das Positive ist, dass sie ein dynamisches Selbst entwickeln und Veränderungen zulassen. Das Negative ist, dass sie oft daran zweifeln etwas zu können, weil ihnen zu viel abgenommen wird. Dazu kommt, dass es nichts bringt eine starke und selbstbewusste Mutter als Vorbild zu haben genauso wichtig ist es für heranwachsende Frauen, die sich später als kompetent erleben sollen und ihre Fähigkeiten gleich hoch einschätzen wie Männer, dass sie einen Vater hatten, der die starke und selbstbewusste Frau gut gefunden hat. Oftmals erleben Mädchen aber das Gegenteil. Es gibt Stress und Streit mit dem Vater, wenn die Mutter Ihren Kopf durchsetzt. Also lernt es indirekt, dass selbstbewusstes Auftreten nicht wirklich wünschenswert ist. Das war nur einer von sehr vielen Aspekten, der dazu führt, dass Frauen heute immer noch Understatement betreiben und weniger verdienen. Abgesehen von den männlichen Machtstrukturen und einem wirklich tief verankertem kollektiven Bewusstsein dass Frauen das schwache Geschlecht sind und an den Herd gehören, obwohl viele Frauen mittlerweile wissen, dass in vielen Bereichen sie die Stärkeren sind“.

Was ist Ihr Lebensmotto?

„Oh, das kann ich nicht mit einem Motto beantworten. Aber das Wichtigste ist wohl: Es gibt keine Probleme nur Lösungen. Ich finde es mühsam über ein Problem nachzudenken. Ich stecke die Energie lieber in die Lösung. Sicher muss ich mir das Problem dadurch auch anschauen, stecke aber keine Energie hinein. Zum Glück bin ich kreativ und so fällt mir  wirklich immer etwas ein. Wenn ein Kunde einen Themenwunsch für einen Vortrag oder Seminar hat, sage ich auch nicht. Nein mache ich nicht, gibt es bei mir nicht, sondern interessante Idee. Mal schauen, wie ich das mit Einflechten kann. Natürlich kenne ich dennoch meine Spezialgebiete und das ist eindeutig die Potentialentwicklung von Frauen. Ich hatte auch von einem namenhaften Verlag den Auftrag über das Thema ein Buch zu schreiben, doch wollten dieser eines von den schon so häufig existierenden oberflächlichen Büchern, die nur amüsieren sollen. Die Wahrheit über Frauen und warum diese so sind, wie sie sind, ist aber zu weilen erschütternd und sehr traurig. Deshalb werde ich das Buch auch in Eigenregie veröffentlichen müssen. Ich bin mir sicher, dass es seine Leser und Leserinnen findet, die ein echtes Interesse an dem Thema haben.

Ihre berufliche Karriere – was bekomme ich bei Ihnen und nur am Bodensee oder arbeiten Sie auch an anderen Orten?

„Für große Firmen reise ich an jeden Ort, da das Honorar wesentlich höher ist und der Aufwand lohnt. Ich arbeite aber auch für Arbeitsagenturen, die speziell für Frauen Seminare oder Workshops anbieten, die nicht so viel zahlen können, da ich von der Wichtigkeit überzeugt bin, aber dann vor Ort sein muss.  Das Besondere an mir ist, dass ich kaum ein Problem nicht persönlich kenne, vor den Abgründen der menschlichen Psyche keine Angst habe und wie gesagt meist für jedes Problem tatsächlich auch eine Lösung oder einen Lösungsweg aufzeigen kann. Den Weg muss natürlich jeder selbst gehen. Ich kann nur Türen öffnen als Lehrer. Hindurchgehen muss jede/ jeder selbst. Ich weiß über mein Spezialgebiet sehr viel und verbinde letztendlich jeden Wissenschaftszweig miteinander, so dass ein Rhetorik-Seminar gegeben falls auch zu einem Persönlichkeitsseminar wird. Je nachdem, wo der Kunde anfangen möchte, ob bei Rhetorik oder Körpersprache ist egal, wenn er bereit ist mehr zu erfahren gehen wir den Weg gemeinsam weiter. Ich sage das deshalb exemplarisch, da Frauen oft keine Rhetorik, sondern ein Selbstbewusstseinstraining brauchen. Darüber hinaus habe ich nicht nur ein profundes Wissen über die menschliche Psyche, sondern auch ein gutes Gespür für Menschen an sich.  Das haben der schicksalshafte Lebensweg und natürlich auch mein Beruf als Lehrer mit sich gebracht“.

Text: Heike Scheiding-Brode
Fotos: Cornelia Wetzel