50.000 Kilometer in 12 Monaten im Schwarzwald gefahren

Im September 2017 kam der Südtiroler Hansjörg Mair  als neuer Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus GmbH nach Freiburg. Zuvor war der damals 49-Jährige Geschäftsführer des Tourismusverbandes „Südtirols Süden“ in Bozen gewesen. „Region im Blick“ fragte, wie das erste Jahr im Schwarzwald „gelaufen“ ist.

Mehr als 50.000 Kilometer ist Mair seither mit seinem Geschäftsauto kreuz und quer durch den Schwarzwald gefahren, um sich ein eigenes Bild zu machen, sein Netzwerk zu erweitern, nach Symbiosen zu suchen, Visionen auf die Reise zu schicken.
„Wir sind auf einem guten Weg, konnten schon viele Dinge umsetzen und bewegen“, erklärt der stylische Geschäftsführer. Nicht nur sein Outfit erstrahlt heute in Grüntönen, auch seine Finger –  liebt er es doch, wie er schmunzelnd erzählt, mit grüner Tinte zu schreiben. Er liebt auch großzügige Tafeln, an denen man mit viel bunter Kreide immer wieder neue Ideen notieren, markieren und entwickeln kann.

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„Als ich hier ankam, wurden sehr viele Erwartungen an mich herangetragen. Zum Teil auch widersprüchliche. Aber so etwas ist normal und ich denke, wir haben inzwischen Vieles auf einen guten Weg gebracht, auch neue Allianzen geschmiedet und Akzente gesetzt.“

Zur Ferienregion gehören 312 Gemeinden, von denen etwa 240 touristisch aktiv sind.

In dieser riesigen Region braucht es starke Partner, deren Ziele sozusagen identisch sind mit dem, was Mair selber will. Ob Nationalpark, Biosphäre, Naturparke, die Städte, der Europa-Park oder starke Regionen wie der Hochschwarzwald – nur eine intensive Zusammenarbeit zeitigt Erfolge. Deshalb gehören regelmäßige Treffen und Workshops jetzt zum Alltag des 30-köpfigen STG-Teams in Freiburg.

Starke Teilregionen wie den Hochschwarzwald sieht er als Zugpferde für die Marke Schwarzwald, von denen auch alle anderen profitieren – auch die Gemeinden im Markgräflerland oder im Kaiserstuhl, selbst wenn sich ihre Einwohner nicht als Schwarzwälder fühlen. „Die Wahrnehmung ist wichtiger als die Wirklichkeit“, betont Mair und verweist darauf, dass für den potenziellen Gast irgendwo draußen in der Welt auch sie zum „Black forest“ gehören.

Sein Credo: „Wir müssen die Begehrlichkeiten und die Bekanntheit des Schwarzwaldes nutzen, die mit dem Markenimage verknüpft sind. Wir müssen die Marke noch stärker über Leuchttürme aus unserer Region erfahrbar machen.“
Allerdings ist Mairs Job nicht gerade einfach, da der Geschäftsführer immer das „Gesamtpaket Schwarzwald“ im Auge haben und mit unzähligen Begehrlichkeiten umgehen muss. Zwölf Landkreise, vier Stadtkreise, das Land Baden-Württemberg, fast 20 Wirtschaftspartner und die Arbeit der STG selbst sorgen für ein Jahresbudget von 4,5 Millionen Euro.  Für Mair ist das zu wenig angesichts der Tatsache, dass die 38 Millionen Gästeübernachtungen in der Region jedes Jahr 136 Millionen Euro Steuern für die Gemeinden generieren und direkt oder indirekt rund 500.000 Arbeitsplätze sichern.

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Digitalisierung
„Die Schwarzwald Tourismus GmbH war eine der ersten Tourismusorganisationen in Deutschland, die alle Mitarbeiter digital geschult und zertifiziert hat“, betont Mair. Dazu habe man mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) den Kurs „Digital Tourism Coach“ entwickelt. Damit sei eine gute Grundlage für die Digitalisierung gelegt worden. Die digitale Kompetenz aufzubauen sei jedoch ein fortwährender Prozess.

Stilgruppe – keine Zielgruppe
Überrascht sei er gewesen von den vielen Global Playern, die es im Schwarzwald gibt, von starken Marken und Unternehmen. Hier möchte er ansetzen und diese mit ins Boot holen. „Wir arbeiten hier in einem tollen, unvergleichlichen Lebensraum.“ Erstmals, so Mair, werde man 2019 eine Ganzjahreskampagne schalten, die den Schwarzwald mit seinen vielen Facetten und Themen in das Bewusstsein rücken wird. Das sei auch ein starkes Argument für die Firmen und die zu besetzenden Arbeitsplätze. „Nicht nur Urlauber, auch Arbeitnehmer wünschen sich echte Erlebnisse mit Substanz, Inhalt, Empathie“, erläutert der Geschäftsführer.
In der Kommunikation brauche es Leuchttürme, wie den Europa-Park mit einer Million Übernachtungen im Jahr, Wein & Kulinarik, das Badeparadies Schwarzwald, die Vogtsbauernhöfe und mehr. „Wir müssen in großen Dimensionen denken und nicht so kleinteilig“, ist er sich sicher.  Warum nicht im Ausland auch mit Basel und Straßburg oder Heidelberg werben. Touristen aus den USA oder Asien sehen solche Wegstrecken nicht als Problem wenn sie an Black forest denken.
Abstand nehmen will er dagegen von einige Messeauftritten. Er habe die Zahl von ca. 40 auf jetzt nur noch auf 17 Messebesuche zurückgeschraubt. „Messen sind Kundenkontakt zu Kaviarpreisen“, betont er. Vielen ist Mair zu schnell unterwegs, den Wenigsten ist er zu langsam, lautet sein Fazit.

Mair Büro 3Weg von allen Denkmustern
Mair sieht sich als Destinations-Manager, Netzwerker und die Schwarzwald Tourismus GmbH als Daten-Dealer, Markenmanager und Dienstleister für die 321 Gemeinden der Region. Gerade den kleineren, schwächeren Orten will er Hilfestellungen bieten. Mobile Produktentwickler der STG sollen vor Ort coachen. Investitionen in den Tourismus müssten aber auch immer wieder darauf abgeklopft werden, ob sie auch den Einheimischen Vorteile bringen. Mair: „Zu oft herrscht bei Einheimischen das Gefühl vor, dass nur etwas für die Touristen gemacht wird.“ Dabei könnten auch Einheimische von den Vorteilen der SchwarzwaldCard profitieren. Mair würde gerne mit den Gemeinden und Verkehrsverbünden ein vergünstigtes Nahverkehrsticket für Einheimische entwickeln, wie es dies für Urlauber im Schwarzwald gibt.

Stolz auf Heimat
Den Unterschied zwischen Schwarzwäldern und Südtirolern sieht Mair im Stolz. Der Südtiroler hingegen werfe sich in die Brust, wenn er von seinem Südtirol schwärme. „Die Menschen hier sind zu wenig stolz auf ihre Heimat – oder sie zeigen es zu wenig. Hier leben drei Millionen Botschafter, wenn jeder sich mit Stolz zur Region Schwarzwald bekennen würde, wäre das klasse.“
Hansjörg Mair fühlt sich als „Bergmensch“ im Schwarzwald bestens aufgehoben. Er ist leidenschaftlicher Outdoor-Sportler, auch wenn er sich im Januar 2018 beim Skirennen gleich das Kreuzband und die Innenbänder gerissen hat. „Da habe ich Schwarzwälder Hänge vielleicht noch unterschätzt“, schmunzelt er. Er liebt die Weine ebenso wie die ausgezeichnete Gastronomie hier im Schwarzwald und dann liebt er auch noch das Mountainbiken .

Text: Heike Scheiding-Brode
Fotos: Hansjörg Mair