Birgitta Schrempp bewegt ganz viel in der Ortenau

„Der Spaß am Tun steht für mich an vorderster Stelle“, beginnt Birgitta Schrempp unser Gespräch. Eine Frau, die imponiert, fasziniert  kann ich ihre Geschichte anhören, die in Baden und vor allen Dingen in der Ortenau viele Stellschrauben bewegt.

Brigitta Schrempp 300 dpi 4cBirgitta Schrempp, Unternehmerin, vielfältig Engagierte, Netzwerkerin, Strategin und so herzlich-sympathisch.
Rückblickend habe sie sich schon immer gerne engagiert, war Schulsprecherin und seit Gründung 1980 von Schrempp EDV an der Seite ihres Mannes Gustel Schrempp im Unternehmen.  Der Handel mit Hardware machte damals den größten Teil des Umsatzes aus. Das Unternehmen wächst kontinuierlich, entwickelt Software-Lösungen, analysiert und bietet Lösungen für den Mittelstand und wächst stetig weiter.

„Entweder man knickt ein oder man wird stark“
Aber dann passiert das Tragische, Ehemann Gustel kommt am 18. Februar 2012 bei einem tragischen Unfall ums Leben und plötzlich war nichts mehr, wie es war. „Rückwärts schauen geht doch nicht“, betont Birgitta Schrempp, was machen, schließlich hatte man 35 Mitarbeiter im Unternehmen und die Fürsorge für diese Menschen. Der Rückhalt und der Beweis für jahrelanges gutes, familiäres Miteinander waren sozusagen verpackt für sie als Firmenchefin in einem sehr guten Rückhalt ihrer Mitarbeiter, „alle haben mitgezogen“. Hatte die Unternehmerin vor dem Tod ihres Mannes ein „bequemes Leben“, wie sie rückblickend formuliert, änderte sich das mit dem Wendepunkt und dem Willen nicht in der Trauer zu versinken, sondern nach vorne zu schauen und zu agieren.

„Wir sind Schremppler“ lacht sie, heute führt sie ein Unternehmen mit 85 Mitarbeitern, sie als geschäftsführende Gesellschafterin in der „Schrempp-Familie“. Und damit nicht genug, sie ist als einzige Frau im WRO-Vorstandsbeirat, seit 2014 Gemeinderätin, seit 2016/17  IHK-Vizepräsidentin südlicher Oberrhein, sitzt im Kuratorium der TBO, seit 2015 im Aufsichtsrat der Volksbank Lahr engagiert und Birgitta Schrempp sitzt oft als einzige Frau unter vielen Männern in Besprechungen. Um mehr weibliche Bewerber für den Beruf in der EDV-Welt zu motivieren, gibt sie Vorträge an der Hochschule. Birgitta Schrempp weiß, dass ihre Meinung etwas zählt und das freut sie.

Sie agiert zukunftsorientiert, beschäftigt viele junge Menschen in ihrem Unternehmen und hier setzt man sich oft mit der Frage, was braucht der Markt in vier bis fünf Jahren, auseinander. Forschung und Entwicklung werden groß geschrieben. Das Unternehmen verfügt über Projekterfahrung in der Softwareentwicklung seit 1980. Es hat ein eigenes ERP-System „SIVAS“ entwickelt, das sich speziell für den Maschinenbau eignet und das in zahlreichen Unternehmen im Maschinenbau bereits langjährig etabliert ist.

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Die Softskills zählen
„Die Softskills zählen heute mehr als Geld“, ist sich Birgitta Schrempp sicher. Homeoffice für Mamas, flexible Zeiten, Feierabendzusammenkünfte, Kicker, Lounge-Bereich, gemeinsames Mittagessen, Frühstück, gemütliches Ambiente und viele andere Aktivitäten. Die Mitarbeiter-Geburtstage werden gebührend gefeiert, ebenso die Geburten von Kindern – alles, wie es sich für eine große Familie gehört. „Junge Menschen suchen bei uns das Familiäre“ und genau das bekommen sie hier in Lahr, wohl der Grund, warum das Wort „Fachkräftemangel“ bei Schrempp keine Rolle spielt. Man lebe eine Kontinuität, die sich wiederum herumspricht. Bei Projekten, bei Forschungen gebe es auch immer wieder „dürre Zeiten“, aber auch da bleiben alle im Boot, „bei uns sitzt keiner auf dem Schleuderstuhl“.

Sie ist sicherlich keine Quotenfrau
Ausflug nach Moskau Brigitta SchremppFür Birgitta Schrempp liegt auf der Hand, dass Männer die besseren Netzwerker sind, „aber was die können, können wir Frauen  doch auch“ und so hat sie sich im Laufe der Jahre ein Netzwerk aufgebaut und dadurch auch viel Anerkennung erhalten können. „Ich möchte als Mensch über mein Fachwissen wahrgenommen werden und ich bin strikt gegen das Thema Quotenfrau“, erläutert die rührige Chefin. Die Position in der IHK als Vizepräsidentin sieht sie für sich als bedeutend und wichtig an, engagiert sich hier stark. Ihr Vorteil, sie kann sich Tageszeiten frei einteilen, ist flexibel. Dazu musste sie lernen, auch loszulassen und anderen etwas von der Verantwortung zu übertragen.

Birgitta Schrempp möchte etwas Gutes aus der Region machen, herzerfrischend erzählt sie vom ländlichen Raum, dessen Infrastruktur und ihrem Wohn- und Arbeitsort – dem „Herzstück Deutschlands in der Ortenau“. Sie hat etwas Angst, dass sich Deutschland im weltweiten Geschehen abhängen lässt. Vehement macht sie sich für Europa stark, „das brauchen wir um wirtschaftlich bestehen zu können, denn im Prinzip sind wir in Deutschland doch ein Binnenland“. Dazu bringt sie sich vielfältig ein, arbeitet mit französischen Schulen zusammen, „aber der Bürokratismus diesbezüglich, der frisst uns irgendwann einmal auf“. Seit 2018 sitzt sie im Hochschulrat, die Hochschule Offenburg ist Kooperationspartner des Unternehmens Schrempp. Die jungen Studenten sieht sie als Zukunftsforscher mit vielen kreativen Ideen.

Sie sieht sich als Stratege und ist heute noch bei Personalverhandlungen aktiv dabei. Das Durchschnittsalter bei Schrempp liegt bei 34 Jahren, es gibt auch zahlreiche ältere Mitarbeiter mit unheimlichem Erfahrungs- und Wissensschatz und genau die braucht es auch.
Fakt ist, dass Birgitta Schrempp noch nicht an den Ruhestand denkt, allerdings hat sie Großteile der Verantwortung in der Firma abgegeben und ihre Nachfolge geregelt, wenn ihr etwas passieren sollte. Mit dieser Thematik habe sie sich intensiv nach dem Tod ihres Mannes beschäftigt. „Ich bin mir meiner Verantwortung durchaus bewusst und ich weiß, bei solch einem einschneidenden Erlebnis, wie dem Tod seines Ehemannes, knickt man entweder ein oder man wird stark“. Sie hat sich für die zweite Variante entschieden und ist glücklich damit. Sie hat ein intaktes Familienleben mit ihren Geschwistern. Dazu dient auch eine Familien-App und selbiges hat sie mit ihrem langjährigen Freundeskreis.

Brigitta Schrempp privatIhren Beschluss Gas zu geben, bereut sie nicht, ab und zu hinterfragt sie noch die vielen anderen, kleineren Ehrenämter, aber solange sie Spaß und Freude daran hat, möchte sie hier auch nichts abgeben. Vieles tut sie ohne großes Tamtam im Stillen, unterstützt hier und da, wo sie es für wichtig und nötig hält.

Freundschaften pflegen, der große Garten und das Kochen sind ihre Hobbys, wobei Birgitta Schrempp das Wochenende heilig ist. „War ich früher schon einmal aufbrausend und impulsiv, so bin ich heute lässig unterwegs“, lacht sie herzlich.

Zukunftsorientiert mit Visionen
1995 zog die Firma in das neue Firmengebäude in Lahr direkt am Flughafen – die Kanadier waren gerade weg. 2.500 Quadratmeter und steige Erweiterungen, sowie zusätzliche Optionsflächen für die Zukunft erklären heute den damaligen Weitblick. „Ich habe immer noch ein Ziel vor Augen“, schmunzelt Birgitta Schrempp und das sei ein Schulungszentrum – den Plan dafür hat sie übrigens bereits in ihrer Schublade.

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Text: Heike Scheiding-Brode
Fotos: Schrempp edv