IHK-Präsident mit großem Netzwerk

Bis 2021 dauert die zweite Amtsperiode des IHK-Präsidenten Dr. Steffen Auer für den südlichen Oberrhein noch. Zehn Jahre insgesamt, in denen der souveräne Mann so einiges bewegt hat und noch bewegen will. Heike Scheiding-Brode hat Dr. Steffen Auer in den Räumlichkeiten der IHK Südlicher Oberrhein in Freiburg besucht.

Vielfältiges Ehrenamt
Seit 2011 ist Steffen Auer IHK-Präsident. Aufgrund seines ehrenamtlichen Engagements hat er seine Firma, den Großhändler Schwarzwald-Eisen aus Lahr, komplett neu organisiert. Die rund 250 Mitarbeiter tragen mehr Eigenverantwortung. Die operative Führung liegt vor allem im Kreis der Familie.

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Ist das Amt als IHK-Präsident auch umfangreich, so bringt Auer sich doch gern ein. „In der Region können wir als IHK viel bewirken, hier spreche ich als Präsident der 50-köpfigen Vollversammlung für unsere 60.000 Mitgliedsbetriebe.“ Die Anfangszeiten, gesteht er, seien nicht ganz leicht gewesen. „Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis ich jeden wichtigen Akteur getroffen hatte.“ Zwei Tage in der Woche ist er als Präsident unterwegs. „Eigentlich lebe ich in zwei Welten, auf der einen Seite als Interessenvertreter der gesamten Wirtschaft, auf der anderen Seite als Firmeninhaber.“de Als IHK-Präsident sind Themen und Aufgaben vielfältig, doch bekomme Auer viel Unterstützung seitens der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der IHK. Dass die Amtszeit der Präsidenten der IHK Südlicher Oberrhein grundsätzlich nur zwei Amtsperioden dauern darf, findet er richtig. „Ein neuer Präsident bringt frischen Wind und neue Ideen.“

Dienstleister und Wirtschaftsvertreter
Der Staat hat den Industrie- und Handelskammern sogenannte hoheitliche Aufgaben aufgetragen. „Unser Hauptaugenmerk liegt auf unseren Mitgliedsunternehmen, die in uns einen wichtigen Dienstleister haben“, beschreibt Auer. „Unsere Aufgabe ist es natürlich, die Wirtschaft als Ganzes zu vertreten – vom kleinen Laden bis zum international agierenden Unternehmen“. Was manch einer vielleicht nicht weiß: Die Politik holt sich von der IHK Ratschläge und Hinweise. „Wir beraten die Politik, jede Partei objektiv. Und das wird geschätzt, weil wir schlichtweg ein Bild der Gesamtwirtschaft abgeben können.“

Die Regionalstudie
Einen Fokus hat die IHK Südlicher Oberrhein aktuell auf ihre Regionalstudie gerichtet. „Wie tickt der südliche Oberrhein, wie kann er besser entwickelt werden“, erläutert Dr. Steffen Auer den Sinn und Zweck dieser. „Die Region hier ist sehr speziell mit ihren unzähligen Hidden Champions, und das im ländlichen Raum, das gibt es nur in Baden-Württemberg.“

Im Herbst rechnet die Kammer mit ersten Ergebnissen. Dabei wird die Regionalstudie den IHK-Bezirk nicht als Einheit betrachten, sondern die Unterschiede von Nord nach Süd und die verschiedenartigen Anforderungen in den Blick nehmen. Auer: „Da ist die Stadt Freiburg mit ihrem Einzugsgebiet und dem Druck des Zuzugs als so genannte „Schwarmstadt“ mit sehr positiver Wahrnehmung, aber auch die Ortenau, die nicht so greifbar ist und weniger Zuzugsregion.“ Überregional sei die Ortenau zwar gänzlich unbekannt, habe aber eine stärkere Wirtschaftskraft als Freiburg und sehr viele große Betriebe mitten im ländlichen Raum mit vielen Arbeitsplätzen und entsprechendem Ertrag. Auer nennt hier die Beispiele Europa-Park in Rust und Herrenknecht in Schwanau. Die größten Arbeitgeber Freiburgs sind die Universität und das Uniklinikum, die zusammen einen von sechs Arbeitsplätzen in der Stadt stellen. Doch daneben gibt es auch große Wirtschaftsunternehmen, etwa die Haufe-Gruppe, den Pharmakonzern Pfizer, den Regionalversorger Badenova oder den Medizintechniker Stryker.

Für die Region gesamt sieht Auer vor allem einen Investitionsbedarf bei der Infrastruktur, etwa im öffentlichen Verkehr oder bei der Versorgung mit schnellem Internet per Breitband. „Das muss Aufgabe des Staates sein.“ Ein weiteres Problem, das die Regionalstudie aufzeigen wird, ist der fehlende Wohnraum. Hier müsste laut Auer eine Gesamtstrategie für Freiburg und das Umland erarbeitet werden. „Freiburg hat in der Vergangenheit eher nach sich selbst geschaut, hier ist aber überregionales Denken angesagt und das würden wir als IHK gerne fördern.“ Die Ergebnisse der Studie sollen mit Wirtschaftsvertretern, der Hochschule und Politik diskutiert werden, ganz im Hinblick auf die Frage, was man tun kann. Die IHK sei sich ihrer Verantwortung hier bewusst und werde diese in Zukunft noch stärker wahrnehmen.

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Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Stärken möchte Auer auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Ein erster Schritt für mehr Kooperation ist der Aachener Vertrag. Konkrete Projekte wie die Bahnstrecke Colmar-Freiburg sind bereits in der Planungsphase und laut Auer „überaus wünschenswert“. Auch das angedachte Gewerbegebiet Fessenheim mit notwendigen speziellen Gesetzen zum Arbeitsrecht für ein gutes deutsch-französisches Miteinander sei ein wichtiger Meilenstein. Kontinuierlich steige, so Auer, die Zahl der Praktikanten aus dem Elsass, die in Firmen in Freiburg, Lahr und Müllheim hineinschnuppern. Inzwischen haben rund 250 Jugendliche im Alter von 14 bis 15 Jahren das Angebot, das unter anderem von der IHK unterstützt wird, genutzt. Nicht vergessen dürfe man hierbei die etwa 20 Prozent Jugend-Arbeitslosenquote im Elsass, der man so entgegensteuern möchte. „Wir tun extrem viel, haben es aber bisher noch nicht geschafft, sehr viele arbeitslose Jugendliche aus Frankreich für eine Ausbildung bei uns in Deutschland zu begeistern.“ Im IHK-Bezirk rund um Freiburg herrscht Vollbeschäftigung. Das bedeutet auch, dass die Unternehmen alle Hände voll zu tun haben, um überhaupt geeigneten Nachwuchs zu finden. Engagierte Jugendliche aus dem Elsass wären da äußerst willkommen.

Gut aufgestellt in die Zukunft
Anders als in anderen Kammern wird die Region südlicher Oberrhein nicht von großen Konzernen dominiert. Im Gegenteil: Mehr als Zwei Drittel aller Mitgliedsbetriebe haben weniger als 20 Mitarbeiter. Auer: „Hier haben wir zuletzt konkrete, auf diese Gruppe zugeschnittene Angebote entwickelt.“ Das reiche vom Businessfrühstück, bei dem die Kleinunternehmerinnen und -unternehmer in entspannter Atmosphäre ins Gespräch kommen können, bis zum „Tag der Kleinunternehmen“, der Fachvorträge sowie eine Ausstellermesse mit Lösungen und Dienstleistungen speziell für kleine Betriebe bietet. „Gerade die Kleinunternehmen möchten wir mit unserer neuen Digitalisierungskampagne mitnehmen“, spricht der Präsident eine weitere Initiative der IHK an. „Die Digitalisierung ist die Herausforderung für unsere Unternehmen. Deshalb haben wir 2018 in diesem Bereich unser größtes Programm mit einer Million Euro Finanzierungsvolumen gestartet.“ Auf fünf Handlungsfeldern wird die IHK ihre Mitglieder unterstützen: Information und Sensibilisierung, Beratung, Qualifizierung in Aus- und Weiterbildung, Vernetzung sowie Transfer. „Wichtig ist mir dabei, dass unsere IHK hier nicht nur als kompetenter Berater erlebt wird, sondern als Gemeinschaft von Unternehmen, die Probleme auch gemeinsam angehen und lösen können“, erklärt Auer. Denn das sieht der Präsident der Industrie- und Handelskammer südlicher Oberrhein in der Einrichtung: „Wir sind eine Mitmachgemeinschaft. Und ich kann nur jedes Unternehmen auffordern: Machen Sie mit!“

Dr. Steffen Auer ist 49 Jahre, promovierter Chemiker, verheiratet und hat zwei Kinder (14 und 16 Jahre). In seiner Freizeit geht er gern joggen oder spielt Klavier.

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Der Kammerbezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein liegt im Südwesten Deutschlands, in Baden-Württemberg. Er umfasst die Stadt Freiburg sowie die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und die Ortenau. Auf dieser Fläche von 4.062 Quadratkilometern leben rund eine Million Menschen. Der südliche Oberrhein ist für viele Unternehmen ein idealer Standort mit der unmittelbaren Nähe zu Frankreich und der Schweiz. Auch das Investitionsklima in der Region ist gut. Rund 60.000 Mitgliedsunternehmen umfasst der Bezirk der IHK. Die regionale Wirtschaft ist durch einen ausgewogenen Branchenmix und eine gesunde mittelständische Struktur gekennzeichnet. Zahlreiche innovative und kreative Unternehmen aus Industrie, Dienstleistung, Handel und Tourismus haben sich hier ein Standbein aufgebaut, darunter unzählige Global-Player und sogenannte Hidden Champions.

Text: Heike Scheiding-Brode
Fotos: Klaus Polkowski, Michael Bode, IHK Südlicher Oberhein