Ein Ideensprudelnder Tausendsassa mit Nachhaltigkeit und viele Werten

Er ist unbestritten ein Tausendsassa, ein charismatischer, sympathischer und authentischer Allrounder, der vor Ideen nur so sprudelt und dem diese nie auszugehen scheinen.

Uwe Baumanns Tag hat, wie er lachend beim Interview erzählt, 38 Stunden. Das glaube ich ihm sofort, als ich seine Vita in die Hände bekomme und nach etwas über einer Stunde Gespräch weiß ich es auch. Das Interview führen wir in Lahr im Büro von Kosmos Schwarzwald, allerdings nicht in seinem Büro, denn hier musste ich lachen, dagegen sieht mein eigenes mit immer leicht kreativem Chaos picobello aufgeräumt aus. Aber in seiner chaotischen Ordnung, zwar keinem Feng Shui Ansatz entsprechend, findet sich der 1959 in Lahr geborene Powermann durchaus zurecht.

 Uwe Baumann

„Meine Welt ist bunt“ ist sein Lebensmotto und das passt wie die Faust aufs Auge, denn schon im zarten Alter von 11 Jahren gründet er im Heimatort Seelbach einen Jugendclub und drei Jahre später den dortigen Ortsverband der Jungen Union – wow. Ich möchte gar nicht auf seine unzähligen Stationen in einem überaus bewegten Leben eingehen, da wird mir selbst ganz schwindelig und ich ziehe den Hut vor so viel Engagement und das wohl stets verbunden mit Herz und Leidenschaft. Aber ein paar Dinge gehören hier in diese Geschichte:

Nach einer Ausbildung zum Möbelkaufmann, wird auch ein Möbeldesign- und Kunstgewerbegeschäft in Seelbach eröffnet, das nach acht Jahren 1988 wieder verkauft wird. 1984 nahm dann eine ganz andere Idee seinen Lauf – die Ideenwerkstatt, die es bis heute gibt und die, wie der Name schon sagt, Ideen und Inszenierungen auf Lager hat. Bei vielen denkt man tolle Sache, bei manchen, „auf so etwas wäre ich nie gekommen“ und bei wieder anderen, „ja, das passt“. Aus dieser Ideenwerkstatt schöpft Uwe Baumann mit einer großen Kelle Visionen, die er brütend verfolgt, um dann jene Überzeugenden vorzuschlagen, seinen Auftraggebern schmackhaft zu machen, oder selbst zu realisieren. In über 40 Jahren hat Baumann rund 3.500 Veranstaltungen konzipiert, durchgeführt, moderiert und war für etwa 50 größere Geschichten der Projektentwickler in Kultur und Wirtschaft.

PortraitWelche Ideen braucht die Wirklichkeit?
Noch ein wow – denn das bedeutet auch Trendsetter zu sein, Mut zur Lücke zu haben, Visionen zu verfolgen und Phantasien lebendig werden zu lassen. „Wir Männer träumen manchmal recht gerne“, sagt er und ich muss lachen, denn in der Tat entstehen aus Baumanns Träumen unglaubliche Dinge, die die Menschen hier in Baden bewegen, faszinieren, klüger machen oder amüsieren. „Ich stelle mir immer die Frage, welche Ideen braucht die Wirklichkeit“ und danach arbeite ich, betont Baumann lässig. Das hört sich an, als wenn es einfach wäre, für Baumann schon, denn in Kultur, Kunst, Wissenschaft und Politik ist er zuhause. Die einstige Kaufmanns-Ausbildung legte den Grundstein zu alledem und auch wenn sein Papa einst wollte, dass Sohnemann das Baugeschäft übernimmt, so weiß Baumann, dass das zum einen „für seine zarten Hände nichts war“, zum anderen hier jede Menge an Kreativität verpufft wäre, die die Welt und die Menschen nie erreicht hätten – zumindest nicht so, wie jetzt.

Politisch geprägt
Uwe Baumann ist ein zutiefst politischer Mensch, dass er früher Klassen- und Schulsprecher war, versteht sich von selbst. Gemeinsame Wegstrecken mit Wolfgang Schäuble, Begegnungen mit Heiner Geissler oder Kurt Biedenkopf machen deutlich auf welchem Terrain Baumann zu Hause ist. Ich bin der Meinung, dass ich einem überaus gebildeten Menschen gegenübersitze, im Kern allerdings wirkt mein Gegenüber etwas verplant und chaotisch, aber das ist glaube ich nur die Tarnung dessen, was er tagtäglich „rockt“. Mit 24 Jahren ging er raus aus der Politik und wechselte zur Kulturarbeit.
„Ich kann schlecht nachdenken, aber gut vorfühlen und vordenken“, sagt Uwe Baumann und trinkt einen Schluck Kaffee und dabei halte er die Nase in den Wind und erspüre, was so in der Luft liegt – das hört sich für mich wie ein besonderes Talent an und das wird genutzt – jeden Tag 38 Stunden lang. Und dieses Talent macht auch den Erfolg der unzähligen Projekte aus. „Dinge kommen auf mich zu, die Projekte sind wie Magnete, Werte werden abgestrahlt, werthaltige Arbeit entsteht und dabei ist der Euro für mich rein ein Gestaltungsmittel, denn die Werte liegen mir am Herzen, zum Beispiel die Bewahrung der Regionalität“, philosophiert Baumann.

Specktakel
Vor etwa einem Jahr erschien sein Buch Specktakel, denn ihn begeisterte die Grundfrage, was so alles an einem kleinen Stückchen Speck dranhängt. Dieser ging er auf den Grund – dreieinhalb Jahre lang – um aufmerksam zu machen, zu sensibilisieren, welchen Weg dieses Speckstück geht, bis es auf dem Teller, besser gesagt auf dem Speckbrett liegt. Wie werden die Tiere geschlachtet, wie sind sie zuvor aufgewachsen und gehalten worden und vieles mehr. „Das ist für mich ein hochpolitisches Buch“, erklärt mir Baumann, weil es schlichtweg in die Tiefe eindringt und Informationen, die Otto Normalverbraucher so gar nicht bewusst sind, aufsaugt wie ein Schwamm, um diese dann wieder in epischer Vielfalt im Buch zu vergießen. „Eigentlich wollte ich ja nur ein Rezeptbuch machen, aber dann rollte diese Kulturgeschichte auf mich zu“. Zwischendurch habe er Phasen gehabt, wo er aufgeben wollte, denn nur 0,8 Prozent der Schweine leben tatsächlich im Schwarzwald und geben den „Schwarzwälder Speck“ – die anderen? Das seien Monopol-Strukturen, wo ein paar Wenige den Markt bestimmen und so ging er den 0,8 Prozent auf die Spur, wurde zum „Specktologen“. Das Thema an sich will er weiter bespielen, denn 50-60 Bauern sind „ECHT SCHWARZWALD“, auch mit Obst, Bränden, Forst und Jagd“ – und so wir diese Geschichte in einer Erzeugergemeinschaft, die auch der Offenhaltung der Landschaft dient, weitergehen. Dies übrigens mit 22 Kommunen und 60 Bauern.

„Ich liebe schöpferische Dimensionen vom Chaos“
Uwe Baumann entwickelt eine Idee, verfolgt diese mit Leidenschaft und bohrt, sucht, schnüffelt, oft mit König Zufall an der Seite, um so Dingen auf den Grund zu gehen. „Ich arbeite nicht um Geld zu verdienen, ich brauche Geld, um arbeiten zu können“, sinniert Baumann, der sich der Wirkung seiner Arbeit und hier das Richtige zu tun, durchaus bewusst ist. Er liebt die schöpferischen Dimensionen vom Chaos, setzt sich Prioritäten als Tages-Entscheidung, formuliert Ziele zu Jahresbeginn, denn man könnte sich bei all seinen vielen Projekten vorstellen, dass man sich da schnell verzettelt. Dem ist nicht so, denn er formt aus dieser Urmasse, aus diesem Tohuwabohu. Das gelingt ihm leicht, denn er absolvierte interessenhalber und der Übertragbarkeit willen auch Ausbildungen in den Bereichen Zirkus-und Theaterpädagogik, war in den Bereichen Artistik, Clownerie, Zauberei und Fakir unterwegs.
„Das ganze Leben ist Theater, Buch und Stadt sind Auftrittsfläche, ich bin Regisseur im eigenen Leben, setze ein klares Profil für einen klaren Auftritt“.

Uwe Johann Lafer

Uwe Baumann moderiert  und konzipiert Kochshows. Er begleitete inhaltlich und konzeptionell Kathrin Rüegg in ihren nahezu 400 Sendungen „Was die Großmutter noch wusste" oder stand selbst mit Kochgrößen wie zum Beispiel Johann Lafer, Nelson Müller, Roland Trettl oder Jörg Sackmann und Marc Häberlin  als Moderator live auf der Bühne - um nur einige zu nennen. Entsprechend entwickelt er Kochbücher, ist mit seinem Wissen und Können neben Bühnen - auch Projekt-und Workshop-Moderator. Aus seinem Sein und seiner Mitarbeit heraus entwickeln sich mit Dinge wie die Chyrsanthema  in Lahr, die Lahrer „LichtBlicke“, die „Puppenparade“, die „Ökologiestation Langenhard“, „Kultur im Klostergarten“ oder die „Freilichtspiele“ in Seelbach, die „Freiämter Lesenächte“ oder auf kurze Laufzeit angelegte Projekte  wie  „Das Kleine Zeltwunder“ in Staufen, und, und, und......   

„Kosmos Schwarzwald“
Ab vom Schuss, inmitten der Natur und ohne Telekom-Leitung lebt Uwe Baumann auf einem Schwarzwälder Bauernhof auf dem Langenhard - mit Blick auf den Oberrheingraben. Hier kann er sich inspirieren lassen von der Natur, Kraft schöpfen, bespricht sich mit der Geiß und schafft es den Fokus auf das Wesentliche zu setzen. Dann sprudeln wieder neue Ideen und Visionen.
Eines seiner besonders Erfolg- und wirkungsreichen Projekte ist der „Kosmos Schwarzwald“. Dieser versteht sich als kulturelle, schöpferische Bewegung, die die Eigenschaften und Werte dieser Region auf unterschiedliche Art und Weise sicht-, spür- und greifbar macht. Die Nachfrage nach Veranstaltungsprofilen werde immer stärker, auch aus Asien kommen schon Ausstellungswünsche zum Thema „Black forest“ an ihn heran. Uwe Baumann ist hier Projekt-Initiator und Moderator.
Über 40 Kreative aus Kunst und Kunsthandwerk haben sich im Themenbereich Kunst und Kunsthandwerk zusammengefunden. Sie alle setzen sich in ihren Arbeiten mit dem Thema Schwarzwald auseinander und zusammen. Bei Kosmos Schwarzwald dreht sich alles um die „Heimat Schwarzwald“ - mit all ihren Seiten und Facetten - aber nie altbacken und verstaubt, sondern trendig aufgepeppt und famos bunt. Ach ja, auch beim SWR Schauspieler und Schwarzwälder Kabarettisten Martin Wangler und seiner Tour mit dem Traktor ist Uwe Baumann als Regisseur mit im Boot, nein im Traktor, 2019/20, so verrät er, wird die Tour nicht mehr nur hier im kleinen Badischen, sondern im Ländle stattfinden, der Schwarzwald wird erstmals verlassen – eine Kooperation mit und über Forstminister des Landes Peter Hauk.

Startups
Uwe Baumann fördert Startups mit der WRO in der Ortenau und der Wirtschaftsregion Freiburg – aber „nur so zwei Dutzend im Jahr“, lacht er. Ich möchte an dieser Stelle anfügen, dass ich meine Interviews nicht aufzeichne, sondern ganz „old School“ mitschreibe, aber bei Uwe Baumann füllen sich Seite um Seite und auch jetzt beim Tippen weiß ich gar nicht, was ich weglassen soll und was nicht – vieles erscheint mir informativ, spektakulär und toll. Der Tausendsassa wäre sicher ein hervorragender Kandidat für ein eigenes Buch über sich selbst, eine Biografie. „Ich entscheide mich grundsätzlich dafür, bei was ich mitwirken will“, sagt er unter anderem auch zum Thema Startups, denn er weiß, dass große Konzerne sehr gerne das Know-how der Kleinen abgreifen und darin wiederum sieht er eine große Herausforderung, hier Hilfestellung zu leisten – ganz wie aus VOX bekannt in der „Höhle der Löwen“. Es muss für ihn stimmen, sonst investiert er nicht, „da bin ich konsequent, denn für mich stehen stets lebensdienliche Werte und Inhalte im Mittelpunkt“.

Und sonst..
141231 Dammenmühle 092Der Michael Ende-Fan mit MOMO und „meine Welt ist bunt, ich glaube, sie ist grundsätzlich bunt gedacht", liest dieses Buch einmal jährlich. „Das bringt mir in jeder Lebensphase wieder neue Aspekte“, schwärmt Baumann. Sein Leitmotiv: „Es gibt einen Weg, den keiner geht, wenn du ihn nicht gehst“ (Werner Sprenger) und seine Herausforderung: „Zeit ist Leben und Leben wohnt im Herzen“ natürlich von Michael Ende aus MOMO.

Worte haben Wirkung, dessen ist sich Baumann bewusst, gerade arbeitet er an einem Buch von und mit Katja Ebstein. „Unterhaltung muss etwas mit Haltung zu tun haben“, sagt er, zwei Jahre habe er bereits Grundmaterial gesammelt. „Das einzige was ich kann, ist schwätzen, das Wort hat Wirkung und darüber muss man sich nur bewusst sein“, betont er. Nun, da stimme ich zu, denn so viele gute, sinnige Motive und Sprüche habe ich schon lange nicht mehr gehört. Das Gespräch macht unglaublich Spaß, man könnte dieses sicherlich Stundenlang ausdehnen, denn Baumann ist ein gewissenhafter, zielorientierter und lebensprühender, positiver Tausendsassa.

Seine Themen: Gewalt im Sport oder Inklusion
Ein weiteres, aus Projekten im Sportbereich heraus gewachsenes Thema für ihn ist „Gewalt im Sport“, hier engagiert sich Uwe Baumann gegen sexualisierte Gewalt im Sport, konzipiert Veranstaltungsformate für das Ehrenamt. Quer durch Baden-Württemberg verfolgt Baumann ein Inklusionsprojekt, das Talente der behinderten Menschen zutage fördert, beim Miteinander in Eichstetten ist er übrigens auch dabei.

Eine seiner Kernfragen: „Wie macht man aus Stolpersteinen Glückssteine? beantwortet er selbst, „indem ich daraus lerne, wie der Clown sein eigenes  Stolpern und Scheitern  in Fantasie und Kreativität umwandelt.  Philosophie über das künstlerischen Daseins bildet ihm eine gute Grundlage, so wie der Maler, der sich einen Rahmen setzt und der Clown der Glückssteine sammelt. Ein authentischer, heimatverbundener Ideensprudelnder Tausendsassa, der tatsächlich bewegt, hoffentlich auch den einen oder anderen Leser, der hier aus dieser Geschichte für sein Leben etwas mitnehmen kann. Bei mir war es das Leitmotiv – „Meine Welt ist bunt“ -  das mich so fasziniert hat – danke Uwe Baumann.

Text: Heike Scheiding-Brode
Fotos: Uwe Baumann